Drei neue Standorte für Meister Adebar

Stuhrer Störche haben immer mehr Platz für ihre Familienplanung

Drei Jungstörche in einem Nest Am Braunwasser in Stuhr-Blocken.
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Ergiebiges Nest: Diese Drillinge sind Am Braunwasser in Blocken aus ihren Eiern geschlüpft.

Meister Adebar hat in Stuhr immer mehr Möglichkeiten für seine Familienplanung. Zu den momentan elf Standorten für Horste und Nester kommen ab Herbst drei weitere hinzu. Insgesamt sind in diesem Jahr neun Jungstörche aus ihren Eiern geschlüpft, zwei mehr als im vergangenen Jahr.

Stuhr – Seit im Jahr 1999 der erste Horst in der Brinkumer Marsch errichtet wurde, hat die Population der Störche in Stuhr kontinuierlich zugenommen. In diesem Frühjahr zählte Gerold Leschke an den elf Standorten insgesamt neun Jungstörche, 2013 waren es lediglich vier. Leschke ist beim örtlichen Naturschutzbund (Nabu) für die Storchenbetreuung zuständig, und diese Aufgabe nimmt er sehr ernst.

Vier Mal sei er zwischen Anfang April und dem 20. Juni bei den Horsten und Storchennestern gewesen, berichtet er. „Wenn man die alle abfährt, hat man 20 Kilometer zusammen. Ich schaue aber auch nach dem Rechten, wenn ich zufällig an einem Horst vorbeikomme.“

Erste Flugübungen unternimmt das „Einzelkind“ aus dem Storchennest am Barkener Weg in Moordeich.

Nach seinen Beobachtungen ist in diesem Jahr der erste Storch am 20. Februar in Stuhr gewesen und habe sich für die Unterkunft an der Blockener Straße/Ecke Bundesstraße 322 entschieden. Dort sind später Drillinge aus den Eiern geschlüpft – ein Ergebnis, das sonst nur noch der ebenfalls in Blocken stehende Horst Am Braunwasser zu bieten hat. Zwei Jungstörche erblickten im Baumhorst in Kladdingen das Licht der Welt, einer am Barkener Weg in Moordeich.

Um das festzustellen, ist zuweilen Geduld gefragt. „Manchmal muss man warten, bis ein Elternteil mit dem Futter angeflogen kommt. Dann recken alle ihren Hals, und die Köpfe lugen aus dem Nest hervor.“ Warum es an der einen Stelle mit dem Nachwuchs klappt und an einer anderen nicht, könne unterschiedliche Gründe haben. Im Stuhrer Naturschutzgebiet etwa wurde gebrütet, aber geschlüpft ist nichts. „Manchmal schmeißen Störche ihre schon gelegten Eier weg“, sagt Leschke. Etwa wenn sie spürten, dass damit etwas nicht in Ordnung sei.

Horste in Heiligenrode und Groß Mackenstedt nachgebessert

Laut Leschke werden ab Herbst noch drei weitere Horste hinzukommen: einer in Varrel, um den sich der Heimatverein Gut Varrel kümmern werde, und zwei auf einem Privatgrundstück am Kuhteichweg in Groß Mackenstedt. „Das ist uns ganz lieb, denn so haben die Menschen gleich einen Bezug zu den Tieren und achten mehr auf sie“, sagt Leschke.

Seiner Auskunft nach müssen die Pfähle acht bis zehn Meter hoch sein und einigermaßen geschützt stehen, möglichst in der Nähe von Menschen und Nahrung. Eine sogenannte Katzenabwehr verhindert, dass Marder bis hoch ins Nest klettern können. Sie und andere Vögel sind die natürlichen Feinde von Meister Adebar. Die Pfähle dürfen auch keine Löcher haben, denn die findet der Specht ausbaufähig, wie am Horst der Feuerwehr Brinkum zu sehen ist. Dort mussten Eisenstreben zur Verstärkung des Pfahls angebracht werden. Mittelfristig ist ein Austausch vorgesehen.

Auch am Mühlenteich in Heiligenrode und beim Weinhandel an der Eggeseer Straße in Groß Mackenstedt sind die Horste nachgebessert worden, allerdings mit neu geflochtenen Kränzen. „In Heiligenrode sind die Frauen des Heimatvereins ganz verliebt in die Störche“, sagt Leschke, der sich über Kooperationspartner vor Ort freut. Beim Aufstellen und Ausbessern der Unterkünfte ist der Nabu auf die Drehleiter der Feuerwehr angewiesen. „Sonst müssten wir uns teuer einen Steiger mieten.“

Die Standorte der Storchennester (rote Punkte) und jene, wo sich Nachwuchs einstellte (Quadrate). grafik: leschke

Nach einer Brutzeit von 30 bis 33 Tagen verbleiben die Jungstörche zwei Monate im Nest, um sich ihre Bäuche – je nach Fassungsvermögen – mit Regenwürmern, Mäusen, Maulwürfen, Fröschen und kleinen Vögeln vollzuschlagen. „Gefüttert werden dürfen die Tiere nicht, sonst bleiben sie hier und finden im Winter keine Nahrung“, betont Leschke. Wird es im Nest zu eng, beginnt der Nachwuchs mit dem Flugtraining. In Autobahnnähe, und das ist in Stuhr häufig der Fall, sind die Tiefflüge gefährlich. „Gerade lohnt es sich wieder, vorsichtig zu fahren. Es wird fleißig geübt“, sagt Leschke. „Im August hauen alle ab.“

Bevor die Störche in ihrem Winterquartier ankommen, sind sie zum Teil 10 000 Kilometer unterwegs gewesen. „Sie nehmen die Route über Spanien oder den Libanon nach Afrika, um von der Thermik über dem Land zu profitieren“, erklärt Leschke. Über Wasser müsste die Vögel zuviel Kraft aufwenden.

Von Andreas Hapke

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