Abschied nach über zehn Jahren

Stuhrs Justiziar Lars Gunnar Gärner wird Bürgermeister in seiner Heimatstadt Hardegsen

Lars Gunnar Gärner steht vor dem Ratssaal in Stuhr.
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Mit dem Ratssaal im Hintergrund: Lars Gunnar Gärner war immer bei den Sitzungen dabei.

Diese Chance wollte er sich nicht entgehen lassen: Justiziar Lars Gunnar Gärner verlässt die Gemeinde Stuhr und wird Bürgermeister in seiner Heimatstadt Hardegsen. Dorthin möchte er mehr Einwohner sowie den einen oder anderen Betrieb locken. Hardegsen hat neun Millionen Euro Schulden.

Stuhr – Nach mehr als zehn Jahren ist Schluss für ihn in Stuhr: Justiziar Lars Gunnar Gärner verlässt das Rathaus an der Blockener Straße – und das aus gutem Grund: Er wird hauptamtlicher Bürgermeister in seiner Heimat Hardegsen, eine rund 20 Kilometer von Göttingen entfernte Stadt mit fast 8000 Einwohnern. Anfang November geht es dort für ihn los. Die Familie ist bereits umgezogen. „Stuhr war eine super Zeit“, sagt Gärner. Doch nun freue er sich auf seine neue Herausforderung.

SPD-Mitglied Gärner wurde von den örtlichen Sozialdemokraten aufgestellt und von der CDU unterstützt. In dieser Konstellation ging er als klarer Favorit gegen Sven Oskar Thießen (Freie Bürger-Liste) ins Rennen. Dies spiegelte sich letztlich in den 80,6 Prozent der Stimmen wider.

Tolle Kindheit und Jugend in Hardegsen

Schon als Gärner im April 2011 seine Stelle in Stuhr antrat, war der Posten des Bürgermeisters nach eigener Auskunft eine Option für ihn. „Warum wollen Sie denn nicht irgendwo Bürgermeister werden?“, habe ihn der damalige Verwaltungschef Cord Bockhop bei der Einstellung gefragt. „Wer sagt das denn?“, entgegnete Gärner, woraufhin Bockhop etwas verdutzt geschaut habe.

Dass sich Gärner nicht auf die Stellen seiner ausgeschiedenen Vorgesetzten Bockhop und Niels Thomsen bewarb, hatte vorrangig familiäre Gründe. Der Zeitaufwand wäre mit drei Kindern und einer wieder berufstätigen Ehefrau nicht zu leisten gewesen, erklärt er. Inzwischen sei der Nachwuchs acht, zehn und zwölf Jahre alt. Zudem könne die Familie in Hardegsen bei der Betreuung des Nachwuchses aushelfen.

„Jedes der drei Kinder hat eine Phase gehabt, wo es nicht so glücklich über den anstehenden Umzug gewesen ist. Inzwischen sind sie aber gut angekommen in ihrem neuen Umfeld“ berichtet Gärner. An seine eigene, „tolle“ Kindheit und Jugend erinnert er sich gerne. „Das möchte ich auch meinen Kindern ermöglichen. Von der Natur her ist das noch mal was anderes als Stuhr. Man stolpert aus der Tür und ist im Wald.“ Nicht umsonst sieht sich die Kommune als „Tor zum Solling“.

Das Rennen um die Nachfolge des scheidenden Bürgermeisters Michael Kaiser im Rathaus von Hardegsen war eine klare Sache: Deutlich distanzierte Lars Gunnar Gärner seinen Konkurrenten Sven Oskar Thießen. Niko Mönkemeyer, Redakteur und Karikaturist der Hardegser Lokalzeitung HNA, stellt die Zepterübergabe dar.

Gärner wuchs in Hardegsen in einem politisch interessierten Haushalt auf. Sein Vater war selbst ehrenamtlicher Bürgermeister. „Da habe ich mitbekommen, welche Gestaltungsmöglichkeiten dieser Job bietet.“ In die SPD trat er ein, als er noch in Hardegsen wohnte. „Ihre damalige Atompolitik hat mich dazu bewegt“, begründet Gärner. Insgesamt habe er sich bei der SPD „am besten aufgehoben gefühlt“.

Sein Studium der Rechtswissenschaften absolvierte Gärner an der Universität Göttingen. Um einen anderen Eindruck zu gewinnen und eine neue Sprache zu lernen, legte er ein Auslandssemester in Spanien ein. Das Referendariat, das ihn zur Ausübung des Richteramts befähigt, durchlief er in Essen. Auf Anstellungen beim Städte- und Gemeindebund sowie bei den Landkreisen Göttingen und Wolfenbüttel, wo er jeweils als Jurist arbeitete, folgte der Job in Stuhr. Der habe damals gepasst „wie die Faust aufs Auge“, erzählt Gärner.

Handschlag zwischen den Bürgermeister-Kandidaten Lars Gunnar Gärner (r.) und Sven Oskar Thießen. Der Stuhrer Justiziar setzte sich mit 80,6 Prozent der Stimmen durch.

Dafür, dass sie ihm einen umfassenden Einblick in die Verwaltung einer Kommune gewährten, ist Gärner seinen jeweiligen Vorgesetzten sehr dankbar. Neben seiner Tätigkeit als Justiziar habe er immer auch eigene, interessante Projekte gehabt. Im Fachbereich Bau, Recht und Ordnung war er stellvertretender Fachbereichsleiter. Als Höhepunkt wird ihm der Auftritt der Kommune vor dem Bundesverwaltungsgericht in Sachen Linie 8 in Erinnerung bleiben, auch die Vergabe der Konzessionen habe ihn stark eingenommen. „Ich habe immer den Bezug zur Politik gehabt, saß immer im Rat“, sagt Gärner. „Ich fand es toll, dass die Politiker parteiübergreifend das Beste für Stuhr rausholen wollten, und zwar nachhaltig.“ Einen derartigen Stil habe er auch aus Hardegsen vernommen.

Mehr Einnahmen generieren

Ansonsten wird sich Gärner umstellen müssen, vor allem was die finanziellen Möglichkeiten der Kommune angeht. Deren Schuldenstand beläuft sich auf neun Millionen Euro. Gärner möchte den Turnaround bei den Einwohnerzahlen schaffen und so wieder mehr Einnahmen generieren. „In den vergangenen 15 Jahren hat die Stadt 1000 Einwohner verloren“, sagt er. Er würde sich freuen, „wenn ich es schaffe, den einen oder anderen Betrieb nach Hardegsen zu holen“. Darüber hinaus wolle er sich für das Ehrenamt einsetzen.

Wegen Corona und den damit verbundenen Einschränkungen für größere Wahlkampfveranstaltungen – mehr als zwei Podiumsdiskussionen gab es nicht – hat Gärner den Hardegsern seine Ziele hauptsächlich bei seinen Haustürbesuchen unterbreitet. „Es war schon interessant, Hardegsen neu kennenzulernen und zu sehen, wer wo die Tür aufmacht. Viele von früher sind weggezogen, einige auch dageblieben.“

Dass die nur fünfjährige Amtszeit auch mit einem Risiko verbunden ist, weiß der 47-Jährige. „Aber erstens hoffe ich, dass ich durch meine Politik überzeuge und wiedergewählt werde. Und zweitens ist das Risiko durch meine Ausbildung und den Fachkräftemangel überschaubar.“

Von Andreas Hapke

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