Verwahrentgelte

Stuhr zahlt fürs Geld

Haupteingang der Oldenburgischen Landesbank-Filiale in Syke.
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Ob Sparkasse, OLB oder Volksbank: Komplett ohne Risiko gibt es keine Zinsen mehr – außer Negativzinsen.

Freibetragsgrenzen bei Geldäusern sinken und die Kosten für Bankguthaben der Gemeinden steigen.

Stuhr – Geld auf dem Konto kostet heutzutage Geld. Daran wurde jüngst die Gemeinde Stuhr während einer Sitzung des Finanzausschusses erinnert. Für das laufende Haushaltsjahr plant der Gemeinde-Kämmerer Christoph Richter mit rund 100 000 Euro an sogenannten Verwahrentgelten. Das ist der Preis, den die Verwaltung zahlen muss, damit die Gemeinde Geld auf den Konten von Banken hat – und der erhöht sich seit Anfang Mai stufenweise. „Die Summe ist auch abhängig von den auf den Bankkonten täglich vorhandenen Mitteln“, so der Kämmerer.

Das Guthaben der Gemeinde – immerhin rund 21,33 Millionen Euro mit Stand Ende März 2021 (wir berichteten) – liegt laut Kämmerer Richter verteilt bei drei örtlichen Banken auf der hohen Kante: bei der Oldenburgischen Landesbank, der Kreissparkasse sowie der Volksbank.

Die Höhe der Entgelte richtet sich grundsätzlich nach dem Leitzins. Das ist der Betrag, den Geschäftsbanken, wie die drei eben genannten, an die Europäische Zentralbank (EZB) in Frankfurt/Main zahlen müssen, um dort ihrerseits Geld zu lagern. Aktuell beträgt der Preis dafür minus 0,5 Prozent – auch Negativzinsen genannt. Erstmals führte die EZB im Juni 2014 einen solchen Zinssatz mit minus 0,1 Prozent ein. „Dieser Zins wird nach und nach an die Kunden weitergegeben“, berichtet der Gemeinde-Kämmerer.

Geldhäuser passen Konditionen an

Steffen Bußmann, Abteilungsleiter des Vorstandssekretariats der Kreissparkasse (KSK) Syke, weißt zudem auf die Notwendigkeit der Änderung in den Vereinbarungen mit allen betroffenen Kunden hin, damit die Banken kostendeckend arbeiten können. „Wir erheben bei gewerblichen Kunden seit November 2019 ein Verwahrentgelt.“ Aktuell beträgt der Freibetrag für gewerbliche Kunden 200 000 Euro und der Zinssatz auf Bankguthaben liegt bei minus 0,5 Prozent. Wie viel genau die Gemeinde Stuhr zahlt, unterliegt dem Bankgeheimnis.

Nach den jüngsten Änderungen plant die KSK zunächst „weder Absenkungen der Freibeträge noch Anpassungen der Zinssätze. Das können wir aber für die Zukunft nicht ausschließen“, so Bußmann. Die Banken stehen im Wettbewerb und reagierten auf das Marktumfeld.

Kunden haben keine Alternative

Langjährige Geschäftsbeziehungen will die Kreissparkasse dabei nicht vor den Kopf stoßen und bemühe sich um Einvernehmen. Anders die Sparkasse Düsseldorf. Laut Bußmann fuhr diese eine ganz andere Linie. Dort sei das Kundengeld auf ein Amtsgerichtskonto eingezahlt worden, bis die angepassten Entgelte beglichen wurden. Sollten Kunden gar nicht mit den neuerlichen Bedingungen einverstanden sein, müssten Banken im schlimmsten Fall Kundenverbindungen trennen.

„Keine Minuszinsen ohne Beratung“, sagt Marc Tetzlaff. Laut des Bereichsleiters der Volksbank-Filiale in Bassum, senkt das Geldhaus seit Mai schrittweise die vormaligen Freibeträge für gewerbliche Kunden in Höhe von 500 000 auf 200 000 Euro.

