Mitgliederschwund und Traditionsverlust

Stuhrer Schützenvereine wie eingefroren: Corona ist nicht die einzige Herausforderung

Drei Jahre nach dem 50-jährigen Jubiläum des Schützenvereins Stuhr erlebt der erste Vorsitzende Andreas Dettmer den Verein wie eingefroren.
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Drei Jahre nach dem 50-jährigen Jubiläum des Schützenvereins Stuhr erlebt der erste Vorsitzende Andreas Dettmer den Verein wie eingefroren.

Das Vereinsleben ist durch die Einschränkungen, die die Corona-Pandemie mit sich brachte, überall zum Erliegen gekommen. Nicht viel anders sieht es auch bei den Stuhrer Schützenvereinen aus. Seit nahezu zwei Jahren gab es fast keine Veranstaltungen. Da ist es nicht verwunderlich, dass die Stimmung bedrückt ist.

Stuhr – Andreas Dettmer, erster Vorsitzender vom Schützenverein Stuhr, meint, dass die Corona-Beschränkungen nicht nur das Schützenwesen zurückwerfen würden. „Es wirft alle Vereine zurück. Es gab in den vergangenen zwei Jahren keine Festlichkeiten und nur wenige Wettkämpfe.“ Der 41-jährige Vertriebsmitarbeiter sieht es als Problem an, dass der Stuhrer Schützenverein nicht mehr so präsent ist. Aufgrund der fehlenden Veranstaltungen könnte der Verein weniger Jugendliche erreichen. „Vor Corona haben wir versucht, Inhalte des Vereinslebens über Facebook und Instagram zu teilen und somit junge Leute anzusprechen. Das hat sich allerdings schnell wieder zerschlagen“, so Dettmer.

Mitgliederschwund ohne Austritte

Der Verein habe in der Corona-Zeit bislang keine Austritte verzeichnet. Dennoch komme es zu einem Mitgliederschwund, wie der Vorsitzende erklärt. Es gebe einige Mitglieder, die in den vergangenen zwei Jahren verstorben seien. Zwischen 160 und 170 Mitglieder sei der Verein in den Jahren vor Corona konstant stark gewesen. Im Moment zählen 161 Schützen und Schützinnen zum Stuhrer Schützenverein. „Die Altersstruktur ist bei uns gut gemischt. Allerdings wird die Jugend immer älter“, sagt der 41-Jährige.

Dettmer sieht eine weitere Herausforderung darin, dass Vereinsleben nach der Zeit der strengen Beschränkungen wieder in Gang zu bekommen. Alle Mitglieder wieder zu aktivieren und für die Veranstaltungen zu gewinnen stellt er sich schwierig vor.

Enttäuschung ist dennoch da

Drei Eintritte habe es im vergangenen Jahr im Jugendbereich gegeben, als das Übungsschießen wieder möglich war. „Das Interesse und die Freude waren da. Allerdings wurden wir im Herbst gleich wieder ausgebremst.“ Die Fallzahlen stiegen und die Möglichkeiten für den Verein schwanden. Bowling für die Jugend und eine Weihnachtsfeier für die älteren Mitglieder waren nicht mehr umsetzbar. Die Verantwortlichen des Schützenvereins sind bei ihren Mitgliedern allerdings keineswegs auf Unverständnis gestoßen. Dettmer: „Uns wurde die Treue gehalten.“ Die Enttäuschung sei dennoch da gewesen.

Jeden Monat gebe es eine Vorstandsrunde beim Schützenverein Stuhr. Bei dieser tauschen sich die Verantwortlichen über aktuell anstehende Themen aus. Jetzt im Januar seien Veranstaltungen für dieses Jahr geplant worden. „Wir planen ganz normal, müssen aber jetzt schon anfangen, Versammlungen zu verschieben. So wie die Generalversammlung, die für Ende Januar angesetzt war.“

Schützenkönig seit 2019 im Amt

Ein Frühjahrsschießen mit Osterpokal will der Verein den Mitgliedern intern anbieten. Außerdem steht das Schützenfest vom 15. bis zum 17. Juli auf dem Jahresprogramm. „Wir wünschen es uns, sind aber vorsichtig bei der Planung. Wir ziehen die Notbremse, wenn wir sehen, dass die Umsetzung keinen Sinn ergibt. Dennoch gehen wir positiv an die Sache ran“, so Dettmer. Da es sich bei dem Schützenfest um eine öffentliche Veranstaltung handelt, müsse besonders auf die Gesundheit aller geachtet werden.

