Verständigung mit Händen und Füßen

Die Spanier Muñoz und Herencia nehmen am Programm Adelante teil

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José Miguel Dominguez Muñoz (l.) und Jose Manuel Martin Herencia absolvieren zunächst ein zweimonatiges Praktikum.

gr.  Mackenstedt - Von Andreas Hapke. Ihre ersten Eindrücke von Deutschland sind positiv: viel Natur, freundliche Menschen, eine gute Arbeit und sympathische Kollegen. Seit einer Woche leben die Spanier José Miguel Dominguez Muñoz (32) und Jose Manuel Martin Herencia (26) in Bremen, von wo aus sie seit Kurzem täglich mit dem Firmenbully zu Straschu in Groß Mackenstedt pendeln. Die beiden sind im Zuge der Anpassungsqualifizierung Adelante nach Deutschland gekommen. Sie wollen sich ihren spanischen Berufsabschluss anerkennen lassen.

Insgesamt nehmen 15 junge Männer aus der Region Andalusien an dem Projekt teil, das die Industrie- und Handelskammer (IHK) Hannover sowie der Landkreis Diepholz finanzieren. Als Träger tritt die Firma „PractiGo“ auf, die die Spanier in Deutschland betreut. Die meisten Gäste sind in Stuhrer Firmen untergekommen (wir berichteten). Muñoz und Herencia arbeiten bei Straschu, einem renommierten Unternehmen auf dem Markt der Elektronik und Elektrotechnik, im Logistikbereich. Dort absolvieren sie zunächst ein zweimonatiges Praktikum, das in die eigentliche, zwölfmonatige Anpassungsqualifizierung mündet – falls beide Seiten davon überzeugt sind.

Für Straschu-Personalleiterin Meike Daneke ist das ein „spannendes Projekt, in dem wir junge Menschen fördern können. Das sind Menschen, die bereit sind, etwas zu lernen“. Dass sein Schützling Herencia motiviert ist, hat Michael Hoppe, Lagerleiter Industrie-Elektronik, bereits während der Skype-Bewerbung registriert. „Auch wenn er bislang etwas vollkommen anderes gemacht hat und nicht aus dem Elektronikbereich kommt.“ Für eine Beurteilung sei es noch viel zu früh. Am ersten Tag habe die Aufregung eine große Rolle gespielt, sagt Hoppe. Die Verständigung erfolge noch mit Händen und Füßen, im Notfall helfe eine spanischsprechende Mitarbeiterin aus der Produktion.

Herencia hat zuletzt auf Mallorca gearbeitet. Er hatte seine Logistik-Lehre vor zwei Jahren abgeschlossen, anschließend aber immer nur schlecht dotierte Arbeitsverträge von kurzer Dauer bekommen. Muñoz hatte 2012 seine Ausbildung zum Transport-Logistiker beendet und dann ein Jurastudium begonnen, das er im Juni dieses Jahres abschloss. Eine Anstellung hätte er nach eigener Aussage nicht bekommen, eher Praktikumsverträge mit geringer Vergütung. Deshalb habe er wieder auf seine erste Ausbildung zurückgegriffen. In Deutschland soll es für sie beruflich aufwärts gehen.

Auch Straschu möchte profitieren

Nicht nur die Spanier, sondern auch Straschu möchte von dem Programm profitieren. Dies wäre dann der Fall, wenn sich Muñoz und Herencia möglichst lange an das Unternehmen binden. Hendrik Meyer von der Firma „PractiGo“ hält eine Aufenthalt von fünf bis zehn Jahren für wünschenswert, denn „dann hätten sie der Region geholfen“.

Stand jetzt würde Muñoz gerne „zwei, drei, vier Jahre“ in Deutschland bleiben. Er wolle die Sprache lernen. Herencia kann sich ebenfalls einen längeren Aufenthalt vorstellen. Derartige Prognosen seien zum jetzigen Zeitpunkt aber verfrüht, findet „PractiGo“-Mitarbeiterin Monika Mester. „Die beiden müssen sich hier auch wohlfühlen.“ Katja Staghouwer vom Straschu-Marketing findet ebenfalls, dass sich das „über einen längeren Zeitraum entwickeln muss“.

Für Straschu bildet das Projekt einen weiteren Baustein bei der Suche nach qualifizierten Kräften. „Wir sind da breit aufgestellt“, sagt Daneke und nennt einige Beispiele: „Wir besuchen Jobmessen in Bremen und Oldenburg sowie die BIB in Syke. Wir nehmen Praktikanten aus der Schule und aus Studiengängen. Und wir organisieren Zukunftstage.“

Dass mit Muñoz und Herencia auch in Spanien Fachkräfte fehlen, sieht Meyer entspannt: „Bei einer Arbeitslosenquote von 40 Prozent ist es kein Problem, wenn ein kleiner Bruchteil ‘rüberkommt. Manche von ihnen gehen ja auch ausgebildet wieder zurück.“

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