Einsatz nach Monaten am Spielfeldrand

Stephan Korte ist neuer Stuhrer Bürgermeister: „Ich freue mich total“

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Stephan Korte freut sich auf seinen heutigen Amtsantritt als Stuhrer Bürgermeister.

Schon im Juni konnte Stephan Korte die Wahl zum Stuhrer Bürgermeister für sich entscheiden, jetzt ist es endlich soweit: Am Freitag erhält er den Büroschlüssel von seinem Vorgänger Niels Thomsen. Im Interview spricht der neuer Stuhrer Bürgermeister über das was ihn antreibt und seine ersten Pläne für Stuhr.

Stuhr - Mit 61,5 Prozent der Stimmen hat Stephan Korte Mitte Juni die Stichwahl zum Stuhrer Bürgermeister gegen Frank Holle gewonnen. Am Freitag erhält er von seinem Vorgänger Niels Thomsen den Schlüssel fürs Büro. Wie er sich darauf vorbereitet hat und was er zuerst anpacken möchte – darüber spricht Korte im Interview mit der Kreiszeitung.

Herr Korte, wie ist die Stimmung?

Ich freue mich total, dass es jetzt endlich losgeht. Ich habe lange darauf gewartet.

Wie haben Sie die Zeit nach der Wahl verbracht? Als Referatsleiter im Bremer Finanzressort waren Sie zuletzt nicht mehr tätig.

Stimmt, ich habe im August entschieden, mich ohne Bezüge beurlauben zu lassen. Diese Phase begann Anfang Oktober und endet heute. Nach der Wahl gab es viele Terminanfragen von Vereinen, Institutionen und Bürgerinitiativen. Die Treffen waren häufig tagsüber, ich wollte sie aber gerne wahrnehmen. Ich habe das auch zur Vorbereitung auf mein Amt genutzt.

Nimmt man die Hausbesuche und Veranstaltungen aus dem Wahlkampf hinzu, dürften Sie sich jetzt in Stuhr besser auskennen als in Bremen, oder?

Das würde ich mal behaupten. Ich kenne auch die Befindlichkeiten der Bürger. Was fehlt, ist der Blick aus der Verwaltung heraus.

Dann wissen Sie doch bestimmt schon, in welchem Ortsteil Sie sich niederlassen. Ihren Umzug hatten Sie ja im Wahlkampf angekündigt.

Tatsächlich habe ich mir schon Häuser und Wohnungen angesehen, aber noch nichts Adäquates gefunden.

Wie steht es mit einem asiatischen Lieblingsrestaurant? Das soll doch Ihre bevorzugte Wahl sein.

Ein Stammlokal habe ich auch noch nicht. Aber ich habe schon den Mittagstisch in verschiedenen Restaurants ausprobiert. Wenn es meine Zeit erlaubt, würde ich erst einmal alle abtingeln.

Haben Sie schon Ihren Arbeitsplatz in Augenschein genommen?

Ja, ich war schon häufiger im Rathaus und habe Gespräche geführt, um Anfragen von Bürgern zu klären. Die Utensilien aus meinem Bremer Büro sind auch schon dort, aber noch in Kisten verpackt. Mit Niels Thomsen (scheidender Bürgermeister, die Red.) habe ich mich ebenfalls getroffen, auch im privaten Rahmen.

Die Mitarbeiter sehnen sich nach Entlastung. Können Sie mit Ihrer Verwaltungserfahrung sofort damit dienen?

Was fehlt, ist eine Führung. In der Verwaltung muss man verlässliche Ansagen machen, das entlastet alle am meisten. Der Erste Gemeinderat kann das nicht alles auffangen. Zusätzlich noch nach außen agieren und Verabredungen treffen – das ist nicht ohne. Ich komme da bestimmt bald zurecht. Ich habe den Eindruck, dass die Mitarbeiter sich auf mich freuen, ich freue mich auch auf sie. Gerade im ersten Jahr werde ich wohl viel Zeit im Rathaus verbringen.

Was ist Ihre erste Amtshandlung?

