Podiumsdiskussion zu Adelante 1.0 /

„Man kann sich im Ausland viel schneller entwickeln“

Stuhr - Von Andreas Hapke. Adelante 1.0 ist Vergangenenheit. Das Projekt, das spanischen Fachkräften die Anerkennung ihrer Berufsausbildung in Deutschland ermöglichen sollte, hat seine Feuertaufe bestanden. Von den anfangs zwölf Teilnehmern sind acht am Ball geblieben und haben am Donnerstag im Stuhrer Ratssaal ihre Urkunden bekommen.

Marc Oliver Schneider, Geschäftsführer des Projektträgers Practigo, sprach von einer „guten Quote“ – auch wenn sich die Hoffnung auf eine langfristige Zusammenarbeit nicht für alle Unternehmen erfüllt hat. Immerhin bleiben sechs der Absolventen in Deutschland, um sich eine berufliche Zukunft aufzubauen. Zwei Spanier kehren zunächst in ihre Heimat zurück – laut Practigo aber mit der Perspektive, in naher Zukunft wieder nach Deutschland zu kommen.

Hinter den Spaniern liegen knapp eineinhalb Jahre, in denen sie sich zunächst in der Heimat sprachlich vorbereitet sowie – ab Oktober 2017 – ein zweimonatiges Praktikum und ihre betriebliche Qualifizierung in Stuhr absolviert hatten. Trotz des ambitionierten Zeitplans wollte sich Román Cobo Gago diese Chance nicht entgehen lassen, wie er in der von der Bremer Hochschulprofessorin Martina Harms moderierten Podiumsdiskussion erklärte. „Ich wollte nach meinem Studium Erfahrungen im Ausland machen“, sagte er. In Spanien sei das inzwischen normal. 50 Prozent seiner Freunde würden ihr Glück außerhalb Spaniens suchen. Christina Marugán von der Außenstelle der spanischen Botschaft in Düsseldorf bestätigte das: „Die jungen Leute sehen den Arbeitsmarkt in der Europäischen Union als einen einzigen Arbeitsmarkt.“

„Ich habe einen super Eindruck bekommen“

„Es war nicht einfach, aber ich habe einen super Eindruck bekommen“, lautete das Fazit von Cobo Gago zu seiner Anpassungsqualifizierung bei der Firma Kasper Elektronik. Das Unternehmen in Groß Mackenstedt hat den studierten Maschinenbauingenieur gerne übernommen. Er habe drei Söhne im Alter von Román Cobo Gago, sagte Firmenchef Thomas Kasper. „Für mich war das keine Frage, ihn bei uns aufzunehmen.“ Eigentlich sollte Román in dem Betrieb den deutschen Abschluss des Industrie-Mechanikers erwerben. „Doch wir haben ihn eher als Technischen Produktdesigner gesehen.“ Die Firma ist laut Kasper weltweit tätig und hat auch Kunden in Spanien. Verbesserungsvorschläge für Adelante fielen ihm nicht ein. „Bei uns hat alles super geklappt.“

„Man kann sich im Ausland viel schneller entwickeln, beruflich und persönlich“, stellte Román Cobo Gago fest. Ein Jahr im Ausland sei wie zwei oder drei Jahre in Spanien.

„Sie können gerne noch Landleute hierherholen“, rief ihm Constantin von Kuczkowski, Syker Geschäftsstellenleiter der Industrie- und Handelskammer, zu. Das Projekt müsse Folgeprojekte nach sich ziehen. „Die Menschen sind unkompliziert nach Deutschland gekommen. Vor 40 Jahren wäre das undenkbar gewesen.“ Sein einziger Wunsch sei, Adelante stärker in den Landkreis hineinzutragen. Sprich: auch Firmen aus dem Südkreis zu gewinnen. Bei der Premiere hatten ausschließlich Stuhrer Firmen teilgenommen.

„Mut, andere Wege zu gehen“

„Die Firmen hier haben den Mut gehabt, andere Wege zu gehen“, sagte Wirtschaftsförderer Lothar Wimmelmeier. Der eine oder andere Betrieb habe vielleicht eine schwierige Hürde gesehen. „Aber sie haben es einfach gemacht.“ Adelante nannte er einen „kleinen Baustein“ im Kampf gegen den Mangel an Nachwuchskräften.

Es gibt nicht überall so innovative Unternehmen wie in Stuhr, stellte Horst Schmidt von der Wirtschaftsförderung des Landkreises Diepholz fest. „Vielleicht war aber auch die Not noch nicht groß genug.“ Für weitere Projekte hoffe er auf einen Nachahmeffekt.

Guido Klemm vom Internationalen Personal Service der Bundesagentur für Arbeit wertete acht Abschlüsse als Erfolg, forderte aber auch, künftig Teilnehmer mit einem höheren sprachlichen Level nach Deutschland zu holen. „Wir müssen die Vorarbeit im Herkunftsland verbessern.“

Christina Marugán wünschte sich, das Projekt auf andere Bereiche zu übertragen. In diesem Punkt ist Stuhr schon einen Schritt weiter. Im Rahmen von Adelante 2.0 arbeiten bereits spanische Sozialassistentinnen in den Kitas der Gemeinde (wir berichteten). Für gewerbliche Berufe startet Adelante 2.0 im Frühjahr kommenden Jahres.

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Trump kündigt Sanktionen gegen Türkei an

Trump kündigt Sanktionen gegen Türkei an

Lange Haft für Kataloniens Separatistenführer

Lange Haft für Kataloniens Separatistenführer

CDU: Staat braucht besseren Zugriff auf Daten im Internet

CDU: Staat braucht besseren Zugriff auf Daten im Internet

Das Möbel für den letzten Weg kann man auch selber basteln

Das Möbel für den letzten Weg kann man auch selber basteln

Meistgelesene Artikel

Meldung: Dreijähriger verschwunden - Polizei-Großeinsatz in Sulingen

Meldung: Dreijähriger verschwunden - Polizei-Großeinsatz in Sulingen

Lebensgefahr oder nicht? Im Zweifel lieber die Notruf-Nummer 112 wählen

Lebensgefahr oder nicht? Im Zweifel lieber die Notruf-Nummer 112 wählen

Junger Autofahrer stirbt bei Frontalcrash mit Baum

Junger Autofahrer stirbt bei Frontalcrash mit Baum

Frontalcrash in Drentwede: Drei Menschen verletzt

Frontalcrash in Drentwede: Drei Menschen verletzt

Kommentare