Regisseure überwältigt von Leistungen auf der Bühne

Premiere im Spielraum Stuhr: Konflikt zwischen Anpassung und Abgrenzung

Jugendliche auf der Suche nach ihrem Platz in der Gesellschaft – darum geht es in „Für immer und für nichts“.

Seckenhausen - Von Siard Schulz. Tosender, minutenlanger Applaus für die Spielraum Juniors. Soeben endete ihre geglückte Theaterpremiere „Für immer und für nichts“ im Spielraum Stuhr. Für die 16 Heranwachsenden war es am Freitag ein besonderer Auftakt eines ungewöhnlich ehrlichen Stücks über die kleinen und großen Probleme des Erwachsenwerdens.

Dabei war alles, wie sie selbst sagen, „self-made“: „Von den Rollen und den Personenkonstellationen bis hin zum Text und Bühnenbild haben wir uns alles selbst ausgedacht“, erklärte Schauspieler Malte Brauns das Zustandekommen des bereits fünften Werks des Ensembles. Klar, dass sich alle im Vorfeld gefragt hatten, ob alles glattgehen würde. Das war, angesichts einiger Unwegsamkeiten, keine hohle Phrasendrescherei: Wenige Tage zuvor hatte es Probleme mit der Lichtanlage gegeben. Technische Probleme, die man so kurz vor Beginn überhaupt nicht gebrauchen kann – wichtige Zeit, die zum Proben fehlt. In umso erleichtetere Gesichter blickten die 50 Zuschauer nach Ende der ausverkauften Veranstaltung.

Mal humoristisch, mal bierernst bedient das Ensemble alle Facetten der Adoleszenz. Da ist beispielsweise der einsame Robin, der gerne zur Gruppe dazugehören würde. Leider sei er überall nur Durchschnitt. „Ich bin mittemäßig in der Schule, mache mittelmäßige Witze, bin mittelmäßig sportlich und mittelmäßig beliebt“, erklärt er, weshalb er von anderen nicht wahrgenommen wird. Kritisch hinterfragt er die Erwartungshaltung einer Ellenbogengesellschaft, in der jeder nach Geltung und Anerkennung drängt.

Dass der Einzelne in der Masse untergeht, muss auch Fabio plakativ feststellen. Von anderen aus Desinteresse und Unwissenheit nur Fabian genannt, fragt er sich, wie gesichts- und profillos, gar unscheinbar man wird, wenn Mitmenschen sich nicht mal an seinen Namen erinnern.

„Ihr seht mich nicht, aber ihr kritisiert mich“, lautet dann der Hilferuf einer Austauschschülerin. In einem tiefsinnigen Monolog referiert sie über die Oberflächlichkeit zwischenmenschlicher Beziehungen. Jeder wisse eben ein bisschen was, doch einen tieferen Einblick in die eigene Gedanken- und Gefühlswelt würden die Wenigsten zulassen, zu groß sei die Angst vor Enttäuschungen, vor falschen Freunden und schlechten Entscheidungen.

Dunkle Emotionen, aber auch Platz für Liebe

Die Furcht vor sozialer Ausgrenzung, ein enormer Leistungsdruck sowie die Erwartungshaltung an sich selbst, aber auch die Erwartungshaltung der Gesellschaft an sie, zwängt die Jugendlichen in ein Korsett, das sie einschnürt und ihnen die Luft zum Atmen nimmt. Täglich handeln sie den Konflikt zwischen Gewöhnlichkeit und Besonderheit, Anpassung und Abgrenzung neu aus.

Abseits der manchmal dunklen Emotionen ist allerdings auch Platz für Liebe, Sicherheit und Geborgenheit. Die unpopuläre Liebe zwischen Anastasia und Raffel zeigt das. Zunächst auf Äußerlichkeiten schielend, entscheidet sich Anastasia für den angesagten Mark. Doch ehrliche Liebe und die Offenbarung ganz neuer Seiten bewegen Anastasia dazu, ihrem Herzen zu folgen.

Auf dem Weg zur Adoleszenz lernen die Schüler, Entscheidungen ganz bewusst für sich zu treffen statt für andere – und zu diesen auch zu stehen. Insofern wirbt das Stück auch für einen selbstbewussteren Umgang mit sich selbst.

Ein Schlüsselereignis, auf das alles hinausläuft, gibt es in dieser Geschichte nicht. Vielmehr eint die einzelnen Erzählstränge, dass darin jeder Jugendliche nach seinem Platz in der Gesellschaft sucht. Das Spielraum-Ensemble hat es in diesem Jahr geschafft, die Lebenswirklichkeiten und die Gedanken von Heranwachsenden auf die Bühne zu bringen. Dass dies nach anfänglichen Startschwierigkeiten so gut geklappt hatte, überwältigte auch die beiden Regisseure Jessica de Vries und Peter Koschade: „Wir sind sprachlos und verneigen uns vor eurer hervorragenden Leistung“, gaben beide gerührt zu.

Die Premiere wurde anschließend gebührend am Grill gefeiert – nun allerdings ganz unbeschwert und ausgelassen.

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