Heute stehen die Schlüsselübergabe mit Thomsen, ein Treffen mit Führungskräften und eines mit den Fraktionsvorsitzenden an. Dann packe ich meine Kisten aus. Am Sonntag spreche ich das Grußwort beim Abschlusskonzert von „Jugend musiziert“, und der Montag beginnt mit einer Leitungssitzung. Alle Führungskräfte sollen wissen, was läuft, auch wenn es nicht gleich ihr Gebiet betrifft.

Gibt es ein Projekt, auf das Sie sich zuerst stürzen?

Von der Ortskernsanierung möchte ich einen Sachstand haben. Wie weit ist die Kreissparkasse (KSK soll sich um Investoren für die Flächen kümmern, die Red.) gekommen? Was die Straßenbahn angeht, müssen wir als Gemeinde schauen, welche Aufgaben sich aus dem weitreichenden Urteil des Bundesverwaltungsgerichts ergeben. Wie planen wir die Haltestellen? Wie verknüpfen wir die mit den Busverkehren? Wie planen wir Übergabepunkte, auch für die Bürger aus den südlichen Ortsteilen? Die müssen wir mitnehmen.

Welche Ziele haben Sie sich für Ihre ersten 100 Tage gesetzt? Das ist bei Journalisten ein beliebter Zeitpunkt für eine Zwischenbilanz.

In 100 Tagen haben wir einen Fahrplan für die eben genannten Projekte. Dann werden wir uns in Sachen Straßenbahn auch mit Weyhe und Bremen abgestimmt haben. Wer macht was? Es muss so schnell wie möglich Klarheit über die Sanierung der KGS-Hallen bestehen, und die Sanierung muss dann auch schnell umgesetzt werden. Ich möchte mir außerdem einen Überblick über die Stuhrer Infrastruktur bis hin zum Gemeindegrün verschaffen und die Bürgersicht mit der Verwaltungssicht abgleichen.

Profitiert Stuhr von Ihrer Tätigkeit in Bremen und dem guten Verhältnis zu Bürgermeister Andreas Bovenschulte?

Ich kenne die Leute dort bereits und glaube, dass ich ihnen den Standpunkt Stuhrs schon deutlich machen kann. Dass Bovenschulte vorher Bürgermeister in der Nachbargemeinde Weyhe war, ist sicherlich von Vorteil. Bremen und Stuhr sind gleichberechtigte Partner, das muss man so wahrnehmen.

Wären Ihre Kontakte in Sachen B6neu von Vorteil? Sie sagten im Wahlkampf, Sie würden sich zutrauen, das zu regeln.

Ich habe in diesem Punkt Sprachlosigkeit zwischen Stuhr und Bremen wahrgenommen. Ich glaube schon, dass ich die Möglichkeit habe, auf die Bedeutung des Projekts für Stuhr und die Region hinzuweisen. Wir brauchen Planungssicherheit, weil davon auch zusätzliche Gewerbeflächen in Brinkum-Nord abhängen.

Haben Sie nach der Wahl das politische Geschehen in Stuhr verfolgt?

Klar. Dadurch habe ich es in den vergangenen viereinhalb Monaten geschafft, gerade mal eine Woche zu verreisen. Den Rest war ich vor Ort.

Hand aufs Herz: Haben Sie bereits an Entscheidungen der Politik mitgewirkt?

Nein, das wäre auch schwierig gewesen. Ich habe am Spielfeldrand gesessen, nicht im Rathaus. Ich bin aber mit den Entscheidungen zufrieden. Beispiel KSK: Dadurch sind wir nicht von den alten Beschlüssen abgewichen. Wir verpflichten uns zu nichts. Wenn wir ein Ergebnis haben, schauen wir, wie wir weiter verfahren.

Verraten Sie uns abschließend noch, was es mit der Kogge auf sich hat, die über Ihrem Schreibtisch hängt? Ihr Vorgänger hatte ein Schiffssteuerrad aufgestellt.

Die Kogge hat die Gemeinde mal zu einem Jubiläum geschenkt bekommen. Frau Tölle und Frau Phillips (Sekretariat des Verwaltungsvorstands, die Red.) dachten sich, dass die jetzt ganz gut ins Büro passen würde. Ich meine, die kann man aufhängen. Das ist fernab von jeglicher Symbolik. Das Mobile mit dem Sonnensystem aus meinem alten Büro macht bei Weitem nicht so viel her.

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