Christdemokraten erreichen nur 8,44 Prozent

Juniorwahl: CDU stürzt an der KGS Brinkum ab

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Ein Fazit zur Juniorwahl ziehen die Schüler der Demokratiewerkstatt, die die Abstimmung an der KGS Brinkum organisiert hat.

Brinkum - Die etablierten Volksparteien stehen bei den Schülern der achten bis elften Jahrgänge an der KGS Brinkum nicht hoch im Kurs. Dies zeigen die Ergebnisse der Juniorwahl, die die Demokratiewerkstatt der Klasse R9b an ihrer Schule organisiert hatte. Die CDU kam gerade mal auf 8,44, die SPD auf 17,59 Prozent. Als klarer Sieger gehen die Grünen aus der Europawahl des Nachwuchses hervor: Sie erreichten 33,57 Prozent.

Das Brinkumer Ergebnis spiegelt den bundesweiten Trend wider. 2 760 Schulen hatten teilgenommen, 33,9 Prozent der Schüler sich für die Grünen entschieden. Auch die CDU-Pleite ist keine Stuhrer Besonderheit (bundesweit 8,7 Prozent). Anders sieht es bei der SPD aus, die insgesamt nur auf 12,2 Prozent kam, sowie bei „Die Partei“, die 10,05 Prozent in Brinkum und 6,7 Prozent im Bund holte.

„Die Rechtspopulisten haben bei uns keine Rolle gespielt“, freut sich Heinrich Warneke, der die Demokratiewerkstatt im Auftrag der Volkshochschule betreut. Die AfD lag bei 2,8, die NPD bei 1,4 Prozent. Angetan zeigt sich Warneke auch von der Ernsthaftigkeit, mit der die Schüler diese Wahl angegangen sind. Vier ungültige gegenüber 557 gültige Stimmen: „Das ist unter ein Prozent. Die Jugendlichen haben Interesse an Demokratie.“ Warneke ist guter Dinge, dass das so bleibt: „Wenn jemand zum ersten Mal wählt, prägt sich das ein.“

Die Wahlbeteiligung lag bei 74,6 Prozent, 78,4 waren es bundesweit. Für Aman (15) ist das keine Überraschung: „Die Juniorwahl ist wichtig. Die Erwachsenen sagen oft, dass wir keine Ahnung haben. Unsere Meinung interessiert die nicht so sehr.“ Die 15-jährige Rayan pflichtet ihm bei: „Das ist auf jeden Fall sinnvoll. Man sammelt Erfahrung für spätere Wahlen, und die Älteren sehen, was wir denken.“

Deshalb findet Ali (15) nicht nur die Teilnahme an der Juniorwahl gut, sondern auch das gestrige Pressegespräch: „Wenn das in die Zeitung kommt, bekommen die Leute die Meinungen der Jugendlichen mit. Warum wählen wir die Grünen?“, fragt Ali – um selbst die Antwort zu geben: „Wegen der Zukunft. Unsere Zukunft dauert noch etwas länger als die der älteren Menschen.“

Vor dem Wahltag waren die Teilnehmer der Demokratiewerkstatt durch die Schule gegangen und hatten die Klassen acht bis elf über die Juniorwahl informiert. „Das war wichtig“, erzählt Aman. „Viele Schüler wussten gar nicht, dass es die Juniorwahl gibt, obwohl sie schon mal teilgenommen hatten.“

Geht es nach den Schülern der R9b, war für das schlechte Abschneiden der Christdemokraten nicht das Video „Die Zerstörung der CDU“ des Youtubers Rezo ursächlich. „Das Video hat meine Meinung nicht geändert, ich habe aber ein paar Argumente darin gefunden“, sagt Angelo (15). „In dem Video gab es ein paar beeinflussende Themen und gute Belege“, berichtet Mathis (15). „Aber die CDU wollte ich auch vorher nicht wählen.“ So sahen es auch Joel und Tjorven (beide 15). Insgesamt hatte ein halbes Dutzend Schüler das Video vor der Wahl gesehen.

Etwa die Hälfte der Werkstatt gab an, dass Klimawandel und Umweltschutz eine große Rolle für ihre Entscheidung gespielt hätten.

Ob einer der Schüler nun zum Stammwähler einer Partei werden könnte, will Warneke wissen. „Das hängt davon ab, was die Parteien machen“, antwortet Ali. „Kann sein, dass die Grünen im nächsten Jahr etwas sagen, was mir gar nicht gefällt.“

Dass sie bei der Europawahl nur ein Kreuz machen durften, fanden die meisten Schüler eher hilfreich. Lediglich ein Junge bemerkt, dass er eine weitere Stimme gerne der SPD gegeben hätte.

Wie die Schüler den Ablauf des Wahltages empfunden haben, interessiert ihre Lehrerin Kathi Kowalzik. „Wir konnten alles selber managen, man hat sich auch wichtig gefühlt“, stellt Finja (15) fest. Sie könne sich vorstellen, später mal als Wahlhelferin mitzumachen. Die 15-jährige Lyann würde vielleicht sogar in die Politik gehen. „Warum nicht, wenn man ein Ziel hat und das wirklich erreichen möchte? Ich würde mich mehr um die Umwelt kümmern.“

Mit dem 16-jährigen Simon durfte nur einer der Schüler bereits an den „echten“ Wahlen vor knapp drei Wochen teilnehmen. „Das war schon ein besonderes Gefühl“, sagt er. Er wolle am kommenden Sonntag auf jeden Fall auch zur Bürgermeister-Stichwahl gehen.

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