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Stuhrerin Viola Trein für Motivationspreis der Schlaganfall-Hilfe nominiert

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Von: Andreas Hapke

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Für die heimische Funktionsgymnastik hat Viola Trein schon mal ein paar Utensilien zusammengesucht.
Für die heimische Funktionsgymnastik hat Viola Trein schon mal ein paar Utensilien zusammengesucht. © Andreas Hapke

Aus der Depression ist Viola Trein zur Motivatorin geworden. Nach einer Hirnblutung mit Halbseitenlähmung brauchte sie ein Coaching, um ins Leben zurückzukehren. Mittlerweile hilft sie anderen Betroffenen. Für ihr Engagement ist sie jetzt für den Motivationspreis der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe nominiert worden.

Stuhr – Manchmal ist Motivation etwas, was man sich woanders holen muss. Viola Trein kennt das nur zu gut. Nach ihrer Hirnblutung mit Halbseitenlähmung und dem damit verbundenen Leben im Rollstuhl fiel sie vor fünf Jahren in ein Loch, war nach eigener Auskunft von Depressionen geplagt. Ein Coaching brachte sie wieder in die Spur. Heute ist die Seckenhauserin selbst jemand, der anderen Möglichkeiten aufzeigt, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Nicht zuletzt durch die Gründung der Selbsthilfegruppe Schlaganfall & Co.. Jetzt ist Viola Trein für den Motivationspreis der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe nominiert.

Alle zwei Jahre schreibt die Stiftung ihren Motivationspreis aus. „Wir möchten Menschen auszeichnen, deren Vorbild viele andere Betroffene und Unterstützer motiviert“, heißt es auf der Homepage. Demnach sucht sie Betroffene, die sich mit großer Kraft zurück ins Leben gekämpft haben; Fachleute, die sich durch besonderes Engagement oder fachliche Kompetenz hervorheben; Selbsthilfegruppen oder ihre Sprecher/Sprecherinnen, die viel Einsatz zeigen, pfiffige Ideen haben, eine besondere Gemeinschaft pflegen oder trotz Pandemie einiges bewegen konnten.

Ins Leben zurückgekämpft - und zur „Fachfrau“ geworden

Auf Viola Trein trifft gleich zweierlei zu: Sie hat sich mit großer Kraft ins Leben zurückgekämpft und während der Pandemie eine Selbsthilfegruppe gegründet (wir berichteten). Seit fast zwei Jahren treffen sich 15 Teilnehmer am letzten Mittwoch eines Monats um 15 Uhr in einem Raum der Kirchengemeinde Seckenhausen, um sich über ihr Schicksal auszutauschen. Und eigentlich könnte sich Viola Trein auch Fachfrau nennen – bei all den Erfahrungen, die sie seit ihrem Unglück mit Kassen und Behörden gesammelt hat.

Nominiert hat sie ihre langjährige Ergotherapeutin. Sie betreut Viola Trein seit deren Rückkehr aus der Reha im Jahr 2017 und kennt das Engagement ihrer Patientin ganz genau. „Sie kennt auch Leute, die mit ihrem Schicksal unmotiviert in der Ecke sitzen. Das Thema haben wir immer wieder“, sagt Viola Trein.

Angefangen hat es mit der Einrichtung einer Homepage, auf der die Seckenhauserin Betroffene und Angehörige in kritischen Lebensphasen berät und unterstützt, insbesondere bei einem Schlaganfall oder einer Hirnblutung mit Halbseitenlähmung. Sie möchte Gleichgesinnten eine Neuorientierung geben.

Doch erst mit der Gründung der Selbsthilfegruppe habe sie gemerkt, wie viele Menschen von einem Schlaganfall betroffen seien. „Das Telefon stand nicht mehr still“, erinnert sie sich.

