Olaf Varlemann

Ex-Stuhrer Unternehmer zahlt 9.000 Euro Corona-Soforthilfe freiwillig zurück

Ganze 9.000 Euro Krisen-Unterstützung bekam der Finanzierungs-Experte Olaf Varlemann vom Bund. Doch der Unternehmer zahlte die ganze Summer zurück.

  • Der in Stuhr aufgewachsene Olaf Varlemann gerät in Panik.
  • Die Coronavirus-Pandemie bringt sein Geschäftsmodell plötzlich zum Erliegen.
  • Er bekommt Soforthilfe – doch die rührt er gar nicht an.

Stuhr / Mollhagen – Wie geht es weiter? Olaf Varlemann gerät in Panik, als der Lockdown im Zuge der Coronavirus-Pandemie sein Geschäftsmodell zunächst zum Erliegen bringt. Der in der Gemeinde Stuhr aufgewachsene Kaufmann macht sich plötzlich große Sorgen. „Da war von einem Tag auf den anderen Feierabend“, erinnert er sich an den Tag, ab dem das Telefon still stand – und das für mindestens zwei Wochen.

Der bei der Volksbank Stuhr ausgebildete Bankkaufmann ist seit 1995 selbstständig, er arbeitet als freier Vermittler für Immobilienfinanzierungen. Seit 1995 lebt und arbeitet er in Mollhagen, also im Speckgürtel östlich von Hamburg. Er hat sich in den vergangenen Jahren auf ein bestimmtes Kundenklientel spezialisiert und hilft in erster Linie Deutschen, die im Ausland leben, bei der Finanzierung von Immobilien in ihrer Heimat.

Corona-Lockdown: Telefon steht beim Ex-Stuhrer still

„Das gestaltet sich nämlich schwierig, wenn die Leute im Ausland leben und arbeiten und ihnen das Gehalt nicht in Euro ausgezahlt wird.“ Dann, so der Kaufmann, spielten die Hausbanken häufig nicht mit. Um die Finanzierungen aber dennoch zu verwirklichen, ist ein größerer Aufwand erforderlich, und genau den bewältigt der 53-Jährige für seine Kunden. Und zwar unter dem Dach eines „lockeren Verbundes“ von selbständigen Kollegen bundesweit. Eben diesen Verbund „Baufi-Nord“ managt Varlemann zusätzlich.

Im März also der Lockdown – und plötzlich ist es den potenziellen Kunden nicht mehr möglich, für erforderliche Immobilienbesichtigungen oder die Unterschrift bei Notar oder Bank nach Deutschland zu kommen. Und wenn, dann sind die Termine von deutlichen Beschränkungen beeinflusst. „Also stand das Telefon anfangs still, über das sich bei mir täglich 20 bis 30 Interessenten melden.“

Soforthilfe nach knapp drei Wochen auf dem Konto

Bei ihm keimt also die Frage auf, wie es weitergehen kann – ganz so, wie bei vielen anderen Selbstständigen auch, die plötzlich nicht mehr wissen, wie sie vor allem die laufenden Kosten für den Betrieb stemmen sollen. „Hinzu kam, dass eh noch Zahlungen ausstanden und zu befürchten war, dass diese nicht kommen, weil nun auch andere mit Problemen zu kämpfen hatten.“ Varlemann beantragt bei der Investitionsbank Schleswig-Holstein online die Soforthilfe vom Bund – nur knapp drei Wochen später sind die 9.000 Euro auf seinem Konto.

Olaf Varlemann fasst keinen Cent der Soforthilfe an

Was Varlemann nicht geahnt hatte: Zu diesem Zeitpunkt läuft das Geschäft wieder an, und ihn erreichen auch die noch offenen Zahlungen. Nach und nach wird ihm klar: „Ich brauche die Soforthilfe nicht.“ Keinen Cent davon fasst er an, und als sich für ihn die ganze Situation wieder normalisiert, macht er sich schlau: „Ich wollte nun wissen, wie ich das Geld wieder zurückzahlen konnte.“ Für die Antwort darauf nimmt sich das Förderinstitut deutlich mehr Zeit als für die eigentliche Auszahlung. Doch dann ist die Sache klar. Die zuständigen Kollegen bei der Investitionsbank teilen ihm die erforderlichen Daten mit – und nun sind die 9.000 Euro wieder dort, wo sie hergekommen sind.

Olaf Varlemann hat sich entschlossen, die Corona-Soforthilfe wieder zurückzuzahlen.

„Für mich hat sich die ganze Geschichte mittlerweile ins Gegenteil gedreht: Nach der anfänglichen Panik kann ich jetzt feststellen, dass 2020 trotz aller Einschränkungen wohl mein bestes Geschäftsjahr wird.“ Varlemann ist kein Corona-Gewinner, aber einer, der sich den besonderen Anforderungen angepasst hat und somit trotzdem auf ein überaus erfolgreiches Geschäftsjahr wird blicken können. „Es wird nun einmal gekauft, wie verrückt“, sagt er. Das gelte auch für viele seiner Kunden, die im Ausland leben, sich hier einen Alterssitz, einfach eine Immobilie für die Rückkehr oder auch eine gute Anlagemöglichkeit mit Blick auf die eigene Altersversorgung verschaffen möchten.

Verzicht auf Soforthilfe: Olaf Varlemann will sich Behörden-Ärger sparen

Dass er daher nun die Soforthilfe zurückzahlt, ist für Varlemann selbstverständlich: „Ich brauche sie nicht, Daher würde es auch schwer werden, bei einer Prüfung einen solchen Nachweis zu erbringen, wenn die Auszahlung im Nachhinein geprüft wird.“ Er will sich den gegebenenfalls zu erwartenden Ärger mit Behörden und die fälligen Steuern auf die Soforthilfe sparen.

Mindestens einmal im Jahr kehrt der gelernte Banker übrigens in seine alte Heimat zurück. Immer zur Grünkohlzeit nämlich steuert er die Fleischerei Guder an der B 51 in Seckenhausen an. „Die haben einfach die beste Pinkel. Die gibt es bei uns hier oben nicht.“ Eine Tour von deutlich mehr als 100 Kilometern – und er ist sich sicher, dass er die auch im bevorstehenden Corona-Winter finanzieren kann.

Rubriklistenbild: © Varlemann

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