Gemeinde lehnt den Antrag von „Gemeinsam leben“ ab

Aus für das Wohnprojekt an der Moordeicher Landstraße

Die Homepage des Vereins „Gemeinsam leben in Stuhr“.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Der Antrag von „Gemeinsam leben in Stuhr“ auf eine Bauleitplanung an der Moordeicher Landstraße ist abgelehnt. Dort, auf dem Grundstück von Antragsteller Gino Jerkovic, wollte der kürzlich gegründete Verein sein generationsübergreifendes Wohnprojekt verwirklichen (wir berichteten). Als Grund für die Absage führt Stadtplaner Christian Strauß „die Summe der Probleme“ an.

Am Engagement der Mitglieder habe die Entscheidung des Verwaltungsausschusses nichts geändert, wie die stellvertretende Vorsitzende Dagmar Bischof auf Nachfrage berichtet. „Jetzt erst recht“ – so beschrieb sie die Stimmung während der Mitgliederversammlung am Mittwochabend. 45 Personen waren dazu in das Rathaus gekommen.

Die Gründung dreier Arbeitskreise zur Präzisierung des Vorhabens dokumentiert diese Einstellung. Die Gruppen sollen sich um die Themen „Philosophie und Kriterien für Wohnungen in der Genossenschaft und bezahlbarer Wohnraum“, „Lastenheft für Wohnprojekte – Anforderungen an die Grundstücke, die Wohnanlage und Wohnungen“ sowie „Finanzierung und Fördermittel“ kümmern. Ansprechpartner sind in dieser Reihenfolge Dörte Timm, Hans-Jörg Becker und Dagmar Bischof, die auch auf den neuen Internetauftritt unter www.gemeinsamlebeninstuhr.de aufmerksam macht.

Bürgermeister Niels Thomsen spricht gegenüber dieser Zeitung von einem „total wichtigen Schritt“. Wer bekomme den Zuschlag, wenn es 20 Wohnungen für 200 Bewerber gebe? Was bedeute überhaupt bezahlbarer Wohnraum? Solche und weitere Fragen seien zu klären.

Nicht gegen Projekt 

Während der Versammlung hatte Thomsen betont, dass die Ablehnung eines Wunsches nicht die Ablehnung des Wohnprojekts bedeute. Doch die Gemeinde entwickle sich mit den Festsetzungen, die der Flächennutzungsplan enthalte. „Und der F-Plan sieht ein solches Projekt nicht vor. Punkt.“ Ohnehin verfüge die Gemeinde zurzeit nicht über Flächen für ein solches Vorhaben. Sollte das einmal der Fall sein, spiele die Ausgestaltung des Wohnprojekts eine wichtige Rolle. Deshalb sei es „unverzichtbar“, dass der Verein Arbeitsgruppen und Kriterien bilde.

Zu den vielfältigen Gründen der Ablehnung zählt laut Strauß auch die „sehr schwierige“ Erschließungssituation, die nur mit Grundstückserwerb zu lösen sei. Das größte Problem ist nach Auskunft des Stadtplaners, dass die ins Auge gefasste Fläche im Überschwemmungsgebiet liege. Grundsätzlich stehe der Hochwasserschutz dem Vorhaben zwar nicht im Weg. Doch vor Jahren hatte zum Beispiel Aldi ebenfalls einen Standort an der Moordeicher Landstraße ins Auge gefasst und eine Absage von der Gemeinde kassiert, weil Teile der Fläche in das Überschwemmungsgebiet hineingereicht hätten.

Es gelte der Grundsatz der Gleichbehandlung. Um davon abzuweichen, sei das öffentliche Interesse für das Mehrgenerationenprojekt nicht deutlich größer. „Außerdem: Wie verfährt man dann mit Leuten, die in der Folge mit gleichrangigem Interesse ebenfalls auf Flächen im Überschwemmungsgebiet abzielen?“, fragt Strauß.

Gegen das Projekt an dieser Stelle, also im Außenbereich, spreche auch ein Grundsatz der Raumordnung, wonach die Innenentwicklung Priorität hat. Mit einer Abrundung des Siedlungsbereichs habe das Vorhaben nichts zu tun.

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