Zwei Paare haben vier Junge in der Gemeinde aufgezogen

Störche als Indikator für ein intaktes Ökosystem

Futter für den Nachwuchs: In den Nistplätzen in Blocken und Kladdingen sind vor einigen Wochen insgesamt vier Störche zur Welt gekommen. - Fotos: Nabu

Stuhr - Von Sandra Bischoff. Sowohl im Horst an der Blockener Straße als auch an der Kladdinger Straße hat es Nachwuchs gegeben: Vier junge Störche sind in diesem Jahr in Stuhr zur Welt gekommen, wie der Umweltbeauftragte Marc Plitzko und Hilmer Schumacher vom Naturschutzbund (Nabu) berichten. Nun hoffen die beiden Männer, dass sich im kommenden Jahr für die beiden weiteren Nistplätze bei der Feuerwehr am Brunnenweg sowie in der Brinkumer Marsch Paare zum Brüten einfinden.

Während Hilmer Schumacher nicht das erste Mal Nachwuchs in dem Horst auf seinem Hof an der Blockener Straße zu Gast hat, haben die Tiere auf dem Hof Hollmann in Kladdingen Premiere gefeiert. „Wir sind sehr froh, dass wir mit den vielen Jungstörchen in Stuhr so erfolgreich sind“, sagt Schumacher. Als Zeichen des Klimawandels wertet er die frühe Rückkehr der Vögel aus ihren Winterquartieren. „Mittlerweile besetzen sie ihre Horste schon Mitte Februar, sonst war es Anfang März. Und ganz früher sagte man, dass die Störche am 16. April zurück sind.“

In der Regel steuern die Tiere den Horst aus dem Vorjahr wieder an. Oft hätten die Paare auch keinen Bruterfolg. „Vergangenes Jahr ist zum Beispiel nichts in Kladdingen passiert, aber dafür gab es drei Jungtiere auf meinem Hof“, sagt der Storchenbeauftragte des Nabu.

Ein Junggeselle habe in dieser Saison bei den Pärchen „Unruhe gestiftet“. Schumacher hofft, dass sich für ihn 2017 ein Weibchen findet.

An der Blockener Straße weisen Verkehrsschilder zurzeit auf junge Störche hin.

Stuhr sei für Meister Adebar wieder ein attraktives Gebiet. „Die extensiv bewirtschafteten Flächen locken die Störche an“, sagt Marc Plitzko. In den 1990er-Jahren habe die Gemeinde das Feucht-Grünlandprogramm aufgelegt, nachdem der Storchenbestand in Niedersachsen im Jahr 1988 mit 217 Paaren seinen Tiefststand erreicht hatte. Im vergangenen Jahr zählten Niedersachsen und Bremen 772 in Freiheit lebende Paare sowie 1 497 Jungtiere. Die Gemeinde fördert mit dem Programm eine begrenzte Zahl von Landwirten, damit diese einen Teil ihrer Flächen extensiv bewirtschaften können. „Das hilft, eine vielfältige Vegetation zu entwickeln“, sagt der Umweltbeauftragte. Und das Interesse der Bauern sei groß.

So hoffen er und der Nabu-Experte auch, dass sich ein Storchenpaar im kommenden Jahr des Horstes am Brunnenweg annimmt und sich Richtung Kronsbruch und Silbersee orientierten, wo es genug Nahrung für sie gebe.

„Wenn Störche da sind, dann sind auch andere Tiere da, nicht nur Amphibien, sondern auch Kleintiere wie Mäuse. Störche sind quasi ein Indikator für ein intaktes Ökosystem“, sagt Plitzko.

Das erste Ei habe am 1. oder 2. März im Nest auf seinem Grundstück gelegen, sagt Schumacher. Die Brutdauer beträgt 30 bis 32 Tage. Die Jungen brauchen etwa neun Wochen, bis sie flügge werden. Begeistert erzählt er von den ersten Flugversuchen der Jungtiere. „Das zu beobachten, ist toll. Es gibt zwar einige Bruchlandungen bei den Flugstunden, aber sie lernen schon nach wenigen Tagen, die Thermik zu nutzen, das zeigen ihnen ihre Eltern.“

Damit es nicht zu Zusammenstößen mit motorisierten Verkehrsteilnehmern kommt, hat die Gemeinde im vergangenen Jahr erstmals Warnschilder an der Blockener Straße aufgestellt, gekoppelt an eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 Kilometer pro Stunde. „Besonders Motorradfahrer nehmen die Schilder sehr ernst“, hat Schumacher beobachtet.

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