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Stuhr: Perspektiven für die Straßenbahnlinie 8

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Von: Andreas Hapke

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Der lilafarbene Verlauf der Straßenbahntrasse und die schraffierten Flächen für die Gestaltung der Infrastruktur.
Bereits in Kraft getreten ist der B-Plan Bahnhof Moordeich. Zu sehen sind der lilafarbene Verlauf der Straßenbahntrasse und die schraffierten Flächen für die Gestaltung der Infrastruktur. Der B-Plan Bahnhof Stuhr steht vor dem Satzungsbeschluss, der B-Plan Bahnhof Brinkum vor der Offenlegung. © Gemeinde Stuhr

Ende 2025 soll die Straßenbahnlinie 8 von Huchting über Stuhr nach Weyhe führen. Für den Verkehrsausschuss also Zeit, sich mit der Gestaltung der künftigen Haltepunkte in Stuhr zu befassen.

Stuhr – Nach Abweisung der anhängigen Klagen durch das Oberverwaltungsgericht Lüneburg am 20. Januar zeichnet sich ab, dass die Linie 8 tatsächlich mal von Huchting über Stuhr nach Weyhe fährt. „Die Inbetriebnahme im vierten Quartal 2025 ist aus heutiger Sicht realistisch“, sagte die Erste Gemeinderätin Bettina Scharrelmann am Donnerstagabend im Ausschuss für Verkehr, Ordnung und Sicherheit. Zeit also, sich mit möglichen Gestaltungen der Haltestellen auf Stuhrer Gebiet zu beschäftigen. Oder besser: mit wünschenswerten Gestaltungen. Denn was am Ende umgesetzt werden kann und wie, soll der Infrastrukturdienstleister Consult Team Bremen (CTB) klären.

Gleichwohl liegen die „verkehrlichen Perspektiven“ in Sachen Straßenbahn auf dem Tisch. Stand jetzt drängt sich die Verknüpfung von Bus und Bahn an drei Haltepunkten auf: am Bahnhof Moordeich, an der Bassumer Straße und am Bahnhof Erichshof. Dafür, dies ging am Donnerstagabend aus einer Präsentation der Verwaltung hervor, muss die Gemeinde noch die entsprechenden Voraussetzungen schaffen.

Die Inbetriebnahme im vierten Quartal 2025 ist aus heutiger Sicht realistisch.

Erste Gemeinderätin Bettina Scharrelmann zur Linie 8

Beispiel Bahnhof Moordeich, wo künftig Busse halten könnten, die jetzt noch bis zum Roland-Center fahren, etwa die Grönemeyer-Linie (113). „Wie viel Platz haben wir? Was können wir an Bahnsteigen realisieren?“, fragt Michaela Schierenbeck, Fachdienstleiterin Verkehr und Feuerwehr. Und wäre es möglich, in der Nähe liegende Haltestellen zu verlegen? Die an der Moordeicher Landstraße etwa ist zurzeit noch rund 300 Meter vom künftigen Bahnhof entfernt.

An der Bassumer Straße und am Bahnhof Erichshof geht es laut Schierenbeck ebenfalls um die Frage: „Wie kriegen wir die Busse näher an die Bahn?“ Wegen der „geringen Flächenverfügbarkeit“ am Haltepunkt Bassumer Straße plant die Gemeinde eine neue Bushaltestelle in Höhe der Meyerstraße. Der Bahnhof Erichshof wäre bislang durch die Bushaltestelle Süderstraße angebunden. Dort würde eine Verlegung in Richtung „An der Reitbahn“ kürzere Wege für die Fahrgäste bedeuten.

Bebauungspläne sind für die Verlegung der Haltestellen in der Regel nicht notwendig. Solche Verfahren hat die Gemeinde nur für den Bahnhof Stuhr, den Bahnhof Moordeich und die Haltestelle Bahnhofstraße (B-Plan Bahnhof Brinkum) angestoßen. Die Auswahl liegt laut Schierenbeck in der Verfügbarkeit der Flächen begründet. Heißt: Die Umgebung anderer Haltepunkte – allen voran Hespenstraße, Beethovenstraße und Studtriede – lassen keine großen Gestaltungsspielräume zu.

