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Gemeinde ruft Stuhrer Bürger zur Hilfe in der Not für geflüchtete Ukrainer auf

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Von: Andreas Hapke

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Auf der Homepage der Gemeinde (www.stuhr.de) können sich Menschen registrieren lassen, die Unterkünfte oder andere Hilfen für Geflüchtete aus der Ukraine anbieten wollen. screenshot: stuhr.de
Auf der Homepage der Gemeinde (www.stuhr.de) können sich Menschen registrieren lassen, die Unterkünfte oder andere Hilfen für Geflüchtete aus der Ukraine anbieten wollen. screenshot: stuhr.de © Jaursch, Frank

Per Onlineformular können Privatleute Wohnraum für Flüchtlinge aus der Ukraine anbieten. Die Gemeinde verfügt zurzeit noch über 20 Unterkünfte, die aber bald schon belegt sein könnten. Bei der Vermittlung der Wohnungen setzt das Rathaus auf die Zusammenarbeit mit dem Flüchtlingsnetz Stuhr.

Stuhr – Die Gemeinde Stuhr rechnet mit einem großen Zustrom an Flüchtlingen aus der Ukraine. Diese Einschätzung teilte Bürgermeister Stephan Korte Mittwoch während einer Online-Pressekonferenz mit. „Vermutlich wird es über das hinausgehen, was wir in den Jahren 2015/2016 erlebt haben“, sagte Korte.

Stuhr habe zwar noch Unterkünfte aus jener Zeit, als Hunderttausende Migranten aus dem Bürgerkriegsland Syrien sowie aus Eritrea, dem Irak und Nordafrika nach Deutschland strömten. „Es könnte aber sein, dass es nicht reicht. Und es könnte sogar bald der Fall sein.“

Nach Auskunft von Lars Janßen, Fachdienstleiter Sozialer Service, sind seit Anfang der Woche „elf Familienverbände“ aus der Ukraine in Stuhr eingetroffen. Sie hätten sich zwischenzeitlich bei der Gemeinde angemeldet. Ihnen stehen vorübergehend ein sicherer Aufenthaltstitel sowie Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zu, ohne einen Asylantrag stellen zu müssen.

Zwei der Familien würden jetzt in kommunalen Unterkünften leben, berichtet Janßen. Davon gebe es zurzeit noch insgesamt 20, was sich jedoch „stündlich“ ändern könne. „Wie viele Flüchtlinge melden sich bei uns auf dem Flur? Wie viele kommen privat unter?“ – auf diese Fragen komme es an.

Den Flüchtlingen einen „Ruhepol gönnen“

„Wir gucken, welche Kapazitäten wir mobilisieren können“, sagt Janßen. Die Gemeinde habe aus 2015 und den Folgejahren noch Objekte, die inzwischen stillgelegt wurden und einen Sanierungsbedarf haben. „Da wird mit Hochdruck dran gearbeitet. Das wird noch einige Wochen dauern.“ Den kommunalen Wohnraum melden die Städte und Gemeinden über den Kreis und das Land an den Bund, der die Verteilung der Ukrainer koordiniert.

Auch Janßen zieht in Erwägung, dass der Bedarf an Unterkünften die kommunalen Kapazitäten übertreffen könnte – zumal die Zuweisungen von Migranten aus anderen Ländern durch die Landesaufnahmebehörde weiterlaufe. „Die Menschen, die aus der Ukraine hier ankommen, werden aber auf unsere Quote angerechnet“, sagt Korte. „Das wird von uns aber nachrangig betrachtet“, sagt Janßen. Wichtig sei, den Flüchtlingen „einen Ruhepol zu gönnen“.

Der Bürgermeister appelliert an die Bewohner, „zu überprüfen und zu überdenken, ob Sie bereit und in der Lage sind, Wohnraum zur Verfügung zu stellen. Als freiwillige Hilfe in der Not.“ Eigens dafür hat die Gemeinde auf ihrer Homepage unter dem Reiter „Hilfe für die Ukraine“ ein Onlineformular eingestellt, auf dem Privatpersonen eine Unterkunft anbieten können.

Dabei müssen die Bewohner mitteilen, ob es sich um ein alleinstehendes Haus, eine Wohnung oder ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft beziehungsweise ein Gästezimmer handelt. Auch die Größe der Unterkunft in Quadratmetern sowie die Anzahl der Personen, die dort Platz finden, sind gefragt. Und welche Personengruppen können oder wollen die Bürger überhaupt aufnehmen? Das reicht von einzelnen Flüchtlingen über eine Frau mit Kind(ern) bis hin zu Familien mit Kind(ern).

Zusammenarbeit mit dem Flüchtlingsnetz

Darüber hinaus können sich Bürger für Hilfeleistungen anbieten, etwa als Übersetzer, Begleiter von Flüchtlingen oder Unterstützung für die Aktivitäten der Gemeinde Stuhr.

Bei der Vermittlung der Flüchtlinge in die privaten Unterkünfte setzt die Gemeinde auf die Zusammenarbeit mit dem Flüchtlingsnetz Stuhr. Nach Auskunft Kortes hat es am Dienstagabend ein Gespräch zwischen der Verwaltung und den Ehrenamtlichen des Treffpunkts B5 gegeben. „Sie sind gerne bereit, uns zu unterstützen“, sagt Korte. Es seien auch russischsprachige Helfer dabei. Viele Ukrainer würden aber auch Englisch sprechen, allein deshalb sei die Sprachbarriere nicht so hoch wie 2015.

Laut Ute Sydow vom Flüchtlingsnetz hat sich bereits ein Paar dazu bereit erklärt, Vermieter und Flüchtlinge zusammenzubringen. „Sie würden die Hilfesuchenden auch zur Unterkunft bringen oder den Transport organisieren, falls sie selbst keine Zeit haben sollten.“

Der Ehrenamtlichen gehen die von den Wohnungsanbietern abgefragten Auskünfte nicht weit genug. „Man muss wissen, wie die Wohnungen ausgestattet sind, die Flüchtlinge haben keinen Möbelwagen dabei“, gibt Sydow zu bedenken. „Ist ein Bett vorhanden? Gibt es eine Kochgelegenheit? Das muss vor der Verteilung geklärt werden.“ Die Situation sei eine andere als 2015, als Migranten in ausgestattete Unterkünfte der Gemeinde kamen.

Ute Sydow schlägt vor, kleine Pakete unter anderem mit Hygieneartikel zu packen. „Nach so einer langen Tour möchte man nicht nur ein Bett, sondern sich auch duschen“, begründet sie. Außerdem regt sie an, die Betreuung der Ukrainer mitzudenken. „Die wissen nicht, wo ein Bus fährt, wenn sie zum Rathaus müssen.“

Von Geld- und Sachspenden sieht die Gemeinde übrigens ab. „Es ergibt keinen Sinn, dass wir uns da zwischenschalten“, sagt Korte. Diese Spenden sollten direkt an die professionellen Organisationen gehen. „Dort werden sie gebündelt und kommen direkt da an, wo sie benötigt werden.“

Von Andreas Hapke

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