Flüchtlingshilfe verbessern

Per WhatsApp viel Hilfe koordinieren 

Flüchtlingshelfer Andre Becker sowie seine syrischen Helfer Rashid Ahmad und Rashid Alo (v.l.) verstauen einen Kleiderschrank aus dem „Treffpunkt B5“ im Anhänger. - Foto: Ehlers

Stuhr - Von Andreas Hapke. Wenn sich das Smartphone von Andre Becker mit einem orientalischen Klingelton meldet, dann ist Hussein Moubarak am Apparat. Die Männer haben häufiger miteinander zu tun. Beide sind Helfer im Flüchtlingsnetz Stuhr, der aus dem Libanon stammende und inzwischen bei der Gemeinde angestellte Moubarak als Dolmetscher und der in Groß Mackenstedt lebende Becker als der Mann für „Technik und Transporte“, wie er es selbst nennt. Flüchtlinge helfen ihm dabei.

Diesmal geht es darum, die Familie Alaiyan bei der Ausstattung ihrer ersten Wohnung in Stuhr zu unterstützen. Die Alaiyans sind vor Monaten aus dem syrischen Hama nach Deutschland gekommen und haben nun eine Bleibe an der Stuhrer Landstraße gefunden. Becker ist mit ihnen vor einer von der Gemeinde bereitgestellten Garage an der Bassumer Straße verabredet. Dort befindet sich das Bettenlager der Stuhrer Flüchtlingshelfer.

Die meisten der gespendeten Möbel stammen aus Haushaltsauflösungen. Becker hat sie mit seinem Handy fotografiert, damit sich die Flüchtlinge vorab ein Bild davon machen können. Überhaupt erleichtert das Smartphone die ehrenamtliche Tätigkeit ungemein. Um die Kommunikation mit seinen Mitstreitern zu optimieren, hat Becker die WhatsApp-Gruppe „Andres Helfer“ gegründet. Ihr gehören zurzeit fünf Flüchtlinge aus dem Umfeld der Unterkünfte an der Allerstraße an, alle kommen aus Syrien. Am Donnerstag stehen Rashid Ahmad und Rashid Alo Gewehr bei Fuß. Laut Becker sind die beiden mehrmals in der Woche im Einsatz, für ihn selbst gilt das erst recht.

Ursprünglich wollten die Alaiyans wegen eines Doppelbetts zur Bassumer Straße kommen, doch das hat sich in der Zwischenzeit erledigt. Sie sind im Sozialkaufhaus fündig geworden. Stattdessen geht es jetzt um einen Kleiderschrank, den Becker in der Doppelgarage an der Schmidtstraße vermutet. Es war das erste Lager, das die Gemeinde dem Flüchtlingsnetz zur Verfügung gestellt hatte. Gemeinsam mit der Familie Alaiyan machen sich Andre und seine Helfer also auf nach Seckenhausen.

„Ich möchte etwas Sinnvolles machen“

Der 62-Jährige Becker war als Elektroingenieur bei der Wesernetz tätig und ist im August 2015 in Altersteilzeit gegangen. Er habe sich gedacht: „Ich bin gesund und fit. Ich möchte etwas Sinnvolles machen. Außerdem hat meine Frau Panik bekommen, dass ich nur noch zu Hause sitze und Zeitung lese.“ Über Freunde habe er Kontakt mit Hussein Moubarak bekommen, der ihm drei Flüchtlinge aus den Unterkünften an der Allerstraße „zugewiesen“ habe. Noch heute kümmert sich Becker nicht nur um Technik und Transporte, sondern fährt mit den Migranten auch zum Job-Center oder zur Gemeinde, „je nachdem was für die Integration gerade ansteht“.

In der Seckenhauser Doppelgarage ist alles Mögliche verstaut – von Stühlen und Wandbildern über Teppiche und Regale bis hin zu kleineren und größeren Schränken. Nur vom Kleiderschrank fehlt jede Spur. Rashid Ahmad und Rashid Alo können sich das Lachen nicht verkneifen, und auch Becker sieht das gelassen. Er steckt sich eine Zigarette an. „So ist das eben manchmal.“ Die Alaiyans nehmen eine Lampe mit, Becker ein Regalteil für einen Fernseher, den eine „Dame an der Allerstraße“, vor kurzem bekommen hat. Was den Kleiderschrank angeht, kommt nur noch das Lager des neuen Flüchtlingstreffpunkts an der Bremer Straße 5 in Frage, der deshalb jetzt „Treffpunkt B5“ heißt. Alle steigen wieder in die Autos und fahren zurück nach Brinkum.

Die Zeit, die Becker fürs Ehrenamt opfert, möchte er nicht an die große Glocke hängen. Tage wie dieser führen ihm aber vor Augen, dass „wir mehr ehrenamtliche Helfer benötigen. Vor allem bei den Transporten könnte ich Unterstützung gebrauchen“. Es  gebe zwar auch Tage, an denen nichts anstehe. Doch das könne sich spontan ändern. „Es kann sein, dass es plötzlich eine Wohnung gibt und dann Einrichtungsbedarf besteht.“

Falls notwendig, hilft Becker auch beim Aufbau der Möbel. Nach Möglichkeit sollen sich die Flüchtlinge aber selbst darum kümmern. Eigens dafür habe er mal zwei Sets mit Schraubendreher, Zangen und Bohrmaschine angeschafft. „Das Werkzeug können sie sich bei Ute Sydow (Koodinatorin des Flüchtlingsnetzes, die Red.) ausleihen. Schließlich sollen die Menschen hier selbstständig werden.“

Wenn es um den Einbau von Küchen geht und die Kreissäge zum Einsatz kommt, legt Becker aber selbst Hand an. Fünf Küchen habe er bereits eingebaut. „Von denen könnten wir noch einige gebrauchen, am besten mit Elektrogeräten.“

Der Kleiderschrank taucht tatsächlich im Lager von „Treffpunkt B5“ auf. Rashid Ahmad und Rashid Alo tragen die Einzelteile zum Anhänger, während Becker sie dort sorgfältig aneinanderlehnt. Anschließend geht es zur Wohnung der Familie Alaiyan an der Stuhrer Landstraße.

Wie erlebt Becker die Flüchtlinge, denen er hilft? „Die Leute sind wie bei uns. Die einen sind freundlich und dankbar, den anderen möchte man am liebsten nicht noch mehr helfen.“ Doch das spiele für ihn eine untergeordnete Rolle. „Ich bin ein rationaler Typ“, sagt Becker. „Ich helfe nicht, um Dankbarkeit zu erfahren, sondern leiste meinen Beitrag zur Integration, damit die Flüchtlinge hier klarkommen.“

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