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Stuhrer Discjockey Harald Schumacher kann die Rückkehr zur Normalität kaum erwarten

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Von: Andreas Hapke

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„Es juckt schon, mal wieder live aufzulegen“, sagt DJ Harald Schumacher.
„Es juckt schon, mal wieder live aufzulegen“, sagt DJ Harald Schumacher. © Privat

Harald Schumacher ist nebenberuflich DJ und kann es kaum erwarten, endlich wieder vor Publikum seine Musik aufzulegen. Dem 58-Jährigen fehlen nicht nur die Einnahmen, sondern auch der Spaß und die sozialen Kontakte. „Das kann man nicht allein über Facebook aufrechterhalten“, sagt er. 

Groß Mackenstedt – Die Kohlfahrt im Heiligenroder Restaurant Meyerhof im Februar 2020 – es war die letzte Veranstaltung, bei der DJ Harald Schumacher aus Groß Mackenstedt von Berufs wegen aufgelegt hat. Klar, dass er die Rückkehr zur Normalität kaum erwarten kann. „Es juckt schon, vor Publikum am Mischpult zu stehen und Musik zu spielen. Nicht nur bei mir, auch bei meinen Kollegen“, sagt Schumacher.

Ob Privatpartys, der Treckertreff in Clues oder das Schützenfest in Twistringen, für das „Schumis Musikbox“ als Überbrückung zwischen den Auftritten der Bands gebucht worden war: Die Liste der ausgefallenen Veranstaltungen ist lang. Der zweijährige Stillstand habe viel Geld gekostet. „Wir kleinen, nebenberuflichen DJs fallen ja durchs Raster, was staatliche Förderungen betrifft.“ Doch dem 58-Jährigen geht es nicht allein um entgangene Einnahmen. „Es fehlen auch der Spaß und die sozialen Kontakte. Das kann man nicht allein über Facebook aufrechterhalten.“

Stand jetzt sieht es danach aus, als könne er beim diesjährigen „Tanz in den Mai“ im Gasthaus Meyerhof in Heiligenrode sein Comeback feiern. „Da bin ich praktisch der Haus-DJ. Silvester, Kohlfahrten, Tanz in den Mai  – dafür werde ich dort unter Vertrag genommen“, erzählt Schumacher. Die Gewerbeschau Ende des Jahres in Barrien und diverse Schützenfeste stünden ebenfalls schon in seinem Terminkalender. Doch wie es damit und mit Erntefesten in einigen Monaten aussehe, könne niemand verlässlich sagen. Corona sei nicht die einzige Unbekannte: „In der Gegend haben auch einige Läden zugemacht“, sagt Schumacher. Wer wisse schon, was noch passiere.

Wo die Leute feiern möchten, da fahre ich hin.

Harald Schumacher

Sein Job führe ihn nicht nur zu Veranstaltungen in Stuhr und Umgebung. Schumacher nennt Achim, Bremervörde, Cuxhaven und Diepholz als Beispiele. Das komplette ABC, möchte man meinen. „Wo die Leute feiern möchten, da fahre ich hin.“ Seine Aufträge bekomme er im Wesentlichen über Mundpropaganda oder weil jemand ihn bei einem seiner Engagements erlebt habe, berichtet der DJ. Für Volksfeste buche ihn der Imbissbetrieb Bode häufig gleich mit. Den einen oder anderen Kunden gewinne er „vielleicht noch über Facebook“. Auf seine Homepage hingegen gebe es kaum Resonanz.

In den DJ-Nebenberuf „reingerutscht“

Der ehemalige Lkw-Fahrer ist nach eigener Auskunft „reingerutscht“ in den Nebenberuf DJ. Als der etatmäßige Stimmungsmacher bei einem Kinderfest auf dem Campingplatz in Neubruchhausen ausfiel, sprang Schumacher mit dem Cousin seiner Frau ein. Das war Mitte der 1990er-Jahre. Es folgten Anfragen aus dem Freundes- und Bekanntenkreis, sodass er sich nach und nach das Equipment angeschaffte hat. Als dann auch Gastronomen auf ihn aufmerksam wurden „und ich für die natürlich nicht schwarz arbeiten konnte“, hat Schumacher 2012 ein Gewerbe angemeldet.

