Strähnchen statt Dauerwellen

In Seckenhausen endet die Ära der Friseurfamilie Weingartz

Für Heino Weingartz und Irene Neddermann endet die Zeit im Salon, für Alexandra Lanfermann (l.) fängt sie an. - Foto: Ehlers, privat

Seckenhausen - Von Katharina Schmidt. Heino Weingartz öffnet seinen Friseursalon in Seckenhausen morgen zum letzten Mal. Mit 72 Jahren verabschiedet er sich in den Ruhestand. Die Tür des Ladens an der Hauptstraße 45 bleibt allerdings nicht lange verschlossen. Alexandra Lanfermann übernimmt die Räume, renoviert sie und eröffnet den Salon am 1. Juli unter dem Namen „Alex and Friends“ neu.

Der Name Weingartz ist in Seckenhausen seit Jahrzehnten mit dem Friseurhandwerk verknüpft. Dabei nahm die Geschichte mehr als 200 Kilometer entfernt in Essen ihren Anfang. Dort sollte der junge Paul Weingartz am Ende der 1920er-Jahre nicht wie die anderen Männer der Familie Bergmann werden. Dank eines Kriegskameraden seines Vaters bekam er eine Friseur-Lehrstelle. „Aber so recht Geld verdienen konnte er damit nicht“, sagt Heino Weingartz heute über den Werdegang von Paul Weingartz – seinem Vater. Dieser sei daher zur Wehrmacht gegangen.

Später lernte Paul Weingartz seine spätere Frau kennen, zog nach Stuhr und bekam mit ihr Kinder. „Da es keinen Friseur in Seckenhausen gab, hat es sich rumgesprochen, dass er Haare schneiden kann“, erzählt Heino Weingartz. Zu Anfang ist sein Vater von Haus zu Haus gegangen, um seinen Lehrberuf auszuüben. Seinen ersten Salon hat Paul Weingartz 1950 an der Adresse Hallenhausen 31 hergerichtet. 23 Jahre später zog er mit seinem Geschäft an die Hauptstraße 56a. Dort arbeitete er bis zu seinem Tod im November 1977.

Seinen ersten Salon richtete Weingartz an der Hauptstraße 66 ein.

Heino Weingartz übernahm anschließend den Posten als Seckenhauser Friseur von seinem Vater. „Es stand immer fest, dass ich Friseur werden wollte“, erzählt er. 1959 hatte er eine Lehre in Heiligenrode begonnen, sich später den Meisterbrief verdient und unter anderem auf Kreuzfahrtschiffen frisiert. Er eröffnete im März 1978 an der Hauptstraße 66 seinen ersten Salon. Lange hielt es ihn in dem Gebäude nicht. „Ich wollte immer was Eigenes. Aber den Laden konnte ich nicht kaufen.“ Durch eine Kundin kam er an ein altes Bauernhaus, das er umbaute – zum jetzigen Salon an der Hauptstraße 45. Im Sommer 1985 begrüßte er dort die ersten Kunden. Zeitweise hatte er sieben Angestellte. Zuletzt bildete Weingartz mit seiner Schwester Irene Neddermann ein Zweierteam.

„Früher gab es auch noch keine Strähnchen“

Der Friseur erlebte nicht nur personelle Veränderungen. „Die klassische Dauerwelle ist rapide zurückgegangen“, erinnert er sich. Es habe einst Tage gegeben, an denen er elf Dauerwellen gemacht habe. Heute seien es vielleicht elf pro Woche. „Früher gab es auch noch keine Strähnchen.“

Bei dem Gedanken an diese vergangenen Zeiten schmunzelt die neue Salon-Chefin Alexandra Lanfermann. Dass sie und Heino Weingartz zueinandergefunden haben, war Zufall. „Es hat sich herumgesprochen, dass ich aufhören will“, sagt Weingartz. Lanfermann ergänzt: „Da habe ich den Zeigefinger in die Luft gehoben.“ Sie will den Salon „jünger und frischer“ gestalten.

Alexandra Lanfermann ist 37 Jahre alt, kommt aus Ahlhorn, lebt seit drei Jahren in Leeste und ist Mutter von zwei Kindern. Mit dem Salon wagt die Friseurin den Schritt in die Selbstständigkeit. Ein Angestellter unterstützt sie dabei. Außerdem hat Weingartz seiner Nachfolgerin angeboten, ab und zu auszuhelfen.

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