Mobilitätsgutachten vorgestellt

Ausschuss schlägt Optimierung des ÖPNV in Stuhr vor

Stuhr - Von Andreas Hapke. Der Ausschuss für Verkehr, Ordnung und Soziales hat dem Verwaltungsausschuss am Dienstagabend Vorhaben zur Optimierung des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) vorgeschlagen. Die geschätzten Kosten belaufen sich auf jährlich 175.000 Euro. Zudem regten die Politiker den Bau von „Bike & Ride“-Anlagen in allen Ortsteilen für insgesamt rund 113.000 Euro an.

Die von der Hannoveraner Planungsgemeinschaft Verkehr (PGV) erarbeiteten Bausteine sollen den Zeitraum bis zum Start der Straßenbahnlinie 8 abdecken. Sie zielen auf eine Beschleunigung und eine Angebotsverdichtung des ÖPNV ab.

Starke Ausrichtung auf Oberzentrum Bremen

PGV-Mitarbeiterin Annika Wittkowski ging auf die Fahrgastbefragungen ein, die eine starke Ausrichtung der Nutzer auf das Oberzentrum Bremen ergaben, mit den Verknüpfungspunkten Brinkum und Roland-Center. Die Nachfrage sei in den nördlichen Teilen Stuhrs stärker als in den südlichen. Aus allen Ortsteilen sei Bremen in 45 Minuten zu erreichen, von Brinkum aus in 30.

Die Angebotsverdichtung für alle Buslinien hin zu einem 30-Minuten-Takt würde 1,5 Millionen Euro, ein 20-Minuten-Takt sogar 2,9 Millionen Euro kosten, rechnete PGV-Planer Rainer Dargel vor. Deshalb könne es nur um die Optimierung ausgewählter Linien in den Hauptverkehrszeiten gehen.

Von den vorgestellten Alternativen zum Bus 55 wählten die Politiker sogenannte Verstärkerfahrten morgens und nachmittags zwischen Roland-Center und Tannenstraße. Die Betriebskosten liegen bei 64.000 Euro pro Jahr. Mit 35.000 Euro schlagen die Änderungen für die Linie 120 zu Buche, für die morgens zusätzliche Fahrten zwischen Brinkum und Bahnhof Kirchweyhe vorgesehen sind. Von dort geht der Zug Richtung Hansestadt. Voraussetzung wäre die Anpassung des Tarifs Brinkum-Kirchweyhe-Bremen an den günstigeren Tarif Brinkum-Bremen. Weitere 76.000 Euro fallen für die Aufwertung der Linie 113 an, die den Stuhrer Süden mit dem Roland-Center verbindet. Durch Auflösen der Bedienungsschleife Varrel und Führung über die Moordeicher Landstraße kämen 13 statt acht Fahrtenpaare an Werktagen zusammen.

Gesichertes Fahrradparken mit „ganz, ganz großem Stellenwert“

Für die ebenfalls angeregte Einrichtung einer Rechtsabbiegespur von der Stuhrer in die Kirchhuchtinger Landstraße an der Haferflockenkreuzung zwecks ÖPNV-Beschleunigung ist die Kostenbeteiligung der Gemeinde zurzeit nicht zu beziffern.

Die „Bike & Ride“-Anlagen waren ursprünglich kein Untersuchungsgegenstand von PGV. Doch Fahrgastbefragungen hätten ergeben, dass gesichertes Fahrradparken einen „ganz, ganz großen Stellenwert“ besitze, sagte Dargel. Seine Kollegin Wittkowski schlug den Bau von Garagen vor – mit einem Schließsystem, das die Radler etwa mit einer Chipkarte von der Gemeinde nutzen könnten.

„Nicht alles ist umzusetzen, und nicht von uns allein“, sagte der zuständige Fachbereichsleiter Hartmut Martens. Der Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen und der Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen etwa sitzen mit im Boot. Laut Dargel fördert das Land seit diesem Jahr Buslinien in Mittelzentren ohne Straßenbahnanschluss. Dies treffe auf Stuhr zu.

Nach Ansicht von SPD-Ratsherr Rolf Meyer bewegen sich die Kosten „im Rahmen. Das ist finanzierbar“. Als „Vielradfahrer“ leuchte ihm der „Bike & Ride“-Ausbau ein. Die angenommenen Fahrzeiten der Busse hingegen, speziell die 30 Minuten nach Bremen, seien theoretischer Natur. „Das sind morgens und abends bis zu 50 Minuten.“

„Bike & Ride“ als Attraktivitätsoffensive

Die „Bike & Ride“-Anlagen nannte Bernhard Helmerichs (Grüne) eine „Attraktivitätsoffensive“. Es sei wichtig, die „Komfort- und Sicherheitsansprüche der Bürger“ zu treffen. Frank Schröder (CDU) forderte, alle Zuschussmöglichkeiten auszuschöpfen. „Besser“-Ratsherr Gerd-W. Bode sah ein „im Großen und Ganzen überzeugendes Konzept“. Nur mit den Aussagen zur Taktung hatte er ein Problem: „Es soll ja nicht jeder Bus in 20-Minuten-Abständen fahren, die Linie 55 schon.“ Jürgen Timm (FDP) zweifelte an der Umsetzung von „Bike & Ride“-Möglichkeiten in Brinkum: „Wo soll denn der Bau auf dem Parkplatz des Hotels Bremer Tor (künftiger Standort der Bushaltestellen, die Red.) stehen?“

Rubriklistenbild: © dpa

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