Kaffeehaus-Orchester mit musikalisch-kalorienarmen Nachmittag

Mit den passenden Schokotröpfchen vom Kontrabass

Das Kaffeehaus-Orchester kommt seit vielen Jahren regelmäßig nach Stuhr. - Foto: Ehlers

Stuhr - Von Angelika Kratz. Die beste Antwort auf einen kalten und launischen Aprilsonntag hielt das Stuhrer Rathaus parat: Vorhänge zuziehen und das Bremer Kaffeehaus-Orchester spielen lassen. Dessen erprobte Mixtur aus musikalischem Können, humoristischer Moderation und einem bunten Programm für jeden Geschmack lockte wieder viele Gäste in den Verwaltungssitz.

Bestückt mit einem dampfenden Kaffeepott begann das Frühlingskonzert unter dem passenden Motto „Frisch aufgeblüht“. Schwungvoll startete die Reise des wie stets schicken Quintetts in Frack und weißer Fliege mit einem ansteckenden Lächeln im Augenwinkel. „Bei mir bist du schön“, versprachen voller Inbrunst Johannes Grundhoff am Flügel und Constantin Dorsch an der Violine. Dem ehrlichen Bekenntnis schlossen sich Gero John mit seinem Violoncello, Anselm Hauke am Kontrabass und „der Charmeur schlechthin“, Klaus Fischer, mit Flöten, Klarinetten und Saxofon an. Seine lockere Moderation war wie gewohnt das Sahnehäubchen auf der kalorienarmen Tortenplatte. Dort stückelte die Moritat vom Mackie Messer den gedachten Kuchen, während der Kontrabass die richtigen Schokotröpfchen verteilte. Wild und leidenschaftlich ging es mit Johannes Brahms auf zum Ungarischen Tanz Nummer 6, gefolgt von Klängen aus dem New York der 30er-Jahre eines Duke Ellington und seinem „Mood Indigo“. Dem saukalten Aprilwetter setzte der Pariser Himmel „Sous le Ciel de Paris“ ein weiteres beschwingtes i-Tüpfelchen auf, bevor es mit einem Walzer, dem Freiheitschor aus „Nabucco“ und der Fußball-Polka voller Elan in die verdiente Pause ging.

Am gut besuchten CD-Tisch verriet Klaus Fischer das Entstehen des Kaffeehaus-Orchesters aus Bremen. Ein japanisches Frühlingsfest in der Lloyd-Passage hatte die jungen Musiker erstmalig im Jahr 1990 zusammengeführt. Die sich daraus gebildete Formation hatte in der Anfangszeit bis zu elf Musiker. „Sehr unpraktisch, wenn man viel durch die Lande fahren muss“, und so bildete sich im Jahr 1995 das bis zum heutigen Tage existierende Quintett. „Gut für unseren kleinen Tourneebus, da kann immer einer auf der hinteren Bank schlafen, und wir lösen uns alle zwei Stunden mit dem Fahren ab“, berichtete Klaus Fischer, der wie seine Kollegen Beruf und Familie mit dem Kaffeehaus-Orchester sehr gut unter einen Hut bringen kann.

Schwungvoll ging es weiter in die zweite Halbzeit mit „Brindisi“ aus Verdis Oper „La Traviata“, nachdenklichen Gedanken über die Fotografierwut der Asiaten und der romantischen japanischen Volksweise „Sakura, Sakura“. Der folgte ein hinreißender Tango, und zur Erholung gab es einen türkischen Café von Mozart. Nach dem rasanten Tempo ließ es das Orchester mit Glenn Millers „Moonlight Serenade“ etwas langsamer und zudem sehr romantisch angehen, bevor „Milord“ das Ende eines mitreißenden Nachmittags einläutete. Ohne Zugabe durfte das sympathische Quintett nicht gehen, und so faszinierte der „Säbeltanz“ und „Super Tramp“ das Publikum, das so richtig in Stimmung gekommen war.

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