Eine Rakete nach Seckenhausen?

Cora Buhlert zum zweiten Mal für Science-Fiction-Preis Hugo nominiert

Die Autorin Cora Buhlert lehnt an einem Bücherregal.
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Für internationalen Preis nominiert: Cora Buhlert mit einem kleinen Teil ihrer Bücher-Sammlung

Mit ihrem Blog ist die Stuhrer Autorin Cora Buhler für den international renommierten Hugo-Award nominiert – als erst zweite Deutsche und zum zweiten Mal in Folge.

Seckenhausen – Cora Buhlert bloggt – das muss man das in Zeiten von Twitter, Instagram und Co. möglicherweise erklären: Blog ist eine Wortkreuzung aus Web und Logbuch. Und wer bei Logbuch an die Enterprise-Kapitäne James T. Kirk oder Jean-Luc Picard denkt, ist bei Cora Buhlert auf der richtigen Spur.

Schließlich schreibt sie auf ihrem eigenen Blog über Science-Fiction, Fantasy und Artverwandtes. Seit einiger Zeit außerdem auf der Webseite galacticjourney.org. Sie rezensiert Filme, Serien und Literatur, führt Interviews mit Kollegen. Und zwar immer auf Englisch, aus Fan-Perspektive.

Zweite Nominierung in Folge

Mit ihren Einträgen hat die Stuhrer Autorin sich nicht nur eine diskussionsfreudige internationale Leserschaft erschlossen. Seit vergangenem Jahr darf sie sich auch Hugo-Preis-Finalistin nennen. Nur eine weitere Person aus Deutschland kann das mit Recht von sich sagen.

Vielleicht muss die Bezeichnung Ende des Jahres in „Hugo-Preisträgerin“ umgewandelt werden. Denn seit Ende März weiß Buhlert: Sie ist zum zweiten Mal in Folge nominiert.

Was ist der Hugo?

Der Hugo Award, einer der weltweit wichtigsten Science-fiction-Preise, wird seit 1953 jährlich vergeben. Zu den Gewinnern der raketenförmigen Trophäe zählen Literatur-Klassiker, die spätestens durch Verfilmungen einem Millionenpublikum bekannt geworden sind. Joanne K. Rowling etwa hat einen Hugo. Genauso „Der Wüstenplanet“ von Frank Herbert, Robert A. Henleins „Starship Troopers“ oder „The Man in the High Castle“ von Philip K. Dick, auf dem die Amazon-Serie basiert.

Wie beim Oscar, wo „bester Film“ ganz vorne rangiert, ist der Hugo für den besten Roman sicherlich mit dem größten Renommee verbunden. Buhler ist in der – im Vergleich kleineren – Kategorie „Best Fan Writer“ nominiert, als eine von sechs schreibenden Fans.

Über Star Trek und Co. zum Fan

„Natürlich hätte ich gerne die Rakete“, sagt die 48-Jährige über den Preis. Aber sie kennt und schätzt ihre Mitnominierten und würde sich für jeden von ihnen freuen. „Über eine Kategorie freundet man sich an“, erzählt sie.

Wenn man mit Cora Buhlert über Science-Fiction-Literatur im Allgemeinen und die Hugo-Awards im Besonderen spricht, wird deutlich, warum die überzeugten Fans als Community, Gemeinde also, gelten.

„Ich bin Fan, seit ich im Fernsehen ,Star Trek‘, ,Captain Future‘ und ,Raumpatrouille Orion‘ gesehen habe“, erzählt sie. Als Teenager habe sie dann gemerkt: „Es gibt ja Bücher, die sind genau wie die Filme, die du magst.“ Allerdings gab es die nur auf Englisch und mussten mit dem Wörterbuch entziffert werden. Später kam ein Anglistik-Studium hinzu. Heute arbeitet Buhlert hauptberuflich als Übersetzerin.

Preisverleihung auf Worldcon-Kongress

Der Preis wird jährlich auf der Science-Fiction-Zusammenkunft Woldcon vergeben. 2017 in Helsinki und 2019 in Dublin war Buhlert selbst dabei. Bei einer Preisverleihung habe sie neben einer „echten Nasa-Astronautin“ gesessen. „Eine extrem freundliche, nette Gemeinschaft“, lautet Buhlerts Fazit.

Wenn Buhlert über die Preisträger vergangener Jahre oder die aktuellen Nominierungen spricht, dann sagt sie statt „es gibt“ meistens „wir haben.“ Etwa mit Blick auf die Jahre seit 2010/2011: „Wir haben wesentlich mehr Frauen.“ Den Namen der nigerianisch-amerikanischem Schriftstellerin Nnedi Okorafor, einer Gewinnerin von 2017, kann sie dem Reporter aus dem Stegreif in den Block diktieren.

Eintreten für Diversität

Die Finalisten für den besten Roman sind 2021 erstmals allesamt Finalistinnen. In den letzten Jahren habe ein demografischer Wandel eingesetzt, erklärt Buhlert. Mehr Vielfalt fordert Buhlert auch auf ihrem Blog ein. Ihr Eintrag zu den diesjährigen Finalisten enthält einen „diversity count“, einen Diversitäts-Zähler.

Dass das Feld weiblicher, internationaler geworden ist und, wie Buhlert sagt, „nicht mehr nur aus Heteros“ besteht, dass oft zukünftige Klassiker prämiert werden: Das basiert beim Hugo auf einem offenen Abstimmungs-System. Stimmberechtigt für die Nominierungen und die Gewinner ist, wer zumindest Fördermitglied des jährlichen Worldcon-Kongresses ist. Also im Prinzip jeder.

Eine Rakte nach Seckenhausen?

Der Worldcon wurde im vergangenen Jahr pandemiebedingt nur virtuell abgehalten. 2021 gibt es eine abgespeckte Präsenz-Veranstaltung in Washington D.C., die vom August in den Dezember verlegt wurde. Wegen der Nähe zu den Feiertagen wird Buhlert auch dieses Jahr nur virtuell teilnehmen. Aber vielleicht kommt wenig später ein Paket mit Rakete ins Haus.

Cora Buhlert im Netz

corabuhlert.com/

galacticjourney.org/author/corabuhlert/

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