Landesjugendorchester Bremen in der Varreler Gutsscheune 

Mit Taktstock, linker Hand und breitem Lachen

Die Solistin Tanja Becker-Bender in ihrem Element. - Foto: hu

Varrel - Von Angelika Kratz. Zur lieb gewonnenen Tradition gehört mittlerweile das Osterkonzert des Landesjugendorchesters Bremen in der Varreler Gutsscheune. Auch in diesem Jahr ging dem Auftritt ein intensiver Workshop der jungen Musiker in der Bildungsstätte Bredbeck unter Leitung von Stefan Geiger voraus. Was die Teilnehmer dort in den Osterferien gemeinsam erarbeiten, stellen sie danach auf einer kleinen Tournee mit Konzerten in Leer, Hambergen, Bremen und Varrel vor. Dort erwartete das Publikum am Donnerstagabend nach den Erfahrungen der vergangenen acht Jahre einmal mehr Musikgenuss auf sehr hohem Niveau. Die Gäste sollten nicht enttäuscht werden.

Unter Applaus zogen die Musiker in schicker Abendgarderobe in die Varreler Gutsscheune ein. Dirigent Stefan Geiger und Solistin Tanja Becker-Bender ließen ein wenig auf sich warten. „Wo bleiben sie denn?“, fragte sich so mancher Besucher, und ein wenig Neugier machte sich breit. Aber dann öffnete sich die Tür auch für die beiden Protagonisten, die mit viel Gelächter und Applaus begrüßt wurden.

Der erste Teil des gut zweistündigen Programms wurde vom Violinkonzert D-Dur op. 35 des in Brünn geborenen und in Los Angeles gestorbenen Komponisten Erich Wolfgang Korngold (1897 bis 1957) bestimmt. Korngold gilt als Vertreter der modernen Klassik und wurde in Wien als Wunderkind herumgereicht. Bereits mit elf Jahren schrieb er seine erste Komposition und mit 13 Jahren Klaviersonaten, welche bekannte Musiker und Orchester aufführten.

Korngold zählte einst neben Richard Strauss zu den meist gespielten Opernkomponisten Österreichs und Deutschlands. Maßstäbe setzte er auch in der noch jungen Geschichte der Filmmusik. Sein Violinkonzert D-Dur wurde 1947 uraufgeführt.

70 Jahre später verzauberte das Werk dank der charmanten Solistin Tanja Becker-Bender die Klassikszene in Varrel. Wie Korngold stand die gebürtige Stuttgarterin, die in Hamburg und Berlin lebt, bereits mit zwölf Jahren auf internationalen Podien. Ihr Können überzeugte das Publikum, und eigentlich wollte sie niemand nach den drei Sätzen gehen lassen. Erst mit „Paganini“ als Zugabe durfte sie schließlich unter großem Applaus die Bühne verlassen.

Der zweite Programmteil sollte mit der Sinfonie Nr. 5 d-Moll, op. 47 von Dimitri Schostakowitsch nicht minder interessant und spannend werden. Zu einem großen Publikumserfolg wurde die Uraufführung der Sinfonie im Jahr 1937. Der stalinistische Terror machte seinerzeit auch vor Schostakowitschs Familie nicht Halt. Schwester und Schwager wurden nach Sibirien verschleppt, und der Komponist hatte sich dem Regime zu beugen. So wurde seine Sinfonie als Bekenntnis eines verloren geglaubten Sohnes der linientreuen Kulturpolitik gefeiert. Das sah Schostakowitsch indes anders, denn für ihn drücken seine vier Sätze eher Widerstand und Aufschrei gegen Stalin aus.

Wie auch immer: Das Publikum erlebte einen grandiosen Angriff auf die Ohren mit Paukenschlägen bis in die Magengrube und lieblichen Klängen wie aus dem Salzkammergut, perfekt aufgeführt von einem sehr professionellen Orchester. Dessen Leiter Stefan Geiger lebte die Musik mit dem ganzen Körper. Seine „Sprache“ mit Taktstock, linker Hand und breitem Lachen kam fast einer weiteren Soloeinlage gleich und wurde von den Musikern exakt interpretiert.

Der einzige Wermutstropfen des wunderschönen Abends waren die vielen leeren Stuhlreihen in der Gutsscheune. Das über 90-köpfige Landesjugendorchester hätte ein volles Haus verdient gehabt. Den jungen Leuten schien dies nichts auszumachen. Ihre Begeisterung für die Musik steckte an, und so bleibt zu hoffen, dass es 2018 eine Fortsetzung geben wird.

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