Bei Brand Cannabis-Pflanzen entdeckt

Drogenplantage in Scheune: 62-Jähriger erhält Bewährungsstrafe

Gr. Mackenstedt - Von Dieter Niederheide. Da hatten die Kräfte der Feuerwehr nicht schlecht gestaunt, als sie bei einem Einsatz in der Nacht des 12. Septembers 2016 unter dem Dach einer Scheune in Groß Mackenstedt eine Drogenplantage entdeckten.

Die Polizei stellte später 500 Cannabis-Pflanzen und 200 Stecklinge sicher. Jetzt musste sich wegen des unerlaubten Drogenanbaus ein 62-Jähriger vor dem Schöffengericht des Amtsgerichts Syke verantworten. Am Ende des Prozesses wurde er zu einem Jahr und acht Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt.

Die Staatsanwältin hatte zwei Jahre Gefängnis auf Bewährung gefordert. Sie nannte das Geschehen „einen Fall, der seinesgleichen sucht“. Der Angeklagte habe sich mit der Plantage sozusagen ein zweites Standbein aufgebaut.

In der Tat, der Angeklagte, der damals in Groß Mackenstedt lebte und inzwischen von dort weggezogen ist, räumte unumwunden ein, dass er die Plantage aufgebaut hatte, um die Ernte gewinnbringend zu verkaufen. Er habe Geld gebraucht. Die Idee sei ihm angesichts seiner finanziellen Situation gekommen – der Gerichtsvollzieher war zu diesem Zeitpunkt bereits bei ihm vorstellig geworden.

Know-how aus dem Internet

Im Internet habe er sich schlaugemacht und sich das Know-how geholt. Er investierte zunächst Geld für die notwendige Technik und erwarb für den Start für 100 Euro Stecklinge im Steintorviertel in Bremen. Er sei, so der Mann, handwerklich begabt, habe alles selber aufgebaut. Allerdings sei sein botanisches Wissen nicht ausreichend gewesen. Am Anfang sei sein Bemühen „in die Hose gegangen“. Er habe aber gehofft, dass „da noch was von wird“. Zwischen Theorie und Praxis gebe es eben auch beim Drogenanbau einen Unterschied.

Unter dem Scheunendach habe zeitweise eine „Bullenhitze“ geherrscht, klagte der 62-Jährige. Es sei auch nervig gewesen, zum Pflegen der Pflanzen die steile Stiege zum Dachboden aufzusteigen.

Seine Frau habe von seinem Tun nichts mitbekommen dürfen. Wasser hätten die Pflanzen aus der Gießkanne und einem Wasserschlauch bekommen. Über die Vertriebswege bezüglich des Handelns mit Marihuana ist dem Angeklagten, so sagte er selbst, nichts bekannt.

Angeklagter wirkt gelassen

In der Beweisaufnahme machte der Mann den Eindruck, als ob ihm nicht bewusst sei, dass er mit dem Anbau gegen das Gesetz verstoßen hatte. Er lächelte und machte kaum den Eindruck eines reumütigen Sünders.

Die Staatsanwältin hielt dem Angeklagten in ihrem Plädoyer vor, dass er ihrer Meinung nach etwas zu viel Humor an den Tag gelegt habe. Der Verteidiger führte an, dass dieser Eindruck täusche. Es sei wohl eher Selbstschutz des bisher unbestraften Mandanten.

Über die Nacht, als sein Tun bei dem Brand der Scheune aufgeflogen war, sagte der Angeklagte: „Ich hörte einen Knall und bin raus. Da nahm ich Brandgeruch wahr, es qualmte, und ich habe mit einem Feuerlöscher gelöscht.“ Aber die Feuerwehr rückte bereits an, alarmiert von einem aufmerksamen Anwohner, der den Qualm ebenfalls bemerkt hatte. Er habe sich bemüht, so der Angeklagte, die Feuerwehrkräfte davon abzuhalten, in die Scheune zu gehen. Vergebens.

Die Polizei erntete später die Pflanzen ab und ließ sie trocknen. Beim Landeskriminalamt stellte sich heraus, dass die Ernte rund fünf Kilogramm Marihuana ergab. Laut einem Polizisten war die Anlage doch recht professionell aufgebaut gewesen. Im Gerichtssaal sagte der Angeklagte: „Es tut mir leid, das kommt nicht wieder vor.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / Philipp Schulze/dpa

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