Interview: Einmal Brocken und zurück

Zwei junge Radsportler fahren 510 Kilometer für guten Zweck

Fabian Wiemann und Joshua Kanarski fahren auf ihren Rennrädern auf dem Radweg neben einer Landstraße.
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Die Tour haben sie sich selbst eingebrockt: Fabian Wiemann (r.) und Joshua Kanarski.

Zwei junge Radsportler sind vergangenes Wochenende 510 Kilometer am Stück gefahren: von Bremen zum Brocken und zurück. Ihre Challenge haben sie mit einer Spendenaktion verbunden.

Fahrenhorst – Innerhalb von 24 Stunden vom Bremer Weserwehr bis zum Brocken und zurück. Das sind 510 Kilometer. Dies wollte Joshua Kanarski aus Fahrenhorst mit zwei Freunden am Wochenende schaffen – als selbstgesetzte Challenge (zu Deutsch: Herausforderung). Verbunden haben sie die Tour mit einem Spendenaufruf an die Deutsche Kinderkrebsstiftung. Weil ihr dritter Mitfahrer kurzfristig krank ausgefallen war, waren Joshua Kanarski und der Münsteraner Fabian Wiemann, beide 19 Jahre und frischgebackene Abiturienten, zu zweit gestartet.

Am Mittag danach trafen sie sich mit der Kreiszeitung und sprachen über ihre Erlebnisse. Die Fragen stellte Dierck Wittenberg.

Wie schwer sind die Beine?

Joshua Kanarski: Kein Sport für die nächsten Tage, oder?

Fabian Wiemann: Auf keinen Fall. Bei mir sind die Knie das Problem. Bei Joshua die Handgelenke – vom Lenker.

Wann seid Ihr morgens wiedergekommen?

Wiemann: 2 Uhr?

Kanarski: Ja, es war kurz vor 2 Uhr. 18 Stunden Fahrtzeit, glaube ich. Und dann 20 Stunden und 30 Minuten Gesamtzeit.

Wiemann: Also mit Pausen und allem.

Das heißt, die Challenge habt Ihr gemeistert?

Beide: Ja.

Wie fühlt sich das jetzt an?

Kanarski: Gut. Auf jeden Fall erleichtert.

Und der Ablauf? Ihr seid frühmorgens am Weserwehr gestartet. Was für eine Route habt Ihr dann genommen?

Wiemann: Es gibt eine Internetseite, die heißt „Bremen-Brocken-Bremen – selbst eingebrockt“, und da ist die Challenge vorgegeben. Bei der App Komoot findet man dann diese Strecke.

Was für Zeiten werden da gefahren?

Kanarski: Wir sind jetzt, glaube ich, Platz 6 von 50.

Also kann man sich auch vergleichen?

Wiemann: Ja. Und man wird angeschrieben, wenn man es innerhalb von 24 Stunden schafft. Schneller ist immer besser.

Die App gibt also die Challenge vor?

Kanarski: Es gibt noch eine App, Strava. Da laden Radfahrer ihre Zeiten hoch. Das ist der Wettkampf-Teil: Dass man sich, wenn man alleine fährt, vergleichen kann. In diesem Fall schickt man einen Link an die Betreiber und die stellen das dann rein.

Wie viele Pausen habt Ihr eingelegt?

Kanarski: Ich glaube, fünf.

Aber nur kurz, um etwas zu essen und zu trinken?

Kanarski: Nie länger als 10, 20 Minuten.

Dann habt Ihr zwischendurch am Imbiss angehalten oder wie muss man sich das vorstellen?

Kanarski: Was super nett war: Mein Vater hat sich bereit erklärt, mit dem Auto mitzufahren. Der hatte Wasser dabei. Nach 150 Kilometern hatten wir das erste Mal Wasser. Dann hatten wir für jeden zwei Liter Cola für den Notfall und ganz viel Essen dabei.

Die Cola gegen das Unterzuckern?

Kanarski: Ja. Und wir hatten von Stadler als Spende in letzter Minute diese Riegel bekommen (zeigt auf einen Energie-Riegel). Die haben wir fast nur gegessen. Die haben uns richtig durchgebracht. Mein Vater hatte Bananen und Süßigkeiten dabei, das war auch gut. Weil: Irgendwann macht der Magen nicht mehr mit. Aber Süßigkeiten, Gummibärchen, gehen irgendwie immer.

Was war der schwierigste Teil der Strecke?

Kanarski: Also die ersten 150 Kilometer waren die entspanntesten. Als wir im Harz angekommen sind, mussten wir den Gipfel hoch, dann wieder runter und dann noch den zweiten Gipfel gegenüber hoch. Das war nervig, weil es immer wieder hochging und nie aufgehört hat. Und die letzten 100 Kilometer waren mit der Müdigkeit ein Problem.

