Kampagne „Süße Ware, schneller Tod“

Tierheim in Stuhr-Brinkum kämpft gegen illegalen Welpenhandel

Ein Hund liegt auf einer Wiese.
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Ein Beispiel für illegalen Welpenhandel: Luna.

Sie haben süße Namen und sehen noch süßer aus: Die Rede ist von Hundewelpen, die schon vor Corona stark nachgefragt waren. Doch seit Ausbruch der Pandemie boomt das Geschäft, speziell der illegale Welpenhandel, noch mehr als vorher. Das hat mehr als 60 Tierschutzpartner in Deutschland dazu bewogen, sich der vom Hamburger Tierschutzverein initiierten Kampagne „Süße Ware, schneller Tod“ anzuschließen.

Brinkum – „Häufig sind Tiere aus dem illegalen Handel krank, nicht wenige sterben“, heißt es in einer Mitteilung des Vereins Bund gegen Missbrauch der Tiere (bmt). An der Kampagne beteiligt sich auch das Brinkumer Tierheim Arche Noah, das Mitglied im bmt ist. Auf Instagram und Facebook wird es morgen ab 10 Uhr darauf aufmerksam machen. Die Online-Aktionen laufen unter #welpenhandelstoppen, einige Tierheime haben Mahnwachen angekündigt. Das Ziel: die Bevölkerung für das Leid der Welpen und ihrer Eltern zu sensibilisieren.

Die Brinkumer haben in der vergangenen Woche selbst eine Labrador-Hündin aufgenommen, von der die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter glauben, dass sie aus einem illegalen Welpenhandel stammt. Ihr Besitzer hatte Luna, vier Monate alt, in Holland gekauft und sie reumütig in der Arche Noah abgeliefert. „Er hat zugegeben, dass es ein Fehler war, sich das Tier aus Langeweile im Home-Office zuzulegen“, berichtet Heimleiterin Mareike Bergmann. Luna sei ein typischer Corona-Welpe.

Mitarbeiterinnen des Tierheims Arche Noah mit Luna (l.) und Fuomo.

Auch beim griechischen Kritikos-Lagonikos-Mix Foumo, der vor ein paar Wochen in Brinkum gelandet ist, gehen die Tierschützer von illegalem Welpenhandel aus. Der liegt allerdings schon länger zurück, Fuomo ist dreieinhalb Jahre alt.

Nach eigener Auskunft hat der bmt in seinen Tierheimen seit November 2020 rund 100 Welpen aus dem illegalen Hundehandel aufgenommen. Allein im Kasseler Tierheim Wau-Mau-Insel sind im Januar und Februar aus sechs Sicherstellungen 32 Hundewelpen gelandet.

Ungereimtheiten beim Welpenkauf: „Liegt kein Kaufvertrag vor“

Was die kleine Luna angeht, weisen Papiere und Verhalten mehrere Ungereimtheiten auf. „Es liegt kein Kaufvertrag vor, und im Impfpass ist kein Besitzer eingetragen. Noch nicht einmal die Frau, von der der Hund gekauft wurde“, sagt Mareike Bergmann. Dies sei sehr ungewöhnlich und würde bei einer Kontrolle unweigerlich dazu führen, dass das Veterinäramt den Hund sicherstelle. Auch bei Fuomo hätten die üblichen Papiere gefehlt.

Darüber hinaus würde man eine Labrador-Hündin auch in diesem Alter eigentlich zugänglicher erwarten. Und: „Sie kann Dinge nicht, die man als Hund in einem normalen Haushalt können müsste. Sie pinkelt sich auch ein.“ Luna befinde sich nun in Obhut einer Mitarbeiterin. „Im Zwinger eines Tierheims würde so ein kleiner Hund psychisch kaputt gehen“, begründet Mareike Bergmann.

Vermutlich habe die Vorbesitzerin den Vierbeiner in einer niederländischen Puppy Mill (kommerzielle Hundezuchtstation, angelegt auf das schnelle Züchten unter schlechten, nicht tiergerechten Bedingungen, die Red.) erworben und ihn dann weiterverkauft.

Laut bmt ist ein Ende des illegalen Handels nicht in Sicht, „so lange die Tiere legal auf den gängigen Verkaufsplattformen angeboten werden dürfen“. Die Zahlen seien erschreckend: Insgesamt stammten mittlerweile 65 Prozent der in den bmt-Tierheimen aufgenommenen Hunde aus dem Handel im Internet. Die Tendenz sei steigend, die Dunkelziffer beim illegalen Welpenhandel immens hoch.

Tierheim-Tipp: „Auf keinen Fall Tiere im Internet erwerben“

„Wir hatten hier schon Hunde, die drei oder vier Mal bei Ebay verkauft wurden. So etwas funktioniert nicht. Die Probleme gehen los, wenn der Hund zuhause ist“, sagt Mareike Bergmann. Ihr Appell an potenzielle Hundekäufer ist eindeutig: „Auf keinen Fall die Tiere im Internet erwerben. Die erste Anlaufstelle sollte immer das Tierheim sein. Dort gibt es eine gute Beratung. Die Tiere sind gut durchgecheckt.“ Privatleute hätten oft kein Interesse daran, ihren Hund vor dem Verkauf noch untersuchen zu lassen.

Dass es in seiner „Zunft“ schwarze Schafe gibt, weiß natürlich auch Hayo Wilken. Der Heiligenroder züchtet Curly Coated Retriever und ist Mitglied im Deutscher Retriever Club. Doch wie erkennt man einen seriösen Züchter? Der muss sich laut Wilken damit auseinandersetzen, wie es um die Lebensumstände, die Größe der Familie und das „Arbeitsgeschehen“ des Käufers bestellt ist. Kann der Interessent den Bedürfnissen des Hundes gerecht werden? Darauf komme es an. Der Züchter selbst lege offen, wo und was er mit seinen Hunden macht. „Ein Treffen zur Übergabe des Tiers auf dem Parkplatz geht gar nicht“, sagt Wilken. Der Züchter stehe dem Käufer auch nach dem Geschäft weiter für Rückfragen zur Verfügung. Idealerweise gehöre er einem Verein oder einem Verband an.

Hunde dürfen erst im Alter von 15 Wochen den Besitzer wechseln

In einem EU-Land dürfe ein Hund erst im Alter von 15 Wochen den Besitzer wechseln, was den illegalen Welpenhandel ein Stück weit unterbinden soll. „Dann ist das Tier gegen Tollwut durchgeimpft“, sagt Wilken. Einen Betrug mit dem Nachweis der zweiten Tollwutimpfung für einen jüngeren Hund würde zumindest einem Tierarzt sofort auffallen. „Allein schon durch die Größe des Tieres. Wenige Wochen bedeuten schon enorme Wachstumsschübe.“

Wilken appelliert auch an den Verstand des Käufers. „Er muss sich klar darüber sein, dass der Hund für die nächsten 14 bis 16 Jahre ein Familienmitglied ist. Wer die Sache ernst nimmt, wartet im Zweifel auf das Tier, das er haben möchte.“

Informationen

Homepage Tierheim Arche Noah

E-Mail: th-arche-noah@bmt-tierschutz.de

Facebook-Seite Tierheim Arche Noah

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