Um 20 Jahre Arbeit gebracht

Thymianteppich einfach weggemäht: Baubetriebshof Stuhr entfernt Blühstreifen

Anke Halfter zeigt auf ein Schild mit der Aufschrift: „Hier blüht es für Bienen, Hummeln und Co.“
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Hier blüht erst einmal nichts mehr: Den Thymianteppich, den Anke Halfter seit 20 Jahren pflegt, hat der Baubetriebshof abgemäht. „Wir mähen nur, wenn es notwendig ist“, versichert Erste Gemeinderätin Bettina Scharrelmann.

Seit 20 Jahren kümmert sich Anke Halfter einen Thymianteppich in der Nähe ihres Hauses. Plötzlich war er weg: Der Bauhof hat ihn abgemäht. Die Gemeinde erklärt, warum.

Stuhr – Als Anke Halfter abends nach der Arbeit nach Hause kommt, traut sie ihren Augen nicht. Dort, wo es sonst blüht und summt, herrscht plötzlich Kahlschlag: Ihr geliebter Thymianteppich ist weg. Seit rund 20 Jahren kümmert Halfter sich um einen Grünstreifen der Gemeinde am Straßenrand hinter ihrem Garten in Heiligenrode. Jetzt hat der Baubetriebshof den Teppich samt kleiner Wildblütenwiese drumherum zu Anke Halfters Unmut abgemäht. „Meine ganze Arbeit ist futsch“, klagt sie.

1998 zog die naturverbundene Frau nach Stuhr. Es dauerte nicht lange, bis sie sich des Grünstreifens, der quasi vor ihrer Haustür liegt, annahm. „Das hat sich einfach so ergeben. Der Thymian hat sich dort von selbst angesät. Ich habe mich dann drum gekümmert“, erinnert sich Anke Halfter. „Mir geht einfach das Herz auf, wenn ich sehe, dass Insekten etwas davon haben.“

Der Gemeindestreifen vor der Mähaktion durch den Baubetriebshof Stuhr.

Dass sie sich um die Pflege des Streifens kümmert, sei immer mit der Verwaltung abgesprochen gewesen. Das kann Bettina Scharrelmann, Erste Gemeinderätin von Stuhr, auf Anfrage der Kreiszeitung weder verneinen noch bejahen: „Beim Baubetriebshof gab es Leitungswechsel in den vergangenen Jahren. Da kann es sein, dass solche Absprachen untergehen.“ Dass es eine Vereinbarung zwischen der Verwaltung und Anke Halfter gebe, sei aber durchaus im Rahmen des Möglichen.

Als Halfter zum ersten Mal sah, dass der Baubetriebshof ihren Thymianteppich abgemäht hatte, habe sie ein regelrechtes Wechselbad der Gefühle erlebt. Ihre Emotionen lagen „irgendwo zwischen Wut und Tränen – und ich wusste am Ende nicht, wofür ich mich entscheiden sollte“. Denn: „Der Thymian wächst extrem langsam.“ Halfter schätzt, dass es mindestens fünf Jahre dauern werde, bis der Grünstreifen wieder so aussehen könnte, wie er vor der Mähaktion aussah. „Der Teppich war etwa sechs Meter breit und bis zu drei Meter tief. Das braucht ein paar Jahre“, meint sie. Bis dahin sei sie (mehrmals) täglich dort gewesen, um Gras zu zupfen und den Thymian zu bewässern.

Der Gemeindestreifen nach der Mähaktion des Baubetriebshofs Stuhr.

Am nächsten Tag rief Halfter direkt bei der Gemeindeverwaltung an, um ihren Unmut kundzutun und zu fragen, weshalb man den Thymianteppich weggemäht habe. Die Antwort: Für Verkehrsteilnehmer sei die Sicht durch den Streifen beeinträchtigt gewesen. Und hier scheiden sich die Geister: Während Bettina Scharrelmann im Namen des Bauhofs und der Gemeinde versichert, dass das Mähen notwendig war, meint Anke Halfter: „Thymian wird mit Blüte maximal 20 Zentimeter hoch. Man müsste sich schon hinlegen, um nicht darüber hinweggucken zu können.“ Nach Auskunft des Bauhofes allerdings sei die Blühwiese bis zu 50 Zentimeter hoch gewesen, was das Mähen rechtfertige.

„Wir versuchen, so wenig wie möglich zu mähen“, erklärt Scharrelmann. Denn der Gemeinde sei der Naturschutzgedanke hinter den Blühwiesen durchaus bewusst. „Der Bauhof fährt die Strecken regelmäßig ab“, so die Erste Gemeinderätin. Und nur nach Bedarf werde dann gemäht.

Bis zu diesem Zeitpunkt sei die Kommunikation zwischen Halfter und dem Bauhof immer reibungslos abgelaufen: „Ich konnte nie klagen.“ Vor rund fünf Jahren erst habe ihr die Gemeinde zum Beispiel Pfosten zur Verfügung gestellt, die sie anschließend in den Boden eingesetzt habe, damit Autofahrer den Streifen nicht mehr als Abkürzung nutzen, um von der Straße Am Bürsteler Feldschlatt auf die Bürsteler Straße zu gelangen.

Gemeinde Stuhr zeigt sich wegen gemähtem Thymianteppich gesprächsbereit

Anke Halfter selbst geht davon aus, dass sich der Baubetriebshof bei seiner Aktion rechtlich auf sicherem Terrain bewegte: „Ich denke, dass es erlaubt war, weil sie bis zur Grundstücksgrenze mähen dürfen.“ In dieser Sache herrscht Konsens. Bettina Scharrelmann bestätigt, dass der Bauhof rechtlich nicht falsch gehandelt habe. Doch darum geht es Halfter nicht. „In erster Linie wünsche ich mir eine Entschuldigung von der Gemeinde“, sagt sie. „Ich habe mir aber auch überlegt, ob ich die Pflege des Streifens ganz einstelle.“ Dazu könne es laut Halfter kommen, wenn sich kein Kompromiss finden lässt.

Die Verwaltung zeigt sich allerdings gesprächsbereit. Scharrelmann: „Wir können vermerken, dass sich Frau Halfter um diesen Gemeindestreifen kümmert. In Zukunft suchen wir dann zuerst das Gespräch mit ihr, bevor wir dort etwas machen werden.“ Halfter kann sich als Kompromiss vorstellen, dass sie den den Streifen auch in Zukunft pflegt und den Bereich kurz hält, der weniger als eineinhalb Meter von der Straße weg ist. Aber nur, wenn sich die Gemeinde wie die 20 Jahre zuvor raushält: „Das möchte ich selbst machen.“

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