„Ich habe noch Glück im Unglück gehabt“

Hans Bär will Auto via Internet verkaufen – und bekommt Faustschlag ins Gesicht

Mit einem kräftigen Faustschlag in sein Gesicht endet Hans Bärs Versuch, einen Gebrauchtwagen über das Internet zu verkaufen. „Das soll anderen nicht passieren“, warnt der Pensionär aus Groß Mackenstedt private Anbieter, die ein Auto oder andere wertvolle Dinge über Online-Marktplätze veräußern wollen. Was ihm genau widerfahren ist, schildert Bär so:

  • Hans Bär aus Groß Mackenstedt will via Internet sein Auto verkaufen.
  • Ein hartnäckiger Interessent kommt zu dem Pensionär nach Hause, um sich den Wagen anzuschauen.
  • Der „Besuch“ endet allerdings ziemlich brutal.

Gr. Mackenstedt – Der ehemalige Verkaufsleiter entschließt sich, auf ein modernes Auto mit Plug-in-Hybrid-Antrieb umzusteigen, um kurze Strecken künftig umweltschonend rein elektrisch zurückzulegen. Von seinem bisherigen Wagen, der ihn etliche Jahre lang treu begleitet und inzwischen knapp 350 000 Kilometer auf dem Tacho hat, will er sich schweren Herzens trennen. Einige gebrauchte Gegenstände hat Hans Bär schon problemlos über das Internet verkaufen können. Also entschließt er sich, seinen Mercedes Kombi auf einer Kleinanzeigen-Plattform anzubieten. Der Mackenstedter nutzt die Ruhe der Weihnachtsfeiertage, um die Verkaufsofferte für seinen Daimler online zu stellen.

OrtsteilGroß Mackenstedt
GemeindeStuhr
Einwohner3100
Postleitzahl28816

Auto-Verkauf: Große Nachfrage überrascht Groß Mackenstedter

Die große Nachfrage nach dem immerhin schon 15 Jahre alten Diesel-Auto überrascht Hans Bär. Schon am Abend des ersten Feiertages melden sich zahlreiche Interessenten per E-Mail, über Whatsapp und am Telefon. Er verabredet erste Termine, damit die Interessenten den Wagen nach den Feiertagen besichtigen.

Einer der möglichen Käufer mag sich nicht gedulden und kündigt seinen Besuch in Groß Mackenstedt über Whatsapp noch für den zweiten Weihnachtsfeiertag an. Hans Bär weist den Absender darauf hin, dass sich bereits einige Leute gemeldet hätten, die er nicht verprellen wolle, und dass er seinen Daimler nach den Feiertagen noch erst abmelden müsse. Doch der Interessent bleibt hartnäckig. „Schließlich habe ich ihm meine Adresse geschickt“, berichtet der Mackenstedter. „Das war im Nachhinein gesehen sicherlich ein Fehler“, räumt er ein. Am Abend des 26. Dezembers teilt der namentlich unbekannte Kaufwillige mit, dass er unterwegs nach Groß Mackenstedt sei und in einer Stunde ankommen werde.

Buchstäblich eine schmerzhafte Trennung: Hans Bär aus Groß Mackenstedt gibt seinen betagten Mercedes ab. Doch beim Verkauf über das Internet erlebt der Pensionär eine unangenehme Überraschung.

Auto-Verkauf in Groß Mackenstedt: Interessent kommt nicht allein

Was auch geschieht. Der Interessent, ein Mann um die 30, kommt nicht allein. Ein weiterer, etwas jüngerer Mann, bleibt im Auto der Besucher sitzen. Ein dritter, „eine Art Bodyguard“, so Bär, begleitet den Wortführer, sagt aber kaum etwas. Der Chef besteht darauf, Bärs Mercedes sofort mitzunehmen und bietet 1 500 Euro in bar – rund 1 000 Euro weniger, als sich der Mackenstedter für seinen Wagen erhofft hat, beschreibt er die für ihn äußerst unangenehme Situation. Er lehnt vehement ab. Immerhin willigt der Stuhrer ein, dass das Trio den Daimler kurz Probe fahren darf und nimmt vorsichtshalber auf dem Beifahrersitz Platz und scannt zuvor ein Ausweisdokument des Wortführers – ein Aufenthaltstitel für den Landkreis Rotenburg Wümme. Die Männer geben an, aus Kroatien zu stammen. Doch der beruflich weit gereiste Mackenstedter bezweifelt, dass sie tatsächlich aus dem EU-Land kommen.

Auto-Verkauf: Hans Bär bekommt Faustschlag ins Gesicht – Männer brausen davon

Nach Ende der Testfahrt geben die Besucher nicht nach und beharren weiterhin darauf, den Kombi sofort mitzunehmen. „Mir war nicht wohl bei dem Gedanken, und ich habe weiterhin abgelehnt“, berichtet Hans Bär. Er vertröstet die mittlerweile ungebetenen Gäste auf einen zweiten Termin nach dem Fest. Die Diskussion in der Dunkelheit vor der Garage zieht sich hin. Seiner Lebenspartnerin kommt die Sache komisch vor, und sie tritt vor das Haus. Schließlich will das Trio doch abfahren, verlangt von Bär aber noch 100 Euro – für die vergebliche Anfahrt. Der Verkäufer lehnt natürlich ab.

Dem Wortführer platzt der Kragen: Er verpasst Hans Bär einen kräftigen Faustschlag ins Gesicht. Dann brausen die drei Männer in einem älteren, silberfarbenen Mercedes mit ROW-Kennzeichen davon.

„Ich habe noch Glück im Unglück gehabt“, blickt das Opfer zurück. Es kommt mit einem riesigen blauen Fleck auf der Wange davon. Augen, Nase und Zähne bleiben heil, einen Sturz kann der Mann, immerhin Anfang 70, vermeiden. Bärs Partnerin notiert sich das Kennzeichen vom Wagen des Trios und ruft die Polizei.

Dubiose Auto-Interessenten noch nicht ermittelt

Noch hätten die Täter nicht ermittelt werden können, sagt Thomas Gissing von der Polizeiinspektion Diepholz. Ähnliche Fälle kämen immer mal wieder vor, blieben unter dem Strich aber Einzelfälle. Erst kürzlich machte sich ein Kaufinteressent – ohne zu bezahlen – mit dem Smartphone einer Frau aus dem Südkreis aus dem Staub. Sie hatte es im Internet zum Verkauf angeboten, sagt Gissing.

Für Hans Bär geht der Vorfall noch glimpflich aus. Das Hämatom hat sich zurückgebildet. Für seinen treuen alten Daimler hat er einen seriösen Käufer gefunden, der einen fairen Preis zahlt. Und in einigen Tagen steht das neue Auto vor der Tür.

Rubriklistenbild: © Peters

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