Drahtesel sind nicht nur für Flüchtlinge

Stuhrer Fahrrad-Netzwerk stellt sich zwei Jahre nach seiner Gründung neu auf

Julien Jacquot (v.l.), Christian Wille, Willi Bernholt (Ausgabe Fahrräder), Stephanie Bernholt (Ausgabe Fahrräder), Ralf Mohrmann und Moussa Rasuli (Besucher/Kunde) freuen sich über die Neuaufstellung des Netzwerks.  J Foto: Ehlers

Stuhr - Von Andreas Hapke. Mobilität für Flüchtlinge bleibt ein großes Thema in der Gemeinde. Der Bedarf an Fahrrädern sei weiterhin sehr groß, berichtet Verwaltungsmitarbeiterin Fathma Atenhahn. Daran ändere auch eine Spende des Bremer Mercedes-Benz-Werks nichts. Der Autohersteller hat dem Fahrrad-Netzwerk 50 ausgediente Drahtesel überlassen. „Unsere Räder sind aber nicht nur für Flüchtlinge, sondern ebenso wie der soziale Service für alle Bedürftigen gedacht“, betont Atenhahn.

Rund zwei Jahre nach seiner Gründung und nachlassendem Eifer im vergangenen Jahr hat sich das Netzwerk jetzt neu aufgestellt, personell und organisatorisch. Ihm gehören ehrenamtliche Helfer und Mitarbeiter der Gemeinde an. Mit Peter Gehrmann ist auch ein Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde Brinkum dabei. Bei ihm können sich Bewohner unter der Telefonnummer 0421/80 51 14 melden, wenn sie nicht mehr benötigte Fahrräder loswerden wollen. Wer eines benötigt, wendet sich unter Ruf 0421/80 94 27 63 an Atenhahn.

Gehrmann veranlasst die Abholung der Räder, die dann durchgesehen, in eine Liste aufgenommen und gegen eine Aufwandsentschädigung von zehn Euro an die Bedürftigen ausgegeben werden. Das passiert immer mittwochs von 15 bis 17 Uhr am Lager an der Bremer Straße 5.

Beim Abholen der Räder müssen sich die Nutznießer ebenfalls in eine Liste eintragen. So können die Ehrenamtlichen schnell feststellen, ob jemand bereits ein Rad erhalten hat. „Wir haben bereits mehr als 200 Fahrräder ausgegeben“, sagt Stephanie Bernholt, eine Helferin der ersten Stunde. Ihrer Auskunft nach gibt es zurzeit 42 Frauen und Männer, die auf der Suche nach einem Zweirad sind. Auch dafür gibt es eine Liste inklusive Telefonnummern der Interessenten. Diese erhalten mit dem ausgehändigten Drahtesel auch einen Fahrradpass, der sie als Besitzer ausweist.

Einrichtungen dienen in erster Linie als Hilfe zur Selbsthilfe

Laut Atenhahn muss an den gespendeten Rädern „meistens nichts gemacht werden“. Sollte dies doch der Fall sein oder ein ausgeliehenes Rad einen Schaden erleiden, kann der Besitzer die Hilfe einer der beiden Fahrradwerkstätten in Anspruch nehmen. Die Einrichtungen dienen in erster Linie als Hilfe zur Selbsthilfe. Unter Anleitung von Ralf Mohrmann, Gianfranco Ardigieri, Julien Jacuot, Christian Wille und Karl Sagemann können die Bedürftigen ihr Rad selbst reparieren. Dazu ist das Haus am Wall in Brinkum jeden Mittwoch von 15.30 bis 17.30 Uhr und der Moordeicher Jugendtreff „No Moor“ dienstags von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

Nach Auskunft von Stephanie Bernholt benötigt das Netzwerk vor allem Damen- und Kinderfahrräder. Wille bekommt häufiger Anfragen nach Radkörben, aber Helme, Kindersitze und Anhänger können die Helfer ebenfalls gut gebrauchen. „Wir nehmen auch Räder, die nicht komplett funktionstüchtig sind“, sagt er. „Die bauen wir dann auseinander, um Ersatzteile zu bekommen.“

Neue Fahrradkurse seien zurzeit nicht in Aussicht, bedauert Atenhahn. Wer sich dazu berufen fühlt, kann sich bei ihr melden. Dies gelte insbesondere für Frauen, weil man – wie Helfer Andre Becker weiß – „die weiblichen Teilnehmer schon mal anfassen muss“. Überhaupt sei das Lehren „nicht ohne“, sagt Atenhahn. Der ADFC Bremen bringe Ehrenamtlichen bei, wie sie Kursteilnehmern das Radfahren vermitteln. Dort wolle sie auch mal für Stuhrer Helfer nachfragen.

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