Fahrradabstellanlagen als Mindestabstand an den Haltestellen

Trotzdem: Überdachte Fahrradabstellanlagen soll der Mindeststandard an allen acht Haltepunkten sein. Mehr allerdings geht an der Hespenstraße wohl nicht. Alle anderen Standorte sollen möglichst auch mit gesicherten Radanlagen ausgestattet werden, also auch die Beethovenstraße und die Studtriede.

An der Bassumer Straße ist zusätzlich eine E-Ladestation für Räder angedacht, am Haltepunkt Stuhrbaum eine Fahrrad-Leihstation und Abstellmöglichkeiten für Autos.

Park and Ride, Bike and Ride sowie eine E-Ladestation für Fahrzeuge sind am Bahnhof Stuhr vorgesehen. An der Bahnhofstraße kämen noch eine E-Ladestation für Räder und Carsharing hinzu, ebenso am Bahnhof Moordeich, wo sich die Gemeinde auch einen Radverleih vorstellen könnte.

„Verknüpfungshaltestellen in Brinkum sehen wir nicht“, kritisierte Bewohner Heinz Kolata, auch Sprecher der Initiative „Brinkum in Fahrt“. An der Bassumer Straße sei der Platz für eine entsprechende Infrastruktur nicht gegeben.

Bremer Tor wird als künftiger Standort des zentralen Busbahnhofs in Frage gestellt

Einmal mehr stellte er das Bremer Tor als künftigen Standort für den zentralen Busbahnhof infrage. 400 Meter betrage die Entfernung von dort bis zum Straßenbahnhaltepunkt Bassumer Straße. Den schon auf Weyher Gebiet liegenden Bahnhof Erichshof hält er für wesentlich geeigneter. „Natürlich müssten sich Stuhr und Weyhe für die Lösung zusammenraufen.“

Scharrelmann verwies auf den längst gefällten Ratsbeschluss. „Wir wollen Brinkum als Ortskern leben und beleben“, sagte sie. Möglichst viele Buslinien sollten dort eintreffen. „Experten haben sich vier Jahre damit beschäftigt und das herausgefunden, auch wenn Sie da nicht mitgehen können.“

Der CDU-Ratsherr Heiner Lampe bezeichnete Erichshof als „beste Fläche“ für die Anbindung an die Straßenbahn, allein schon wegen der Nähe zur Umgehungsstraße. „Niemand würde für Park and Ride den Bahnhof Brinkum ansteuern.“

Jonas Thomsen (FDP) regte den Verleih von E-Scootern an. Dies sei zeitgemäßer. „Den Radverleih kenne ich nur noch aus Urlauben auf Borkum.“

Barrierefreiheit an Haltepunkten

Michael Wischniewski-Purrmann (Grüne) wäre eine sichere Querung der Syker Straße zum Bahnhof Erichshof wichtig. Schierenbeck sagte, dass die Verwaltung „gedanklich bei einer Ampel“ sei. Auf die Forderung von Joachim Döpkens („Besser“) nach einer Barrierefreiheit der Haltepunkte sagte Scharrelmann: „Ich gehe davon aus, dass Barrierefreiheit bestehen wird.“

Zuvor hatte die Erste Gemeinderätin die „großen Meilensteine“ bis zur Inbetriebnahme der Bahn aufgezählt. Demnach stehen im zweiten Quartal dieses Jahres Abstimmungsgespräche mit allen am Projekt Beteiligten an – mit den Bürgermeistern, der Hansestadt Bremen, der BSAG, der BTE und dem CTB. Vorbereitende Maßnahmen wie die technischen Planungen sind für das dritte und vierte Quartal vorgesehen, bevor im ersten Quartal 2023 die Hauptbaugewerke loslegen. Noch in diesem Jahr, so steht es in einer Verwaltungsvorlage, laufen die Planungen zum künftigen Busergänzungsnetz an. Dabei hat der Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) den Hut auf.

Die Bürger sollen fortwährend und bei unterschiedlichen Gelegenheiten über die Entwicklung informiert werden, zum Beispiel bei der 850-Jahr-Feier des Ortsteils Stuhr. Auch über die Einrichtung eines Infopoints, wie es ihn auf Bremer Seite im Roland-Center bereits gibt, denkt die Gemeinde nach.

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