„Ich bin überzeugt, dass wir gebraucht werden“

Stuhrer Nachtwanderer feiern mit befreundeten Gruppen ihren zehnten Geburtstag

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Die Stuhrer Nachtwanderer feiern im Varreler Gutshaus ihren zehnten Geburtstag. 

Stuhr - Von Andreas Hapke. Hinter den Stuhrer Nachtwanderern liegt eines der arbeitsreicheren Jahre. 33 Einsätze haben die Ehrenamtlichen absolviert, was die Gesamtbilanz auf 296 Einsätze in zehn Jahren schraubt. Diesen runden Geburtstag hat die Gruppe am Montagabend im Varreler Gutshaus gefeiert – im Beisein der befreundeten Nachtwanderern aus Bremen-Nord, Bremen-West und Huchting.

Der Erste Gemeinderat Ulrich Richter wollte nicht groß auf die Entstehungsgeschichte der Gruppe eingehen. „Wichtig ist, dass es sie gibt und was sie tun.“ Ihre Gründung im Herbst 2008 sei eine gute Idee gewesen, die nie infrage gestellt worden sei. Nur zu Beginn habe es Bedenken gegeben, ob dies eine nachhaltige Geschichte werden könne. Ansonsten sei ihm nur Lob bekannt.

Seit dem Frühjahr 2009 suchen die Nachtwanderer Plätze auf, an denen sich Jugendliche treffen. Sie wollen mit ihnen in Kontakt treten, ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Nöte haben. Die Saison startet mit den Osterfeuern und endet im Oktober.

Als ehemaliger und inzwischen pensionierter Leiter des Teams Jugend hatte Schüler die Initialzündung für das Projekt gegeben. Vorangegangen war ein Besuch der Messe „HanseLife“, wo der Rathausmitarbeiter an einem Stand der Huchtinger Nachtwanderer hängenblieb. Eine „verrückte Geschichte“ sei das damals gewesen. 90 Minuten habe er sich mit den Huchtingern unterhalten, dann stand für Schüler fest: „So etwas brauchen wir auch in Stuhr.“

„Wir waren Vorbild für viele andere“

Die Gemeinde hatte damals Probleme mit Jugendlichen, ein Brennpunkt etwa war Moordeich. Mit Streetworkern als hauptamtliche und den Nachwanderern als ehrenamtliche Säule der aufsuchenden Jugendarbeit steuerte die Kommune gegen. „Damit waren wir Vorbild für viele andere. Es war eine tolle Sache, dass wir das gemacht haben“, sagte Schüler. „Die Streetworker haben die Plätze entdeckt, an denen wir die Jugendlichen am Wochenende antrafen.“ Diese Form der Prävention habe so gut funktioniert, dass die Stellen des auf drei Jahre angelegten Streetworker-Projekts schon nach weniger als zwei Jahren entfristet worden seien. „So etwas hatte ich in meiner Laufbahn noch nicht erlebt.“

Schüler fungierte als Schnittstelle zwischen Haupt- und Ehrenamt. „Es ist wichtig, dass jemand da ist, der den Blick für beide Seiten hat“, stellte Richter fest. Er lobte seinen ehemaligen Kollegen dafür, dass dieser immer genügend Nachtwanderer gefunden habe, um das Angebot aufrechtzuhalten. Richter mutmaßte, dass es bei den nächtlichen Einsätzen „spannende Gespräche“ gegeben habe. Er sprach von einer „parteiübergreifenden Schmiede für gute Ideen“.

Helmut Hecker, Nachtwanderer von Beginn an, erinnerte sich an die ersten Einsätze: „Anfangs waren wir nicht gerne gesehen, die Jugendlichen tranken Alkohol und wollten damit unter sich bleiben. Sie kannten uns nicht, wir mussten viele Gespräche führen. Das ist heute nicht mehr notwendig.“ Im Gegenteil: Laut Hecker werden die Nachtwanderer mitunter freudestrahlend begrüßt. Er nennt die Landjugendfete in Bürstel als Beispiel. In den „Unterhaltungen auf Augenhöhe“ müssten die Jugendlichen einen Redeanteil von 80 Prozent haben. „Sonst erfahren wir nichts.“

Hecker und seine Mitstreiter steuern immer noch dieselben Treffpunkte wie früher an. „Die Jugendlichen haben aber von Saison zu Saison andere Schwerpunkte“, hat er festgestellt. Laut Schüler gibt es 35 bis 40 Plätze, an denen sich der Nachwuchs aufhält – von Schulhöfen über Spielplätze bis hin zu Bushaltestellen.

War Schüler der Initiator für Stuhr, so gab Lasse Bergen den Startschuss in Bremen. Der gebürtige Schwede kannte die Nachwanderer aus seiner Heimat, wo sie seit 1988 unterwegs waren, um einfach nur da zu sein und eskalierend zu wirken. Nach eigener Auskunft war Bergen „skeptisch, ob das hier klappen würde“. 2004 fing er mit seiner Truppe auf dem Bahnhofsvorplatz in Bremen-Nord an. Von dort aus verbreitete sich die Idee in ganz Deutschland.

„Ich freue mich über jede neue Gruppe. Es braucht ganz viele neue Ideen und neuen Schwung, damit wir weitermachen können“, sagte Bergen und fügte hinzu: „Ich bin überzeugt, dass wir gebraucht werden. Nachtwanderer sind ganz wichtig.“

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