Der amtierende Schützenkönig hat sein Amt seit 2019 inne. Das zeige, dass der Schützenverein wie eingefroren ist. Ein internes oder abgespecktes Schützenfest wäre dem amtierenden Schützenkönig nicht gerecht geworden, erklärt der Vorsitzende. Es gehe um die Wahrung der Traditionen, mit allem, was dazu gehört. Deshalb gab es im vergangenen Jahr keine Form des Schützenfestes in Stuhr.

Keine finanziellen Einbußen

In eine finanzielle Schieflage sei der Stuhrer Verein während der Corona-Zeit nicht gekommen. Finanzielle Einbußen gebe es keine.

Auch wenn die Corona-Einschränkungen für den Verein „massiv“ seien, würde sich der erste Vorsitzende keine Sonderregelungen für Vereine wünschen. „Die Beschränkungen gelten für alle. Man darf sich da als Verein nicht rausnehmen.“

Während der traditionelle Teil des Schützenvereins Stuhr eingeschränkt ist, sei die sportliche Seite des Vereins weiterhin aktiv. Die Sportschützen könnten unter Auflagen trainieren und an Wettkämpfen teilnehmen. Das sei laut dem Vorsitzenden gut geregelt und auch richtig. Dettmer spricht vom „Durchhalten, bis wieder normales Fahrwasser kommt und wir uns wiedersehen.“

Selbe Situation beim Schützenverein Stuhr von 1912

Auch beim zweiten Stuhrer Schützenverein, dem Schützenverein Stuhr von 1912, sieht die Gesamtsituation nicht viel anderes aus. Ehrenvorsitzender Helmut Ahrens sprach auf Anfrage der Kreiszeitung davon, dass auch dieser Stuhrer Verein seit gut zwei Jahren nahezu eingefroren sei.

Die Mitgliederzahlen des Stuhrer Vereins seien seit Beginn der Pandemie um rund fünf Prozent gesunken. Einige Austritte aber auch verstorbene Mitglieder fielen darunter.

Traditionsverein kämpft mit Jugend-Bereich

Der 110 Jahre alte Traditionsverein habe laut dem Ehrenvorsitzenden vor allem im Bereich der Jugend zu kämpfen. „Es besteht einfach kein Interesse am Schießen. Vielleicht liegt es daran, dass wir direkt an Bremen liegen.“ Im ländlicheren Raum habe das Schützenwesen einen anderen Stellenwert. Werbung könne der Verein für sich am besten durch das Schützenfest machen. Ahrens geht aber nicht davon aus, dass dieses in diesem Jahr wieder stattfinden wird.

Es herrsche generelle Unsicherheit im Schützenverein, wo das nächste Schützenfest überhaupt über die Bühne gehen wird. In den Jahren vor der Pandemie nutzte der Schützenverein Stuhr von 1912 den Parkplatz des Gasthauses Nobel. Nach Umbauarbeiten am Gasthaus müsse der Verein laut Ahrens nun schauen, ob das Schützenfest überhaupt noch an gewohnter Stelle gefeiert werden kann.

Befürchtung: schlimmer als im vergangenen Jahr

Ahrens: „So eine Zeit habe ich in meinen 56 Jahren im Verein noch nicht mitgemacht. Wir versuchen natürlich, Veranstaltungen auf die Beine zu stellen und sind bemüht. Aber ich befürchte, dass es in diesem Jahr mit den Beschränkungen noch schlimmer wird als im letzten Jahr.“

Christian Seevers, Vorsitzender des Schützenverein Fahrenhorst, berichtet von einer ähnlichen Situation, wie in Stuhr: „Der Verein dümpelt so vor sich her.“

Wegfall von Tradition

Auch die Fahrenhorster hätten zunehmend Nachwuchsprobleme. Mit dem Wegfall beispielsweise von Spielmannszügen gehe immer mehr Tradition im Schützenwesen verloren. Aufgrund der Nähe zu Bremen hätten Jugendliche viele Alternativen.

Dennoch sieht der Vorsitzende eine Zukunft für das Schützenwesen: „Es kommt darauf an, was der Schützenverein macht und anbietet. Man muss nicht nur auf alten Traditionen beharren.“ Als Beispiel nennt Seevers das Bogenschießen, das aktuell im Trend liege.

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