Tiere sterben auf „unschöne“ Art und Weise

Wilderei in Stuhr: Vogel und trächtige Ricke erschossen

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Die gerade erst geschlüpfte Amsel wurde von dem sechs Zentimeter langen Pfeil eines Blasrohrs getroffen.

Stuhr - Von Andreas Hapke. „Unschöne Vorfälle“ wurden der Gemeinde nach Auskunft ihres Umweltbeauftragten Marc Plitzko in jüngster Zeit gemeldet. Zum einen sei ein gerader entschlüpfter Jungvogel mit dem rund sechs Zentimeter langen Pfeil eines Blasrohrs tödlich getroffen, zum anderen eine Ricke geschossen worden.

Insbesondere die Wilderei in den Kladdinger Wiesen sei „an Rohheit kaum zu überbieten“, sagt Plitzko. Die Ricke sei mit zwei Kitzen trächtig gewesen und ausgeweidet worden. 

In diesem Fall greife der Paragraf 292 des Strafgesetzbuches, der sich mit Jagdwilderei befasst. Demnach muss der Täter wegen der Verletzung fremdem Jagdrechts oder Jagdausübungsrechts mit einer drastischen Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe rechnen. In besonders schweren Fällen beträgt die Freiheitsstrafe sogar bis zu fünf Jahren. 

Ein besonders schwerer Fall liegt unter anderem vor, wenn die Tat in der Nacht- oder in der Schonzeit passiert. „Das war in der Schonzeit, außerdem war das Tier trächtig“, stellt Plitzko fest. Deshalb gehe er von einem besonders schweren Verbrechen aus.

Tierschutzgesetz kommt nicht zum Tragen

Das Tierschutzgesetz kommt bei der Wilderei nicht zum Tragen, da das Jagdrecht vor dem Tierschutz steht. Im Fall des getöteten Singvogels, einer Amsel, stellt sich die Situation anders dar. Mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe muss nach dem Tierschutzgesetz rechnen, wer ein Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet oder ihm erhebliche Schmerzen oder Leiden zufügt.

Eine Bewohnerin hatte das von dem Pfeil durchbohrte Tier am Friedhof in Brinkum gefunden, dies zur Anzeige gebracht und parallel der Gemeinde gemeldet. „Die Blasrohrpfeile stellen auch eine Gefahr für andere Tiere und Menschen dar“, sagt Plitzko. In Süddeutschland etwa mussten Enten von Jägern getötet werden, nachdem sie von Blasrohrpfeilen getroffen worden waren. „Sie hätten nur noch unter Qualen weiterleben können.“

Plitzko bittet um Hinweise der Bewohner

Der Umweltbeauftragte bittet unter der Telefonnummer 0421/56 95 351 um Hinweise aus der Bevölkerung, sollte jemand eine solche Straftat beobachten. Gleiches gelte für die Wilderei, die laut Plitzko bis zum jüngsten Vorfall schon länger nicht mehr vorgekommen ist. Ob der betreffende Jagdpächter diese Tat angezeigt hatte, konnte der Rathausmitarbeiter gestern nicht sagen. Der Mann befinde sich im Urlaub.

Lesen Sie auch: Anleinpflicht missachtet. Hunde hetzen trächtiges Reh zu Tode. Die Kitze haben keine Chance.

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