Erster Spatenstich für die moderne Rettungswache / Inbetriebnahme in einem Jahr angepeilt

Stuhr legt die Messlatte hoch

Bereits in der kommenden Woche sollen die Erdarbeiten laut Architekt Jürgen Schlake beendet sein.
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Bereits in der kommenden Woche sollen die Erdarbeiten laut Architekt Jürgen Schlake beendet sein.
  • Andreas Hapke
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Stuhr – Lang, lang ist’s her, dass die Entscheidung über den Bau einer Rettungswache in Stuhr fiel. Mehr als drei Jahre liegt das nun zurück. Doch nach einer intensiven Grundstückssuche und einer umfangreichen Planung rollen inzwischen die Bagger an der Straße Stuhrbaum 97. Die Erdarbeiten hatten bereits vor dem gestrigen ersten Spatenstich begonnen – fast so, als wollten die Beteiligten die verlorengegangene Zeit wieder aufholen. „Was den Bau angeht, ist alles durchgetaktet. Die Gewerbe gehen Hand in Hand“, sagte Klaus Speckmann, Geschäftsführer der Rettungsdienst Landkreis Diepholz GmbH.

Zehn Prozent mehr Einsätze pro Jahr im Rettungsdienst – das sei nicht zu schaffen, ohne das System auszubauen und bei den Sanitätern und Wachen nachzulegen, sagte Landrat Cord Bockhop. Allein die zum Übergang eingerichtete Dienststelle an der Bahnhofstraße in Brinkum habe in den vergangenen beiden Jahren jeweils rund 2 500 Einsätze gefahren. Und die Fallzahlen würden von Jahr zu Jahr steigen, wie der Leiter Rettungsdienst, Dirk Seifert, erklärte: „Das Anspruchsdenken der Menschen ist anders als vor 20 Jahren. Ob aus Unwissenheit oder Hilflosigkeit: Sie rufen schneller die 112.“

Die Gutachter hätten Recht behalten, als sie die Wache für Stuhr empfahlen, betonte Bockhop. „Für die Versorgung im Westen der Gemeinde, wo es in jedem Jahr ein, zwei Fälle gab, wo es um Rettungszeiten ging.“ Im Klartext: Wo die Retter eigentlich etwas schneller vor Ort sein mussten, dies wegen des Anfahrtswegs aber gar nicht schaffen konnten. Bockhop: „Im Notfall ist die Nähe zur Rettungswache wichtiger als die Nähe zum Krankenhaus.“

Für die Versorgung der Bewohner sind nun ein 24-Stunden-Fahrzeug, ein Tageswagen und ein Ersatzauto in Stuhrbaum stationiert, aktuell verfügt Brinkum nur über ein Fahrzeug. Außerdem hat das Gebäude Kapazitäten für die Ausbildung des Nachwuchses. „Wir brauchen mehr Notfallsanitäter“, forderte der Landrat. Mit dem Neubau habe man auch etwas für die Zukunft der aktuellen Mitarbeiter geschaffen. „Obwohl die Wache den modernsten Ansprüchen genügt, ist sie nicht zu groß.“

Speckmann wies auf die besseren Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter hin. „Das ist wichtig für die Personalgewinnung und -bindung.“ Das Gebäude sei ebenerdig und garantiere kurze Wege zu den Einsatzwagen. Nach Schätzung von Brinkums Dienststellenleiter Sven Aufderheide spart das im Vergleich zu jetzt eine Minute. Noch müssen die Retter aus dem Obergeschoss über eine Treppe zu den Wagen.

Laut Bockhop ist Stuhrbaum die kreisweit erste Rettungswache, welche die seit 2017 gültige Din 13049 erfülle. Die Messlatte für zum Beispiel Notstromversorgung und Desinfektion liege damit noch einmal höher als bisher. Corona habe damals noch keine Rolle gespielt, Infektionen sollten trotzdem ausgeschlossen werden. „Wenn sich die Wache kreuz und quer infizieren würde“, sagte der Landrat, „dann läge der Rettungsdienst lahm.“

Architekt Jürgen Schlake kündigte das Ende der Erdarbeiten bereits für kommende Woche an. Für alle weiteren Schritte seien die Aufträge vergeben. Läuft alles nach Plan, ist das Gebäude laut Schlake im Winter geschlossen und für den Innenausbau bereit. Nach einem Jahr Bauzeit könne die Wache „im nächsten Frühjahr“ in Betrieb gehen. Ursprünglich hatte Bockhop dies für Frühjahr 2019 angepeilt.

Der Aufwand für die Planer sei hauptsächlich auf den benachbarten Wasserzug Stuhrgraben zurückzuführen, sagte Speckmann. „Das Grundstück liegt teilweise im Überschwemmungsgebiet. Wir mussten das so gestalten, dass man keine nassen Füße bekommt.“ Die Lösung: Im hinteren Bereich der Fläche wurde Erdreich abgetragen, um es weiter vorne wieder aufzuschütten. Eigens dafür flossen zusätzliche Mittel aus dem Kreishaushalt.

Von Andreas Hapke

So könnte die Rettungswache aussehen: Teilansicht des Gebäudes in Stuhrbaum.
Viel Sand um nichts, da nur ein symbolischer Spatenstich: (v.l.) Architekt Jürgen Schlake, Klaus Speckmann, Geschäftsführer Rettungsdienst Landkreis Diepholz, Landrat Cord Bockhop, Stuhrs Bürgermeister Stefan Korte, Sven Aufderheide, Dienststellenleiter Rettungswache Brinkum, und Dirk Seifert, Leiter Rettungsdienst.

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