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Stuhrer Kleinstbrauer kann Bierpreis nahezu konstant halten

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Von: Gregor Hühne

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Bier von hier: Vor einigen Jahren gab es noch mehr Kleinbrauereien in der Gemeinde Stuhr.
Bier von hier: Vor einigen Jahren gab es noch mehr Kleinbrauereien in der Gemeinde Stuhr. © Ulrich Knäblein

Die Inflation und ein möglicher Weizenmangel werfen Schatten auf die Bierbranche. Ulrich Knäblein von Braugut Stuhr erklärt, wie Kleinstbrauer diese Zeit erleben.

Stuhr – Kaum zeigen die Temperaturen zweistellige Werte an, da werden Warnungen vor steigenden Preisen beim Bier laut. Ist die post-pandemische Grillsaison in Gefahr? Die Kreiszeitung sprach mit Unternehmern und einem von zwölf Haus- und Hobbybrauern in der Gemeinde Stuhr, die dem Zollhauptamt bekannt sind.

Kleinstbrauerei Braugut Stuhr aufgrund geringer Mengen nicht repräsentativ für die Branche

Privatbrauereien gibt es nicht mehr so viele in der Gemeinde. Eine, das Braugut Stuhr, betreibt Ulrich Knäblein. Er erzählt von der aktuellen Entwicklung an den Rohstoffmärkten – und die zeigt steil nach oben. So liegt der Tonnenpreis Mais bei 640 bis 650 Euro. Im Jahr 2021 seien es dagegen nur rund 200 Euro gewesen. „Das ist schon heftig“, so der Kleinstbrauer.

Seit acht Jahren hat Ulrich Knäblein seine Privatbrauerei in Stuhr-Fahrenhorst. Der Diplom-Kaufmann mit juristischem Schwerpunkt betreibt dort die Braukunst als sein Hobby. Seine Kleinstbrauerei sei daher nicht ganz repräsentativ, meint er. „Geschäftlich habe ich die Coronakrise gar nicht gemerkt“, sagt Knäblein.

Ein Kasten Bier von Ulrich Knäbleins „Nicht-Konsum-Bier“, wie er es nennt, kostet rund 40 Euro. Das ist viel im Vergleich zu den Preisen großer Brauereien. Den Nettopreis habe der Kleinbrauer den in den vergangenen Monaten um rund fünf Prozent erhöht.

Ich bin so klein, dass ich diese Preisprobleme selbst nicht wahrnehme.

Ulrich Knäblein, Braugut Stuhr

Höhere Einkaufspreise spüre er hingegen kaum. „Ich bin so klein, dass ich diese Preisprobleme selbst nicht wahrnehme“, sagt Knäblein. Sein größter Kostenfaktor sei die Zeit. Und die versucht er durch den Einsatz von Technik wieder auszugleichen – beispielsweise mit einer professionellen Waschmaschine. Kosten: 4 000 Euro. Das rentiere sich. Bierflaschen per Hand zu waschen sei zwar meditativ, aber nicht sonderlich effektiv, scherzt er.

Ukrainekrieg könnte sich auf den Biermarkt auswirken, wenn weniger Weizen exportiert wird

Und welche Biersorte des Brauguts Stuhr trinken die Leute am liebsten? Das komme darauf an und sei spannend, findet Ulrich Knäblein. Seiner Erfahrung nach kämen die Sorten „Kellerbier“ und „Landbier“ bei der traditionalistisch-ländlichen Bevölkerung besser an, bei kosmopolitischen Städtern seien es hingegen die Sorten „Porter“ und „Pale Ale“.

Die neueste und zugleich fünfte Biersorte im Angebot von Ulrich Knäblein heißt typprägend „Hefe Weizen Hell“. Sie enthält zugleich eine Zutat, über die sich der Brauer am meisten sorgt. Der Krieg in der Ukraine verhindert nämlich die ordentliche Bestellung der dortigen Äcker und Felder: „Das Land ist ein großer Lieferant für Weizenbier-Zutaten“. Mehr als 50 Prozent des Malzes bestehe aus Weizen, und da werde es Knappheiten geben, mutmaßt Knäblein.

Und wie sieht es an der Bier-Nachschubfront in der Gemeinde Stuhr vor dem anstehenden Männertag aus? Der Bereichsleiter des Marktkauf-Getränkemarkts bestätigt: „Es wird teurer.“ Seiner Meinung nach liege die Preissteigerung an der hohen Inflation. An einer allgemeinen Panikmache, wie er sie wahrnehme, wolle er sich nicht beteiligen und gibt zugleich Entwarnung: Es sei genug Bier-Vorrat vor dem Feiertags-Wochenende im Markt.

Restaurant-Zulieferer erhöhen Preise aufgrund gestiegener Transportkosten

Eine weitere gute Nachricht für Bier-Kunden und -Konsumenten in der Gemeinde: Nicht alle Unternehmer geben die gestiegenen Bierpreise an ihre Kunden weiter. So wie Uwe Schmahl, Inhaber des Schnitzelhauses in Brinkum. Preissteigerungen beim Alkohol habe er in diesem Jahr durch seine Lieferanten erfahren. Bei denen stiegen die Transportpreise durch höhere Benzinkosten. Aber „die geben wir nicht an unsere Kunden weiter“, beteuert er. Ein Bitburger 0,3 Liter beispielsweise kostet im Schnitzelhaus 3,10 Euro und 0,5 Liter runde fünf Euro.

Naturtrüb ist auch Schmahls Blick in die Zukunft der Bierpreise. Seine Zulieferer-Brauerei wolle den Bierpreis im Laufe des Jahres anheben. Offiziell sei das noch nicht angekündigt, sagt Schmahl, aber „man munkelt“.

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