Personalabbau macht Mitarbeitern Angst

Tierheim „Arche Noah“ steckt tief in den roten Zahlen

Die „Arche Noah“ ist eins von elf BMT-Tierheimen in Deutschland. Im Jahr 1985 siedelte sich die Einrichtung am Rodendamm an. - Foto: sb

Brinkum - Von Sandra Bischoff. Hinter den Kulissen des Tierheims „Arche Noah“ rumort es gewaltig: Über Facebook haben Ehrenamtliche der Einrichtung eine Petition veröffentlicht, in der sie sich gegen „massive Sparmaßnahmen und Entlassungen in kurzer Zeit von mehreren engagierten kompetenten Mitarbeitern“ aussprechen. Der Vorsitzende des Trägervereins Bund gegen Missbrauch der Tiere (BMT), Karsten Plücker, drückt das Problem in Zahlen aus: „Brinkum macht jedes Jahr 200.000 Euro minus.“

Kirsten Borchers-Schietke war mit einem 25-Stunden-Vertrag als Tierpflegerin im Hundehaus angestellt. Ihr Vertrag lief zum 1. August aus und wurde nicht verlängert. Zudem habe eine weitere festangestellte Kollegin gehen müssen sowie zwei Bürokräfte, die geringfügig beschäftigt waren, sagt Borchers-Schietke, die weiterhin ehrenamtlich für das Tierheim arbeitet. Im Haus gehe die Angst um, dass es noch mehr Mitarbeiter treffen könnte.

Rund 50 Hunde und noch einmal genauso viele Katzen wohnen durchschnittlich in der „Arche Noah“. Hinzu kommen zahlreiche Kleintiere wie etwa Kaninchen. Das Tierheim stehe finanziell nicht sonderlich gut da, sagt Borchers-Schietke. „Das liegt aber auch daran, dass wir nicht so häufig in den Genuss hoher Erbschaften kommen wie die BMT-Häuser in Hamburg oder Bayern.“ Eine Art Finanzausgleich, also eine finanzielle Unterstützung der bessergestellten Tierheime für die schwächeren, ist eine Idee von Borchers-Schietke. „Zumindest in den schlechten Zeiten, denn die Vermittlungszahlen der Tiere sind ja gut.“

Zudem glauben sie und ihre Mitstreiter, dass das Problem schnell gelöst werden könne, wenn der Trägerverein ein neues Hundehaus auf dem Gelände am Rodendamm baue und das Heim einen Fundtiervertrag mit den Städten Delmenhorst und Bremen abschließe. „Bremen hat zwar, anders als Delmenhorst, ein eigenes Heim, aber meistens sind die sehr voll. Wir könnten denen Tiere abnehmen.“ Mit den Gemeinden Stuhr und Weyhe sowie der Stadt Syke bestehen bereits seit Jahren solche Verträge. Das heißt konkret, die Kommunen überweisen der Einrichtung Geld für die Versorgung der Fundtiere. Dadurch kommen im Jahr knapp 100.000 Euro zusammen. Der Trägerverein unterstützt seine Heime ebenfalls, aber die Zuwendungen sind laut der Ehrenamtlichen nicht sonderlich hoch. Ansonsten finanziert sich die Einrichtung durch Spenden und Erbschaften.

Die Ehrenamtlichen machen sich nun darüber Sorgen, dass die vierbeinigen Bewohner unter den Einsparungen leiden müssen. So hätte sich schon jetzt einiges geändert, zum Beispiel die Zeiten, in denen Ehrenamtliche die Möglichkeit haben, mit den Hunden spazieren zu gehen. „Die Leute können nicht mehr am Sonnabendnachmittag mit den Hunden raus, nur noch vormittags, und da ist oft wenig Resonanz“, beklagt Borchers-Schietke.

Geschäftsstellenleiterin Anke Mory und Betriebsleiter Stefan Ziesemer hätten bereits das Gespräch mit dem Vorstand gesucht, „aber dabei ist nichts herausgekommen.“

„Unser Ziel ist es, das Tierheim in Brinkum nicht schließen zu müssen“, sagt BMT-Vorsitzender Karsten Plücker. Aber die Situation sei ernst: Denn eigentlich sei die Einrichtung schon seit zwei Jahren insolvent. In den Jahren zuvor hätten Erbschaften geholfen, die finanzielle Lücke zu schließen. 200.000 Euro fehlten jedes Jahr.

Die Personalkosten hätten sich in Brinkum seit 2006 mehr als verdoppelt. 17 Mitarbeiter seien dort tätig, jedoch nicht alle festangestellt und in Vollzeit. In Kassel, in dem Tierheim, das Plücker leitet, sind es 15 Leute, die sich um das Wohl der rund 200 Hunde und Katzen kümmern. Man könne nicht drei Tierpfleger für 40 Hunde beschäftigen, sagt er. „Die Faustformel lautet: ein Pfleger für 25 Hunde.“ Allein auf 270.000 Euro Lohnkosten komme das Heim am Rodendamm jährlich. „Da müssen wir ran, aber wir wollen nicht bei den Tieren sparen. Ich habe ein anderes Verständnis von Tierschutz, denn ich finde, man muss das Geld sinnvoll ausgeben, damit es bei den Vierbeinern ankommt.“

Die Einnahmesituation des Heims sei „eigentlich gut, die Ausgaben sind das Problem“. Die Zahl der aufgenommen Tiere ist im Laufe der Jahre gesunken, sagt Plücker. Waren es seinen Angaben zufolge 2007 660 Tiere, so kamen 2015 nur noch rund 400 in die „Arche Noah“. „Wir können nicht die Lohnkosten verdoppeln, während sich die Anzahl der Tiere verringert. Und dann am besten noch die anderen Standorte um finanzielle Unterstützung bitten.“

Es sei kontraproduktiv, dass die Ehrenamtlichen nicht mitzögen, beklagt Plücker. Er wünsche sich ein Gespräch mit allen Beteiligten. „Ich finde es schade, dass es bisher keinen Kontakt zu den Ehrenamtlichen gegeben hat und sie stattdessen eine Petition aufsetzen. Ich habe kein Problem damit, nach Brinkum zu kommen, damit man sich zusammensetzt und die Situation bespricht. Wir wollen alle das Heim retten, und das geht nur gemeinsam.“

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