„Unsere Motivation ist primär die Not der Frauen“

Stuhrer Hebammen gründen Wochenbettambulanz im Frauentreff „Sie(h)da“

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Ute Sydow (l.), Stephanie Baske und Jennifer Schnelle (nicht auf dem Bild) haben die Wochenbettambulanz gegründet. 

Brinkum - Von Andreas Hapke. „Sie sind jetzt die 20. Hebamme, die ich anrufe“ – solche oder ähnliche Klagen hören die Geburtshelferinnen Wiebke Sydow und Stephanie Baske häufiger. Was Hebammen angeht, herrscht in der Region absoluter Notstand. Es gibt nicht genug von ihnen. Und die, die es gibt, haben keine Kapazitäten mehr für zusätzliche Termine.

Für Frauen, die partout keine Hilfe finden, gibt es jetzt eine Alternative: die Wochenbettambulanz im Frauentreff „Sie(h)da“ an der Jupiterstraße 1 in Brinkum. Die Initiative geht vom Hebammen-Netzwerk Stuhr aus, dem neben Wiebke Sydow und Stephanie Baske auch Jennifer Schnelle angehört. Die Gleichstellungsbeauftragte Nicole Feldmann-Paske hat den Raum organisiert.

„Unsere Motivation ist primär die Not, in der sich die Frauen befinden“, erklärt Stephanie Baske. Frauen, die ihr erstes Kind erwarten und unter Tränen berichten, dass sie keine Geburtshelferin finden: „Das können wir als Mütter nachempfinden.“

Nach eigener Auskunft haben die drei Hebammen innerhalb der vergangenen drei Wochen selbst zahlreichen Frauen, die bereits länger auf der Suche waren, eine Absage erteilen müssen. Sie sprechen von einer „maximalen Unterversorgung“ in Stuhr. Aus den unterschiedlichsten Gründen hätten Geburtshelferinnen aufgehört oder seien weggezogen. „Deshalb wollen wir uns auch in erster Linie an Betroffene aus der Gemeinde richten“, sagt Wiebke Sydow.

Wer den Notdienst in Anspruch nehmen möchte, muss sich im Internet unter www.hebnet-stuhr.de dafür anmelden. Die Terminvergabe erfolgt zügig. Wer keinen Internetzugang hat oder sprachlich gehandicapt ist, kann sich bei der Gemeinde an Fathma Atenhahn (0421/ 80 94 27 63) wenden. Sie übernimmt dann den Eintrag auf der Homepage der Hebammen. Eine feste Sprechzeit wollen die Frauen bewusst nicht veröffentlichen. „Wir haben nicht die Kapazitäten für spontane Besuche“, begründen sie.

Im Wochenbett kann viel passieren

Dem Trio geht es um die Begleitung im Wochenbett, im Zeitraum von sechs bis acht Wochen nach der Entbindung also. „Da kann so viel passieren, gerade in den ersten zehn Tagen“, sagt Stephanie Baske. Eine Mutter leide unter entzündeten Brustwarzen, bei einer anderen nehme der Säugling nicht zu. „Manchmal wird eine Gelbsucht nicht erkannt. Wir schauen uns beide an, Mutter und Kind.“ Alternativ müsste die Mutter mit ihren Problemen zum Gynäkologen und mit dem Baby zum Kinderarzt.

Pro Mutter plant das Trio eine einstündige Betreuung ein. „Um uns rechtlich abzusichern, setzten wir für jede einzelne Behandlung zunächst einen Vertrag auf“, betont Wiebke Sydow. Dann folgten die Anamnese und die Untersuchung.

Den Hebammen ist bewusst, dass sie sich mit ihrer Notversorgung „ein Stück weit ins eigene Fleisch schneiden“. Nicht nur finanziell, da die Krankenkassen die aufsuchende Wochenbettbetreuung doppelt so hoch honorieren wie die ambulante. Sie rechnen auch damit, dass der Hebammenverband oder einige Kolleginnen ihren Service kritisch sehen. „Es ist schließlich nicht der Urgedanke der Hebammenarbeit, die Frauen außerhalb ihres häuslichen Umfelds zu empfangen“, sagt Wiebke Sydow. „Doch wir mussten ein Angebot schaffen, ihnen trotzdem zu helfen. Wir leisten das zwar über unsere eigentliche Arbeit hinaus. Doch es ist eine wertschätzende Arbeit. Frauen und Familien sind immer dankbar.“

Für ihre Ambulanz würden sich die Drei über die Unterstützung durch weitere Kolleginnen freuen. Gleiches gelte für die Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse, die das Hebammen-Netzwerk Stuhr bereits seit Anfang 2017 in den „Sie(h)da“-Räumen anbietet.

Flyer unter dem Motto „Keine Hebamme gefunden?“ liegen bei Gynäkologen, Kinderärzten und Apotheken aus. Weitere Informationen und Anmeldungen im Internet.

www.hebnet-stuhr.de

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