Die Niedrigzinsphase ist vorbei und wird nun auf die Kunden – beziehungsweise auf uns – runtergebrochen.

Christoph Richter, Kämmerer der Gemeinde Stuhr

Für die Gemeinde Stuhr bleibt die Finanzmarkt-Entwicklung der letzten Jahre indes nicht folgenlos. „In den letzten Wochen haben sich die Rahmenbedingungen geändert. Die Freibetragsgrenzen für die Gemeinde wurden und werden reduziert“, beschreibt Kämmerer Richter die Lage. Stuhr habe insgesamt einen relativ hohen Freibetrag. Er liegt „höher als bei Privaten“, hält sich der Kämmerer bedeckt. Das richte sich auch nach der Größe der Gemeinde. Das letzte Jahr sei laut Richter für Stuhr relativ stabil gewesen. Es gab keine Änderungen der Zinsen oder Freibeträge. Doch: „Die Niedrigzinsphase ist vorbei und wird nun auf die Kunden – beziehungsweise auf uns – runtergebrochen“.

Tresore im Rathauskeller für die Lagerung der Gemeinde-Bankguthaben wird es jedoch auch in Zukunft nicht geben. „Das ist kein Thema, da geht es auch um Versicherungsschutz“, so Kämmerer Richter.

Gemeinde Stuhr will kein Risiko eingehen

Alternative Geldanlagen? „Komplett ohne Risiko gibt es keine Zinsen“, sagt Sparkassenleiter-Bußmann. „Eine Alternative bei Anlageoptionen müsse auf den Kunden passen“, so Volksbank-Filialleiter Tetzlaff. Infrage kommen dabei der Wertpapierbereich, Fonds- sowie Versicherungsbereiche. Risikoreiche Anlagemodelle möchte die Gemeinde Stuhr hingegen ausdrücklich nicht eingehen. Die Insolvenz der Greensill Bank sei ein mahnendes Beispiel, so Kämmerer Richter. Dutzende öffentliche Kunden wie Gemeinden und Städte hatten bei der mittlerweile insolventen Bremer Bank in hoch verzinste – also risikoreichere – Anlagemodelle investiert. Die Gemeinde Stuhr wolle auch deshalb weiterhin auf weniger profitable, aber wesentlich sicherere Anlageformen vertrauen, so die Gemeinde Stuhr auf Anfrage.

„Früher gängige Sparprodukte sind heute nicht mehr attraktiv und werden zum Teil auch gar nicht mehr angeboten, sagt Sebastian Haarbauer, Leiter des Bremer Filialgebiets der Oldenburgischen Landesbank. Bei der Bank gibt es laut Haarbauer seit Januar 2020 ein Verwahrentgelt in Höhe von 0,4 Prozent für Bestands- und Neukunden. „Ab 1. Juni 2021 gilt der Satz von 0,5 Prozent berechnet bei allen Kontomodellen auf den monatlich durchschnittlichen Habensaldo.“ Bei kleinen und mittelständischen Firmenkunden sowie Freiberuflern gelte das Entgelt nach einer Mitteillung der Bank ab einer Höhe von mehr als 500 000 Euro auf dem Konto, bei Unternehmenskunden gilt die Grenze von 2,5 Millionen Euro.

Welche Aussichten gibt es nun für öffentliche Hand? „Für die Zukunft ist die Gemeinde abhängig vom Gesamtmarkt“, sagt Kämmerer Richter. Sofern sich das Zinsniveau nicht wieder erhöhen sollte, dürften auch auf kommunaler Ebene die Verwahrentgelte nicht entfallen.

Mahnendes Beispiel: Greensill Bank

Dutzende öffentliche Kunden wie Gemeinden und Städte hatten Steuerzahlergeld bei der mittlerweile insolventen Bremer Bank in hoch verzinste – und damit risikoreiche – Anlagemodelle investiert. Die Gemeinde Stuhr will auch deshalb laut Kämmerer Christoph Richter weiterhin auf weniger profitable, aber wesentlich sicherere Anlageformen vertrauen.

Volksbank-Filiale Syke
Kreissparkasse Syke

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