Lesungüber Clemens Brentano

Poet auf der Suche nach Glück

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Juraj Sivulka hat wieder fleißig studiert, um ein umfassendes Bild des Poeten Clemens Brentano zu zeichnen.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Juraj Sivulka macht das Dutzend voll: Mit seiner Lesung über den Romantiker Clemens Brentano liefert der Deutschlehrer und Rezitator die zwölfte Veranstaltung seiner Reihe „Stationen eines Lebens“. Die Premiere geht am Samstag, 18. November, um 20 Uhr im Stuhrer Rathaus über die Bühne. Erneut haben Sivulkas Töchter Mira und Lara ihren Anteil an der Lesung, ebenso Bernhard Schencke mit musikalischen Beiträgen.

Auf der Suche nach einem „neuen“ Dichter habe ihm der Buchhändler seines Vertrauens auf die Sprünge geholfen, berichtet Sivulka. Eine Biografie über Brentano war für 1,95 Euro zu haben. „Den nimmst du“, habe ihm der Händler aufgetragen. Diverse Bücher später ist Sivulka fit in Sachen Brentano. Den am 9. September 1778 bei Koblenz geborenen Poeten nennt Sivulka „in der Romantik lange unterbewertet. Dabei hat er die Epoche nachhaltig geprägt“.

Brentano will um keinen Preis Kaufmann werden, wie es seine Familie für ihn vorgesehen hat. Er arbeitet widerwillig als Lehrling im väterlichen Betrieb. Aus den Erinnerungen seines Bruders Georg geht hervor, dass Brentano Türen ausgehängt, Waren in den Fässern vertauscht und einen wichtigen Geschäftsbrief mit einer Karikatur versehen hat. Schließlich kommt auch der Vater zur Erkenntins: „Zum Kaufmann taugst du nichts.“

Um 1800 schließt sich Brentano dem Jenaer Kreis um die Gebrüder Schlegel an, der die Romantik begründet hat. Die Gruppe nimmt ihn zwar als ehrgeizigen Schüler wahr, aber nicht sonderlich ernst. Doch der melodische Rhythmus in Brentanos Gedichten „sorgt für einen Paukenschlag“, sagt Sivulka. Der berühmte Romantiker Joseph von Eichendorff sei hingerissen gewesen: „Jeder Dichter hat doch sein bescheiden Teil Genie; aber Brentano hat dessen unbescheiden viel.“ Zum gesteigerten Ansehen Brentanos trägt auch die mit Achim von Arnim verfasste Liedersammlung „Des Knaben Wunderhorn“ bei, die Goethe euphorisch rezensiert. Eine hohe Auflage erreichen die Aufzeichnungen „Das bittere Leiden unseres Herrn Jesus Christi“ über die fünf Jahre, die der Poet am Krankenbett einer Nonne verbringt.

Finanziell abgesichert, sonst im unruhigen Fahrwasser

Brentano ist immer finanziell abgesichert, da er mit 25 Jahren Zugriff auf sein Erbteil erhält. Ansonsten hält sein Privatleben viele Schicksalsschläge bereit. Schon im Alter von sechs Jahren muss er gemeinsam mit einer Schwester bei einer Tante leben, weil im Haushalt der Familie eine zweistellige Zahl von Kindern lebt. „Er macht sich früh Gedanken über sein Leben“, sagt Sivulka. Sämtliche drei Kinder, die er mit Sophie Mereau hat, sterben bei der Geburt. Beim dritten Sprössling stirbt auch die Ehefrau. Die anschließende Beziehung mit Auguste Busmann ist eine kurze zwischen Liebe und Hass. „Der Jüngling – betend? tot? In Liebe trunken?“, beschreibt Brentano selbst den Wechsel.

Mit seinem Tod im Alter von 63 Jahren endet die unermüdliche Suche Brentanos nach dem Glück des Lebens, das er wie folgt beschreibt: „Glück ist niemals ortsgebunden, Glück kennt keine Jahreszeit, Glück hat immer den gefunden, der sich seines Lebens freut.“ Lara, Mira und Juraj Sivulka werden jeweils eine Strophe vortragen. „Es ist“, begründet der Papa, „unser aller Lieblingsgedicht von Brentano.“

Tickets gibt es für acht Euro im Bürgerbüro oder bei der Mediengruppe Kreiszeitung.

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