In der Regel habe er eine ungefähre Vorstellung davon, welche Art von Musik er bei den Veranstaltungen spielen könne, sagt der DJ. Auf Schützenfesten etwa funktioniere die „Ballermann-Schiene“ ganz gut, also Musik von Micky Krause & Co. „Und bei einem 60. Geburtstag oder einer goldenen Hochzeit brauche ich keinen deutschen Rap auflegen.“

Um auf Nummer sicher zu gehen, führe er vor jedem Engagement Beratungsgespräche. In denen gehe es oft um die Frage: Was möchtet ihr nicht hören? „Und wenn dann Helene Fischer genannt wird, das kommt vor, dann ist die halt mal einen Abend nicht da, dann ist sie im Urlaub.“ Planen könne er seinen Auftritt trotzdem nicht. „Ich muss jedes Publikum neu lesen. Ich achte schon beim Sektempfang darauf, wob die Leute mitwippen.“ Zwischendurch müsse er ebenfalls reagieren können, allein schon wegen der Musikwünsche. „Die stehen an erster Stelle.“

Auf die Mischung kommt es an. Nach Interpreten wie Andrea Berg oder Wolfgang Petry gehe er über zu den 1990er-Jahren und lege davon drei Stücke auf. Dann kommen die 1980er, gefolgt von einem oder zwei Liedern aus der Neuen Deutschen Welle. „Nena und auch Peter Schilling kennt jeder, auch die Jugendlichen“, weiß Schumacher. Nicht anders verhalte es sich mit deutschen Schlagern. Niemand wolle Marianne Rosenberg kennen, das sei uncool. Aber den Text von „Er gehört zu mir“ könnten plötzlich alle mitsingen.

Musik in Wellen aus den einzelnen Epochen

„Musik in Wellen aus den einzelnen Epochen“ nennt Schumacher seine Strategie. „Aber wenn schon zum zweiten Lied aus den Achtzigern niemand tanzt, muss auch kein drittes kommen.“ Spiele ich noch einen Walzer? Warte ich noch mit den Rockklassikern? – je nach Publikum sind auch das Fragen, die dem DJ im Kopf herumschwirren.

Besonders beliebt laut Schumacher: Medleys mit mehreren Hits von Pur, den Flippers oder Wolfgang Petry am Stück. „Das kann man spielen, egal, wo man ist. Damit hat jeder sein Lieblingslied des jeweiligen Interpreten gehört.“ Der DJ selbst ist da zwiegespalten: „Eigentlich lege ich lieber fünf Songs von Wolfgang Petry auf als ein Stück mit fünf Liedern von ihm. Ich muss schließlich die Zeit überbrücken.“ Bis 2 oder 3 Uhr sei das kein Problem. „Danach spielt man dann Dinge, die man sonst nicht gespielt hätte. Da muss es auch mal eine B-Seite tun.“ Am liebsten trete er auf Feiern zum 50., 60. oder 70. Geburtstag auf. „Da geht es gesitteter zu“, begründet Schumacher.

Mehrmals habe er während des Lockdowns sein Equipment „im stillen Kämmerlein“ aufgebaut, sagt Schumacher, das sei bei ihm die Fensterfront im Wohnzimmer. Er habe sich mit neuer Musik beschäftigt und „in alles reingehört, was auf dem Markt ist“. Dann habe er Ordner mit neuen Chart-Hits sowie englischer und deutscher Musik angelegt. „Damit ich auf Veranstaltungen nicht so lange suchen muss.“

Und was hört der DJ, wenn es nicht um seinen Job geht, sondern um sein Privatvergnügen? „Das geht in eine ganz andere Richtung“, antwortet Schumacher und nennt das Beispiel Udo Lindenberg. „Viele sagen: Der kann gar nicht singen. Doch darauf kommt es mir gar nicht an. Seine Texte haben es in sich.“ Gleiches gelte für Westernhagen oder Grönemeyer. „Wenn ich ,Mensch‘ von Grönemeyer höre, dann möchte ich nicht wissen, wie viele Tränen da beim Schreiben des Textes geflossen sind, das sieht niemand.“

Information

E-Mail: info@djharald.de,

Handy: 0171 / 6938564,

schumismusikbox.de

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