„Stuhrer Wolf“:

„Eine bessere Aktion für die Natur finden wir nicht“

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Andrea Radoy, nach eigener Auskunft „Hundenärrin“, hat nun auch einen Wolf. Naldo trägt es mit Fassung.

Gr. Mackenstedt - Von Andreas Hapke. Wenn 1000 Menschen mit Schaufeln, Kinder- und Bollerwagen durch die Gemeinde ziehen und Omas sogar aus Australien dafür anreisen, dann ist klar: Die Arbeitsgruppe (AG) „Mehr Grün für Stuhr“ hat wieder mal zur Pflanzung eines Babywaldes aufgerufen.

34 dieser Wälder gibt es inzwischen in der Gemeinde. Insofern war es nur eine Frage der Zeit, bis dieses ehrenamtliche Engagement mit dem „Stuhrer Wolf“ für AG-Sprecherin Andrea Radoy belohnt werden würde (wir berichteten).

Vorgeschlagen hatte sie Gerhard Regener, selbst langjähriges aktives Mitglied bei „Mehr Grün für Stuhr“. Seine Empfehlung duldete keinen Widerspruch. „Dagegen brauchst du jetzt nix zu sagen“, habe Regener ihr mitgeteilt.

Dass Andrea und Christian Radoy am Schnepfenweg selbst einen Baum für Sohnemann Malte gepflanzt haben, ist jetzt 20 Jahre her. Damals habe sie sich noch keine Gedanken über eine Mitarbeit in der AG gemacht. Erst nach einer Anfrage ihres Gründers Dr. Erhard Godt habe sie darüber nachgedacht – und zugesagt. Godt war 2001 auf Radoy aufmerksam geworden, weil sie in privater Initiative eine Müllsammelaktion in Heiligenrode und Groß Mackenstedt auf die Beine gestellt hatte.

Seine erste Patenschaft für einen Wald übernahm das Ehepaar aus Groß Mackenstedt 2003. Andrea Radoy hat ihren Mann Christian „einfach mitgeschleppt“ zu den Aktionen der AG, für die sie im Laufe der Jahre immer mehr Aufgaben übernahm. Seit 2007 ist sie deren Sprecherin. Als solche lädt sie zu den AG-Sitzungen ein, schreibt die Protokolle und hält den Kontakt zur Presse. Vor allem: Sämtliche Veranstaltungen der Ehrenamtlichen laufen über ihren Tisch.

Den Schwerpunkt bilden die Pflanztage und deren Nachbereitung. „Wir katalogisieren die Bäume und suchen nach einem Paten, der für mindestens fünf Jahre einen Wald betreut.“ Dieser müsse Bäume gegebenenfalls neu binden, alte Pfähle entfernen oder den Boden nachstampfen.

Den Zustand der Wälder inspizieren die Mitglieder während einer jährlichen Radtour zu allen Standorten. Gibt es Verbiss? Soll eine Hecke gepflanzt werden? Darum geht es an den einzelnen Stationen.

Zudem bietet die AG mittlerweile einen Ferienspaß an: Kinder erobern die Streuobstwiese am Gut Varrel, vermessen Bäume, schneiden Früchte auf und bewegen sich. Der Nachmittag endet mit einem gemeinsamen Grillen.

Die Pflanzaktionen, die Stuhr schon 26 Hektar Wald beschert haben, bereiten der 50-Jährigen einen „großen Spaß. Es ist schön mit den Menschen, ein absoluter Kontrapunkt zu dem, was wir im Alltag erleben“. Ihr Dank gilt den ehrenamtlichen Mitstreitern und der Gemeinde, die die Bäume sponsort und sich bemüht, zusammenhängende Flächen zu finden. „Eine bessere Aktion für unsere waldarme Natur können wir nicht finden.“

Das sehen auch die Eltern so. 70 Prozent der angeschriebenen Familien machen inzwischen mit, die Zahl der Bäume stieg von 70 im Jahr 1987 auf 232 im vergangenen Jahr. Dieser Spitzenwert sei allerdings mit Blick auf November 2015 zustande gekommen: „Wir wussten, dass es diesmal eine kleinere Fläche in Eggese geben würde“, erklärt Radoy. Nach Jahren des Wachstums kommen demnach „nur“ 100 bis 110 neue Bäume hinzu.

Ihr Engagement begründet die gebürtige Hamburgerin damit, dass sie gerne etwas für ihre neue Heimat habe tun wollen. Die Auszeichnung empfindet sie als „Anerkennung dessen, was wir machen. Und vielleicht finden wir auf diesem Weg weitere Nachahmer“.

Denn aus der 25 Mitglieder großen Gruppe werden Stimmen derer laut, die ankündigen, „dass sie es aus Altersgründen nicht mehr schaffen“. Vor allem den Nachwuchs möchte die Sprecherin deshalb wieder stärker an die AG binden. „Es geht um Nachhaltigkeit; darum, dass die Jüngeren Verantwortung übernehmen für ihren Baum“, sagt Radoy. Sie denkt an „werbewirksame“ Aktionen wie Geocaching. Den größten Anreiz biete aber der generationsübergreifende Charakter der AG: Sie bringe Babys, deren Eltern und Senioren zusammen. „Viele Gemeinden hätten gerne so etwas“, weiß Radoy aus Anfragen. „Aber es ist eine Stuhrer Geschichte.“

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