Wiemann: Weil es schon dunkel war, musste man sich noch mehr konzentrieren.

Waren die Berge eine besondere Herausforderung, weil man das als Flachland-Norddeutscher nicht gewohnt ist?

Wiemann: Die kleinen Wellen vor dem Brocken fand ich persönlich schwieriger als den langen Anstieg. Und den Berg runter kann man sich ja wieder einigermaßen erholen.

Was geht einem bei den letzten Kilometern durch den Kopf?

Kanarski: Schmerzen? (beide lachen) Die Hände sind aufgescheuert. Ich hatte mich am Vortag beim Reifenaufziehen ein bisschen verletzt. Das hat gescheuert, weil man immer am Lenker ist. Und dann die Knöchel, Beine, das Sitzen – immer wieder aufstehen, aus dem Sattel gehen.

Aber es hilft schon, wenn man das nicht alleine fährt?

Kanarski: Ja.

Wiemann: Ich glaube, alleine ist das fast unmöglich. Auch bei der Dunkelheit.

Habt ihr eigens dafür trainiert?

Kanarski: Ich glaube, wir haben nicht richtig dafür trainiert. Also wenn man sieht, mit welchem Tempo die Erstplatzierten da durch sind. Das Längste, was wir bisher gefahren sind, waren 200 Kilometer. Das war bei mir vor drei Wochen.

Wiemann: Bei mir ist das schon ein bisschen länger her.

Kanarski: Ich versuche, immer zehn Wochenstunden hinzukriegen, weil ich das mental brauche. Es wurde nicht viel mehr trainiert als sonst.

War der Hintergrund der Aktion, dass Ihr beide im Radsport-Verein seid und wegen Corona nicht viel möglich war?

Wiemann: Wegen Corona sind die meisten Rennen ausgefallen. Da war das hier schon ein ganz gutes Alternativprogramm.

Ansonsten ist Radfahren ein Sport, den man selbst im Lockdown noch gut betreiben kann, oder?

Kanarski: Also im Freundeskreis war ich der Einzige, der komplett normal weitergemacht hat.

Wiemann: Die, die Fußball spielen, haben jetzt eineinhalb Jahre fast gar nichts gemacht. Beim Radfahren war man relativ uneingeschränkt.

Wie seid Ihr darauf gekommen, die Tour mit einer Spendenaktion zu verbinden?

Wiemann: Im Winter bin ich ein „Everesting“ gefahren, da fährt man quasi die Höhenmeter des Mount Everest rauf. Da habe ich gedacht, dass man so was gut mit einer Spendenaktion verbinden könnte, weil es so viel Feedback gab. Dann hatte Joshua die Idee mit der 510-Kilometer-Tour und wir haben gedacht: Das passt ganz gut.

Und warum die Kinderkrebsstiftung?

Kanarski: Wie war das? Es gibt ja nicht so viele Möglichkeiten. Und dann haben wir geguckt, wo das am einfachsten wäre mit dem Spendensammeln. Nicht viele Organisation bieten an, das man über Paypal spenden kann. Das ist aber einfacher für die Leute, die spenden wollen.

Wie war die Resonanz bisher?

Wiemann: Ich hätte nicht gedacht, dass da so viel zusammenkommt.

Kanarski: 835 Euro war das Letzte, was ich gesehen habe. Vor allem: Bevor wir losgefahren sind, waren schon fast 300 Euro zusammen. Das hat auch noch mal richtig Schub gegeben. Bei den ganzen Unterstützern würde ich mich auch gerne noch bedanken. Das ist doch schon ganz schön viel gewesen an Einzelspenden – oder von meinem Jahrgang. Ich habe das an die Whatsapp-Gruppe von meinem Jahrgang geschickt und da haben ein paar Leute direkt gespendet. Das ist echt toll, wie viele da geholfen haben.

Und Ihr habt das gleichzeitig bei Instagram begleitet?

Kanarski: Ja, wir haben hin und wieder etwas in der Story gepostet. Ich habe mehr geredet, Fabian hat mehr Bilder gemacht.

Habt Ihr vor, so etwas noch einmal zu machen?

Wiemann: Dieses Jahr, glaube ich, nicht. Aber das kann man bestimmt irgendwann wiederholen.

Kanarski: Auf dem Rad ging das alles noch. Aber jetzt sagt man sich doch: Das dauert noch, bis wir das wieder machen.

Die Spendenaktion

Die Aktion läuft noch bis Sonntag, 18. Juli. Unter www.kinderkrebsstiftung.de/spenden-helfen/spendenaktion/?cfd=mjwwz#cff können Interessierte Spenden abgeben. Den Tourenverlauf gibt es unter: www.komoot.de/tour/196279687

Kurze Erfrischung: Getränke hatte Kanarskis Vater im Auto dabei.

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