Ausgebüchst oder ausgesetzt?

Hund Mailo stößt auf tote Schlange in Steller Heide

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Diese Schlange hat Nicole Lütteckes Hund in der Steller Heide aufgespürt.

Stuhr - Von Andreas Hapke. Dieser Anblick hat Nicole Lüttecke wütend gemacht: Während eines Spaziergangs in der Steller Heide war ihr Mischlingshund Mailo auf eine tote Schlange gestoßen. Die Delmenhorsterin, die früher selbst Reptilien gehalten und unter anderem eine Schlange besessen hatte, ist sich sicher: Das Tier wurde ausgesetzt. „Da ist kein Wohngebiet weit und breit. Ich wüsste nicht, wie die Schlange dorthin gekommen sein sollte“, sagt sie. „Eine Schlange bei Minusgraden aussetzen, da fällt mit nichts mehr zu ein“, postete sie auf Facebook.

Mailo habe die Schlange in einem Gebüsch gefunden. „Ich habe mich gewundert, woran der Hund so lange schnuppert. Also bin ich hin und habe nachgesehen“, berichtet Nicole Lüttecke. Als sie die Schlange entdeckt habe, habe sie Mailo angeleint und sei dann noch einmal mit einem Stock zur Fundstelle gegangen. „Mein Eindruck war sofort, dass das Tier tot ist. Wäre das nicht der Fall gewesen, hätte ich es irgendwie eingepackt und zu einem Tierheim gebracht.“

So aber habe sie den Stuhrer Baubetriebshof informiert, der sich gerade wegen Baumschnittarbeiten in der Nähe befand. Die Mitarbeiter brachten das Tier später in einem Eimer nach Brinkum.

Bauhofleiter Guido Stuck war nach eigener Auskunft besorgt und wollte sicherheitshalber abklären, ob die Schlange wirklich schon tot war. „Ich wusste, dass es sich um eine Kornnatter handelt“, erzählt er. „Das Reptil hat sich zwar nicht mehr bewegt, aber Schlangen sind wechselwarme Tiere, deren Herzen mitunter nur einmal in fünf Minuten schlagen.“

Bremer Tierärztin weiß Rat

Bei seiner Recherche sei er auch belächelt worden, berichtet Stuck. Bis er auf die Tierärztin Alexandra Dörnath stieß, die in Bremen eine überregionale Überweisungspraxis für Exoten betreibt. Bei ihr landen nach eigener Auskunft Schlangen aus Lübeck und Schildkröten aus Rostock.

Im Gespräch mit Stuck sowie mit Hilfe eines von Nicole Lüttecke zur Verfügung gestellten Fotos kam auch die Expertin zu dem Schluss, dass die Schlange bereits das Zeitliche gesegnet hatte. „Auf dem Bild war zu sehen, dass die Körperform nicht mehr schön rund, sondern zackig war. Das ist schon mal ein Hinweis darauf, dass etwas nicht stimmt“, sagt Dörnath. Außerdem habe Stuck von einem Verwesungsgeruch berichtet und von Stellen, die nach Tierbissen aussahen.

Ganz und gar nicht überzeugt ist sie davon, dass die Schlange ausgesetzt wurde. „Kornnattern sind die größten Ausbruchskünstler. Im Terrarium reicht ihnen ein Spalt von einem halben Zentimeter, um sich mit der Schnauze freie Bahn zu verschaffen.“ Schlangen seien generell Überlebenskünstler. Speziell die aus Nordamerika stammende, nicht giftige Kornnatter sei weitaus härtere Winter gewohnt.

Bei einem Schlangenfund rät Alexandra Dörnath, nicht den Helden zu spielen, sondern Polizei oder Feuerwehr zu verständigen. Von denen werde sie alle 14 Tage wegen eines Tierfunds kontaktiert.

Reptilienfunde sind selten

Für Guido Stuck war der Fund in der Steller Heide ein ganz besonderer. „Wir haben es sehr selten mit Reptilien zu tun. Vielleicht mal mit einer Rotwangenschmuckschildkröte oder einer Gelbwangenschmuckschildkröte, die sich in einem Regenrückhaltebecken verirrt hat“, sagt er. In einem solchen Fall bringe der Bauhof das Tier zur Wildtier- und Artenschutzstation in Sachsenhafen bei Rehburg-Loccum, während für tote Tiere die Tierverwertung zuständig sei. Laut Stuck findet der Bauhof „vielleicht zwei, drei tote Tiere pro Monat, hauptsächlich am Straßenrand. Zurzeit eher weniger, weil es so kalt ist.“

Für Stuck hat Alexandra Dörnath ein dickes Lob über: „Er hat sich wirklich Gedanken gemacht. Es ist sehr, sehr gut, dass er den Kontakt aufgenommen hat.“ Dass der Bauhofleiter die Kornnatter erkannt habe, sei ebenfalls bemerkenswert.

„Ich wünschte mir, die Leute würden sich wenigstens mit heimischen Tieren besser auskennen“, sagt sie. „Mich rufen panische Menschen wegen einer Ringelnatter in ihrem Garten an. Da kann ich nur sagen: Freuen Sie sich doch, dass sich dort so ein schönes Tier aufhält.“

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