Angriffe auf Taxifahrer: „Alles war voller Blut“

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Wegen Geldnöten ging der heute 20-jährige Angeklagte auf die Taxifahrerin los.

Oldenburg/Stuhr - 15 Mal stach er mit dem Messer auf die Taxifahrerin ein. Dann flüchtete er mit ihrem Geld. Wieso der heute 20-Jährige die Frau so brutal überfallen hatte, konnte er vor dem Landgericht Oldenburg nicht erklären.

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„So kenn' ich mich selber nicht. Es hat einfach ausgesetzt in mir.“ Seit Dienstag muss er sich vor der Jugendkammer wegen der Angriffe auf zwei Taxifahrer verantworten. Am 25. September 2009 soll er einen 58 Jahre alten Mann in dessen Wagen erstochen haben, einen Tag später verletzte er die damals 61-Jährige lebensgefährlich.

„Er hat pausenlos auf mich eingestochen“, erinnert sich die weißhaarige Frau vor Gericht. „Mein T-Shirt war voller Blut, meine Hose war voller Blut.“ Gefasst berichtet sie von dem traumatischen Erlebnis, nur hin und wieder gerät sie kurz ins Stocken. Der junge Mann war an dem Samstag in Delmenhorst in ihren Wagen gestiegen und wollte nach Stuhr gefahren werden - alles schien ganz gewöhnlich. „Auf dem Weg dorthin haben wir uns etwas unterhalten“, erzählt sie.

Doch als sie ankamen, zückte ihr Fahrgast plötzlich das Messer. „Ich hab' die Arme hochgerissen, um mich geschlagen und mich gewehrt.“ Mehrmals traf sie das Messer in Brust, Gesicht, Arme und Hände. Schließlich flüchtete der Täter mit ihrem Portemonnaie, in dem rund 230 Euro waren. Während ihrer Aussage hält der Angeklagte den Blick eisern auf die Tischplatte gerichtet, sein Gesicht zeigt keine Regung.

Bei dem Überfall hatte er seine eigene Geldbörse in dem Taxi verloren, so dass die Polizei ihn kurz darauf überführen konnte. Er legte ein Geständnis ab, das er vor Gericht wiederholte. Allerdings will er die Frau erst nur bedroht haben. Als sie sich gewehrt habe, habe er die Nerven verloren. „Dann bin ich ausgerastet und stach auf sie ein.“

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm dafür versuchten Mord vor, im Fall des getöteten Taxifahrers Mord. Die tödlichen Messerstiche auf den 58-Jährigen leugnet der Verdächtige aber vehement. „Ich habe diesen Herren noch nie gesehen“, sagt er über das Opfer. Auf dem Bauch des Toten lag allerdings ein blutverschmiertes Messer, an dessen Griff die Ermittler die DNA-Spuren des 20-Jährigen fanden. „Es spricht viel dafür, dass es Ihr Messer ist“, sagt der Vorsitzende Richter Dietrich Janßen. In der Nähe des Tatorts in Elsfleth (Kreis Wesermarsch) entdeckten die Fahnder außerdem einen roten Pulli und eine weiße Mütze mit seinen Spuren.

Der Angeklagte bestreitet jedoch, dass ihm das Messer und die Kleidung gehören. „Sie sollten noch mal überlegen, ob sie dabei bleiben. Die Umstände sprechen sehr gegen sie“, betont Janßen. Die Ermittler vermuten, dass der junge Mann die Taxifahrer überfiel, weil er Schulden hatte. Wenige Woche zuvor hatte seine Freundin ihn verlassen - weil er sie angeblich zu selten beschenkt hatte, wie der junge Mann erläutert. Um sie zurückzugewinnen, kaufte er ihr Schmuck, Blumen oder gab ihr Geld für die Maniküre.

Doch offensichtlich reichte sein Gehalt als Auszubildender dafür nicht. Er musste sich 30 Euro von einem Freund und 100 Euro von seiner Großmutter leihen. Der Freund wollte das Geld kurz darauf zurück. „Ich habe ihn mit Ausreden hingehalten“, gibt der 20-Jährige zu. Noch am Tag des Mordes sollen sich die beiden mehrere SMS deswegen geschrieben haben.

dpa

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