Früher nach Hause am Nachmittag

Personalmangel: Stuhr kürzt Betreuung in drei Kitas

Stuhr - Von Andreas Hapke. In drei Kindertagesstätten der Gemeinde Stuhr müssen die Eltern zum Auftakt des Kindergartenjahrs 2018/19 von einer verkürzten Betreuung ihres Sprösslings am Nachmittag ausgehen. Grund sei jeweils eine nicht besetzte Erzieherstelle, wie Kerstin Frohburg, Fachdienstleiterin Bildung, Jugend und Sport, auf Nachfrage mitteilt. „Es ist ehrlicher, dies zum jetzigen Zeitpunkt so mitzuteilen, als abzuwarten, ob sich bis zum 8. August noch etwas in Sachen Einstellungen tut.“

Seit ein paar Tagen herrscht auf Facebook eine muntere Diskussion über einen Elternbrief der Gemeinde. Darin bedauert Kerstin Frohburg, dass die Kommune das Betreuungsangebot in der Kindertagesstätte Groß Mackenstedt einschränken müsse. „Mit dem vorhandenen Personal ist es bis auf weiteres nur möglich, eine Betreuung bis 15 Uhr zu gewährleisten“, heißt es. Die Ganztagsgruppe wäre sonst bis 16 Uhr geöffnet gewesen.

Laut Frohburg sind davon auch die Kita Varrel mit einer und die Kita Marsstraße mit allen drei Ganztagsgruppen betroffen. In Brinkum und Varrel könne es auch sein, dass das eine oder andere Kind für den Spätdienst bis 17 Uhr angemeldet war, sagt Kerstin Frohburg.

Trotz 20 Vorstellungsgesprächen sei es nicht gelungen, sämtliche Stellen in den Kitas zu besetzen, schreibt Kerstin Frohburg den betroffenen Eltern. Dabei sah es zwischendurch schon mal ganz gut aus. Zum Zeitpunkt der Personalplanung im März dieses Jahres habe die Gemeinde vier freie Stellen gehabt, berichtet die Rathausmitarbeiterin im Gespräch mit dieser Zeitung. „Die haben wir dann alle besetzt.“ Nun gebe es jedoch neue Vakanzen.

„Vielfältige Gründe für Verlust der Mitarbeiter“

„Die Gründe, weshalb uns Mitarbeiter verlassen, sind vielfältig“, sagt Frohburg. „Wenn zum Beispiel jemand täglich jeweils eine Stunde zur Arbeit und wieder zurück nach Hause fährt und dann einen Job vor Ort findet, dann kann man das verstehen.“ Es gebe auch Kolleginnen, die Stellen mit für sie besseren Arbeitszeiten gefunden hätten. „Viele wollen nachmittags einfach nicht so lange beschäftigt sein.“

Sie schreibe solche Briefe nicht gerne, betont Kerstin Frohburg. Ihr sei bewusst, dass dies von den Eltern neue Planungen erfordere und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erschwere. „Und auch die Erzieher sehen die Kinder und die Not der Eltern, sie betreuen zu lassen. Deshalb gehen viele an ihre Belastungsgrenze, manche auch darüber hinaus. Einige stocken sogar vorübergehend ihre Arbeitsstunden auf. Wenn wir an der Betreuung kürzen, geht wirklich nichts mehr.“ Die Gemeinde müsse die Reißleine aber auch rechtzeitig ziehen, sonst würden Mitarbeiter krankheitsbedingt ausfallen. „Lieber jetzt eine Stunde reduzieren als später deshalb eine Gruppe zu schließen.“

Diskussion auf Facebook

Auf Facebook wechseln sich Kritik und Verständnis ab, wobei letzteres überwiegt. „Zum Wohl des Kindes oder mit Rücksicht auf Eltern, die tatsächlich darauf angewiesen sind, dass ihre Kinder in Betreuung kommen, werden die Entscheidungen nicht getroffen, hat man das Gefühl“, schreibt eine Nutzerin. „Soll sich die Gemeinde Mitarbeiter schnitzen? Mit zu wenig Personal und dann noch bis 15 Uhr, ist doch toll“ und „Bei so einem Angebot zu jammern, ist schlicht zu bequem“, lauten zwei der Gegenpositionen.

Dass es „wesentlich lukrativere Arbeitgeber als die Gemeinde Stuhr für Erzieher“ geben soll, wie von einer Nutzerin behauptet, kann Kerstin Frohburg nicht nachvollziehen. „Wir bieten mit 5 statt 3,75 Stunden längere Verfügungszeiten (zum Beispiel zur Vorbereitung des Dienstes, die Red.), grundsätzlich unbefristete Arbeitsverträge, ein betriebliches Gesundheitsmanagement sowie ein festes Kontingent an Fortbildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten“, stellt sie klar. Die Gemeinde bei Facebook als nicht so lukrativen Arbeitgeber hinzustellen, sei zudem nicht so clever. „Dann muss man sich tatsächlich nicht wundern, dass irgendwann niemand mehr kommt.“

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Das waren die zwölf erfolgreichsten Deals aus "Die Höhle der Löwen"

Das waren die zwölf erfolgreichsten Deals aus "Die Höhle der Löwen"

Rapid Wien weiter - AC Mailand verpasst K.o.-Runde

Rapid Wien weiter - AC Mailand verpasst K.o.-Runde

EU will angeschlagener May helfen - aber nur mit Worten

EU will angeschlagener May helfen - aber nur mit Worten

Arme Staaten ziehen bittere Klima-Bilanz: "Nichts erreicht"

Arme Staaten ziehen bittere Klima-Bilanz: "Nichts erreicht"

Meistgelesene Artikel

Weihnachtsmarkt der GdS: Auf der Alten Bremer Straße ist der Tiger los

Weihnachtsmarkt der GdS: Auf der Alten Bremer Straße ist der Tiger los

Einheitliche Abwassergebühr beträgt künftig 2,96 Euro pro Kubikmeter

Einheitliche Abwassergebühr beträgt künftig 2,96 Euro pro Kubikmeter

Nutria-Gänge beschädigen Weyher Deich

Nutria-Gänge beschädigen Weyher Deich

Geschichten und Anekdoten über historische Gaststätten

Geschichten und Anekdoten über historische Gaststätten

Kommentare