Nächster Schritt: Funktionsgymnastik im Rollstuhl

Im nächsten Schritt möchte sie Funktionsgymnastik im Rollstuhl etablieren. Jeden Dienstag um 14 Uhr kommen die Teilnehmer beim TSV Melchiorshausen zusammen. „Erst mal soll das ohne Mitgliedschaft mit einer Zehnerkarte laufen“, sagt Viola Trein, die selbst als Übungsleiterin fungiert. Sie denkt an einen Mix aus Trommeln und Gymnastik, „vielleicht mal mit einer kurzen Meditation“. Die entsprechenden Übungen habe sie aus ihrer eigenen Reha und aus dem Internet, wobei sie sich unter anderem an der Hockergymnastik orientiert habe.

Informationen online, Treffen in Präsenz und Bewegung im Rollstuhl: Viola Trein hat in den vergangenen Jahren ein wahres Motivationspaket zusammengestellt. Ihre Angebote findet sie allein deshalb motivierend, „weil sie die Dinge des Alltags erleichtern“. Sie weiß aber auch: Sie kann nur den Anstoß geben, die Kurve müssten die Teilnehmer dann selbst kriegen. „Warum sitze ich hier? Was soll der ganze Scheiß? – So eine Phase habe ich auch durch. Das ist ganz schlimm, darauf muss man erst mal klarkommen.“

Viola Trein nennt das Beispiel eines Mannes, dem es ebenso ergangen war. Seine Frau habe für ihn angerufen und gefragt, ob noch ein Platz in der Selbsthilfegruppe frei sei. Inzwischen komme er aber schon nicht mehr. Was schiefgelaufen ist? „Er hat keine Zeit. Er macht Reha-Sport und geht wieder arbeiten. Da wäre die Gruppe zu viel“, berichtet Viola Trein. Die Motivation, „überhaupt wieder in Gang zu kommen; herauszufinden: Was kann ich tun?“, sei bei ihm durch die Treffen entstanden.

Fortbildung in positiver Psychologie

Um noch zielgerichteter helfen zu können, hat sie kürzlich eine Fortbildung in positiver Psychologie absolviert. Sie weiß nun, wie sie Charakterstärken bestimmt und darauf aufbaut; Ziele setzt und erreicht; positive Emotionen schürt; das Selbstwertgefühl und das Selbstvertrauen stärkt. All das zählte zu den Inhalten der Fortbildung. „Es geht darum, die Aufmerksamkeit auf die positiven Dinge zu richten. Wenn man will, kann man überall etwas Gutes finden“, ist Viola Trein überzeugt.

Nach dem Bewerbungsschluss am 30. Juni wird eine Jury aus Fachleuten und Betroffenen über die Auszeichnungen entscheiden. Ende des Jahres erfolgt die Prämierung. „Es wird nur eine Urkunde geben“, sagt Viola Trein. „Aber eine Auszeichnung wäre der Motivationspreis trotzdem.“

Ihr nächstes Projekt ist ausnahmsweise mal für sie selbst gedacht: „Ich möchte mir einen Hund anschaffen. Sehr zum Leidwesen meiner Mutter, die so gar nicht auf Hundehaare steht.“

Information

Wer sich für die Teilnahme am Kurs Funktionsgymnastik interessiert, kann sich unter 0162/586 18 10 wenden. Eine E-Mail an viola@viola-trein.de ist ebenfalls möglich.

Schlaganfall-Helden

Schlaganfälle vermeiden, die Versorgung verbessern und den Betroffenen helfen – diesen umfangreichen Aufgaben widmet sich die Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Hochgesteckte Ziele, die sie nur gemeinsam mit vielen engagierten Menschen in ganz Deutschland erreicht. Menschen, die für sich oder andere viel geschafft haben im Kampf gegen den Schlaganfall und seine Folgen, laut Stiftungs-Homepage „echte Schlaganfall-Helden also – und selbstverständlich auch Heldinnen“.

Die Stiftung will „Danke“ sagen für dieses Engagement. Deshalb schreibt sie seit dem Jahr 2012 alle zwei Jahre ihren Motivationspreis aus. In diesem Jahr ist es wieder so weit. „Wir möchten Menschen auszeichnen, deren Vorbild viele andere Betroffene und Unterstützer motiviert“, heißt es weiter.

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