Release zieht auf Versammlung Bilanz

Suchtpatienten werden immer jünger

Ehrung für Henry Lackmann, Bärbel Meyer und Wilfrid Sondag (v.l.). - Foto: Drescher

Stuhr / Weyhe - Der Vorstand des Netzwerks psychosozialer Dienste, Release, hat bei der Jahreshauptversammlung am Dienstagabend im neuen Gemeindesaal der evangelischen Kirchengemeinde wieder eindrucksvolle Zahlen und Fakten über die von den Haupt- und Ehrenamtlichen geleistete Arbeit vorgelegt. Die neue Geschäftsführerin Marion Bödeker hatte aus der Statistik des Jahresberichtes einige Daten herausgefiltert.

Die Gesamtzahl von 13.659 Kontakten ist gegenüber dem Vorjahr zwar fast unverändert geblieben, es gab aber Differenzen in Einzelbereichen und erkennbare Trends. Weniger Patienten hätten eine Suchtproblematik, aber ebenso sei das Einstiegsalter gesunken und die Verläufe werden länger.

Die Zahl der im Zusammenhang mit dem Genuss von Ecstasy geführten Kontakte ist erheblich gestiegen. Der Schwerpunkt der Problembereiche lag 2015 im Alkohol, gefolgt von Opioiden, Tabak und Cannabis.

Die Nachfrage der Angehörigen steige beim Thema missbräuchlicher Umgang mit Medien. Um darauf besser regieren zu können, beteiligten sich Mitarbeiter an verschiedenen Fortbildungen.

„Cannabis war immer unser Feind. Ist das noch so?“ wollte Dr. Eberhard Hesse wissen. Suchtberaterin Gabriele Helmstedt bestätigte, dass dieser Genuss besonders für Jugendliche eine sehr große Gefahr darstelle. Marion Bödeker berichtete von mehreren jugendlichen Konsumenten, die sich freiwillig bei Release melden, weil sie den Alltag nicht mehr geregelt bekommen, sich immer häufiger überfordert fühlen und darüber selbst erschrocken sind.

Der Vorsitzende Alexandre Peruzzo bedauerte in seinem Jahresrückblick, dass das sehr erfolgreiche Projekt „Netzwerk für Existenz- und Wohnraumsicherung (NEW)“ vom Landkreis eingestellt worden war. „Fakt ist, dass Wohnraum für betroffene Menschen Mangelware ist“, konstatierte Peruzzo. Es sei jedoch nachvollziehbar, dass für den Landkreis die Schaffung von Wohnraum für Flüchtlinge Priorität habe. Dagegen fördert er die Mediensuchtprävention durch das zunächst auf drei Jahre angelegte „Net-Crash“-Projekt mit 40.000 Euro, wie Projektleiter Michael Elsner berichtete.

Petra Brümmer legte den Finanzbericht vor und teilte mit, die Höhe der Zuschüsse sei gestiegen, die Menge der Bußgelder jedoch zurückgegangen. Innerhalb von zehn Jahren sei es gelungen, Kredite in Höhe von 90.000 Euro für die Zentrale in Brinkum zu tilgen.

Alexandre Peruzzo bat die Mitglieder, Werbung für Release zu machen, denn die Mitgliederzahl sei erheblich zurückgegangen. Gegenwärtig werde überlegt, ob sich das Netzwerk an der öffentlichen Diskussion über Cannabis beteiligen sollte. „Wenn es noch deftiger wird, werden wir den Dialog suchen“, so Peruzzo. „Auch der Bereich ,Flucht und Sucht’ könnte ein Thema werden“, vermutete er.

Der Flohmarkt geht am 13. August über die Bühne. - bt

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