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Stuhrer Verein Pro Dem will mit Partnern eine Allianz für Menschen mit Demenz schmieden

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Von: Andreas Hapke

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Weyhes Bürgermeister Frank Seidel, seine Kollegen Stephan Korte aus Stuhr und Suse Laue aus Syke sowie Pro-Dem-Vorsitzender Frithjof Troue (v.l.) machen mit einem Banner auf das Netzwerk aufmerksam.
Führende Netzwerker: (v.l.) Weyhes Bürgermeister Frank Seidel, seine Kollegen Stephan Korte aus Stuhr und Suse Laue aus Syke sowie Pro-Dem-Vorsitzender Frithjof Troue. © Rainer Jysch

Professionelle Anbieter und ehrenamtliche Organisationen sollen sich in einem Netzwerk zusammenfinden, um die Gesellschaft mehr für das Thema Demenz zu sensibilisieren. Ein vom Bund gefördertes Projekt soll dabei helfen. Der Verein Pro Dem hatte dies gemeinsam mit fünf Partnern beantragt. 

Brinkum – Seit 2008 sind Dagmar Heidtmann und Lilja Helms bei Pro Dem tätig, dem in Brinkum ansässigen Senioren- und Pflegestützpunkt für Stuhr, Weyhe und Syke. Den Verein selbst gibt es seit 2001. Trotzdem ist die Region wie auch die Gesellschaft insgesamt immer noch nicht für das Thema Demenz sensibilisiert, finden die beiden Frauen. Dabei wäre das wichtiger denn je:

„Corona hat die Demenz bei den Betroffenen befeuert und die Belastungsmomente für die Angehörigen erhöht“, sagt Dagmar Heidtmann, Leiterin des administrativen Bereichs bei Pro Dem.

Das Projekt „Lokale Allianz für Menschen mit Demenz“ will die Gesellschaft „demenzsensibel“ machen, und zwar nachhaltig. So formuliert es Lilja Helms, Leiterin des geronto-sozialen Bereichs. Mehr noch: Es will Versorgungslücken schließen, indem es neue Angebote für Betroffene und deren Angehörige schafft. Und es will bestehende Angebote transparenter kommunizieren.

Der Startschuss für das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Projekt fiel kürzlich im Bremer Tor. Ziel ist die Gründung eines Demenz-Netzwerks für Stuhr, Weyhe und Syke, in dem sich professionelle Anbieter und ehrenamtliche Organisationen austauschen. Die Gründung ist für den Sommer vorgesehen.

Bislang alles auf den Schultern von Pro Dem

Hinter dem Antrag zur Förderung einer „Lokalen Allianz für Menschen mit Demenz“ steht die Absicht, weitere Institutionen und Vereine mit in die Verantwortung zu holen. „Bislang ist alles auf den Schultern von Pro Dem konzipiert. Bei einem Gebiet mit 90 000 Einwohnern können wir nur so gut sein, wie unsere Ressourcen das hergeben“, sagt Helms.

Sie nennt das Beispiel Reisen für Menschen mit Demenz: „Es wäre schön, wenn dazu mal ein Reisebüro beraten würde, und nicht immer nur wir.“ Wünschenswert seien auch Sportvereine, die Angebote für Betroffene machen. Restaurants, die an einem Tag für ein paar Stunden für Menschen mit Demenz öffnen. „Wo es egal ist, wenn diese Leute aufstehen, zu einem anderen Tisch gehen und darauf rumtrommeln. Sie ecken an, weil sie nicht verstanden werden.“ Sanitätshäuser könnten zum Thema GPS-Ortung beraten.

„Alle sagen: Die Gesellschaft wird immer älter, es gibt immer mehr Menschen mit Demenz. Doch es passiert nichts“, fügt Heidtmann hinzu. Angebote müssten auch aus anderen Ecken kommen. „Wir werden koordinieren und natürlich auch Aufgaben übernehmen.“

Der in Förderanträgen erprobte Verein Pro Dem musste sich diesmal „ganz schön auf den Hosenboden setzen“, berichtet Helms. Grund: Allein für die Teilnahme an der Endauswahl war eine Bewerbung notwendig, eine zweite für die Bewilligung des Zuschusses. Bereits im Vorfeld musste sich Pro Dem fünf Kooperationspartner suchen, die die Idee mittragen. Nach dem Motto: Wenn schon diese Minimalversion nicht zustande kommt, dann wird es auch mit dem Netzwerk nichts. Die Kommunen Stuhr, Weyhe und Syke sowie der Ambulante Pflegedienst Weser und die Zukunftswerkstatt Gesundheit und Pflege Diepholz waren sofort dabei.

Antragstellung eine schwere Geburt

Neun Monate habe die Antragstellung in Anspruch genommen. Eine schwere Geburt, die sich lohnen soll. Als ersten Erfolg können die Initiatoren die Auftaktveranstaltung verbuchen, bei der die Weichen für künftige Netzwerktreffen gestellt wurden. Die Teilnehmer – darunter Vertreter der Gemeinden, Pflegedienste, Angehörige, Ehrenamtliche von Pro Dem und eine Praxis für Sprachtherapie – sammelten viele Ideen. Die Schulung von Polizei, Ärzten und Arzthelferinnen im Umgang mit Betroffenen zählte dazu. Es ging auch um Wohnformen, musikalische Angebote und Gottesdienste für an Demenz erkrankte Personen.

Vor der Gründung des Demenz-Netzwerks wollen die Organisatoren „unbedingt“ (Helms) noch weitere Privatpersonen, Vereine und Verbände abholen. Polizei, Kirche, Bürgerbus und Verantwortliche für den kulturellen Bereich etwa haben noch gefehlt. „Wichtig ist: Wir brauchen Aktive, keine Sitzungssitzer“, betont Helms.

Wünschenswert sei auch die Teilnahme von Angehörigen und von Menschen mit Demenz, die noch ihre Wünsche äußern könnten, sagt Heidtmann.

Das nächste Treffen ist für Donnerstag, 12. Mai, 16 Uhr, beim Pflegedienst Weser in Weyhe geplant. Im weiteren Verlauf ist ein zwölfwöchiger Rhythmus vorgesehen. Nahziel ist eine Analyse des Ist-Zustands, um bedarfsgerecht Angebote zu entwickeln. Eine nachhaltige Netzwerkarbeit erwartet Lilja Helms erst nach dem Ablauf des Förderzeitraums Ende 2024.

Von Andreas Hapke

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