Vortrag der Reihe „werkstatt erziehung“

Warum Eltern gelassener werden müssen

Dirk Lehrke-Alpers ist morgen in der Reihe „werkstatt erziehung“ zu Gast in Brinkum.

Stuhr - Zum letzten Vortrag der Reihe „werkstatt erziehung“ in diesem Jahr laden die Ambulanten Kinder- und Jugendhilfen Stuhr für morgen in das Lesecafé der Bibliothek an der Jupiterstraße 1 in Brinkum ein. Dirk Lehrke-Alpers spricht ab 19.30 Uhr zum Thema „Was ist Liebe? – Die Ergebnisse der Bindungsforschung für unsere Beziehungen zu unseren Kindern und Partnern“. Lehrke-Alpers ist unter anderem Psychologe sowie Kinder-, Jugend- und Familientherapeut. Als solcher ist er in der Paar-, Elteern- und Familienberatung ebenso aktiv wie in der Weiterbildung von Mitarbeitern in Kindertagesstätten. Mit ihm sprach Redakteur Andreas Hapke.

Herr Lehrke-Alpers, Sie beraten auf der Grundlage von gleichwürdigen Beziehungen. Der Begriff taucht nicht im Duden auf. Was verstehen Sie darunter?

Dirk Lehrke-Alpers: Den Begriff hat der dänische Familientherapeut Jesper Juul im Vergleich zur Gleichberechtigung geprägt. Zwischen Eltern und Kindern geht es nicht um die gleichen Rechte, sondern um die gleiche Würde, und zwar von Anfang an. Die Säuglingsforschung zeigt, dass Kinder schon in diesem Alter in Kontakt zu den Menschen treten, speziell natürlich zur Mutter. Schon dann muss die Haltung der Eltern die sein, dass die Würde gleich ist.

Nun ist der Alltag vieler Eltern eng getaktet, oft müssen Kinder dafür funktionieren. Steht das nicht im Widerspruch zu Ihrem Ansatz?

Lehrke-Alpers: Überhaupt nicht. Wenn ich bei meinen Kindern Dinge erlebe, die ich nicht gutheiße, muss ich einfach gelassener damit umgehen. Das ist vielleicht sogar der Geheimtipp. Kinder lernen, wie wir sind; was wir ihnen vorleben, auch als Paar; ob es eine Zusammenarbeit oder keine Zusammenarbeit gibt. Die gleiche Würde ist nicht von äußeren Dingen abhängig, auch wenn die sich permanent in den Alltag einhaken. Wenn ein Kind nicht funktioniert, ist in der Familie etwas nicht in Ordnung. Darauf möchte ich aufmerksam machen.

Mit welchen Problemen kommen die Leute am häufigsten zu Ihnen, was die Beziehung zu Kindern angeht?

Lehrke-Alpers: Meistens sind es Sachen wie: Ein Kind hat heftige Wutausbrüche, sodass sich die Eltern fragen: Wie kann es weitergehen? Das geht bis hin zur Suspendierung von der Schule. Dann kommen Paare zu mir, die unzufrieden sind, weil sie unterschiedliche Vorstellungen von Erziehung haben. Das kommt noch von früher, als es hieß: „Ihr müsst an einem Strang ziehen.“ Dabei profitieren Kinder davon, dass es unterschiedliche Vorstellungen von Erziehung gibt.

Müssen sich die Eltern neu erfinden?

Lehrke-Alpers: Nein, sie müssen sich lediglich finden. Sie müssen sich selbst besser kennen, zu ihren Fehlern stehen, für sich und ihr Handeln Verantwortung übernehmen. Und sie müssen entschleunigen, denn sie nehmen andere Familienmitglieder sehr wohl mit ihren Bedürfnissen wahr, gehen aber nicht darauf ein. Das ist, als würde ich auf der Autobahn unterwegs sein. Da kümmere ich mich auch nicht darum, was rechts und links passiert.

In der Pressemitteilung ist von einem „Kitt“ die Rede, der die Familie zusammenhält. Woraus besteht der denn?

Lehrke-Alpers: Das geht es zum Beispiel um Bindungshormone. Ich werde meine Eltern nie vergessen, ich werde meinen Partner nie vergessen. Wir alle machen Bindungserfahrungen in der Kindheit. Generell möchte ich aufzeigen, dass zu diesem Thema geforscht wurde. Ich werde von den Ergebnissen berichten.

Ihre Beratungen umfassen mehrere Sitzungen, eine Therapie ist naturgemäß noch länger. Was können die Besucher Ihres Vortrags mit nach Hause nehmen?

Lehrke-Alpers: Sie bekommen von mir eine klare Botschaft mit auf den Weg: Kümmert euch um eure Paarbeziehung! Viele Paare denken: „Jetzt sind Kinder da, das ist erstmal wichtig. Später sind wir wieder dran.“ Doch das ist der Punkt, an dem die meisten Trennungen passieren. Die beiden wissen nicht mehr, was sie miteinander anfangen sollen. Zeit und Aufmerksamkeit füreinander ist kein Tipp, sondern lebenswichtig. Ich werde nicht nur vortragen, sondern bin auch neugierig auf Fragen.

Können Sie eigentlich immer helfen, oder stoßen Sie auch an Ihre Grenzen?

Lehrke-Alpers: Die größte Hilfe ist es, verstanden zu werden. Nur dann ist es möglich, dass der, der Hilfe sucht, über seinen Schatten springt. Meine Sicherheit gebe ich erst auf, wenn jemand mich und meine Sichtweise erkennt.

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