Mehr Vieh keine erstaunliche Entwicklung

Statistik über Milchkühe ohne Aussagekraft

Die Zahl der Milchkühe ist in Niedersachsen gestiegen. Vielleicht sind einige einfach nur nicht verkauft worden. - Foto: dpa

Stuhr - Von Andreas Hapke. Die Zahl der Milchkühe ist in Niedersachsen entgegen dem Bundestrend zwischen Mai 2015 und Mai 2016 um zwei Prozent auf rund 869.000 gestiegen, hat das Landesamt für Statistik jetzt mitgeteilt. Und: Der Milchkuhbestand hat damit trotz der niedrigen Milchpreise um fast 17 400 Tiere angezogen. In Deutschland sank die Anzahl der Milchkühe im gleichen Zeitraum um 0,3 Prozent auf knapp 4,3 Millionen Tiere.

Was auf den ersten Blick erstaunlich daherkommt, nämlich mehr Milchkühe bei sinkenden Preisen, spiegelt nach Einschätzung des Stuhrer Landwirts Lars Nordbruch keinerlei unternehmerische Entscheidung wider. Zumindest nicht in dem Sinne, dass die Bauern ihren Bestand in der Krise bewusst aufgestockt haben.

Nordbruch ist Vorsitzender des Landvolks Mittelweser in Syke. Er sagt: „Der Tiefpunkt des Preisverfalls ist im März dieses Jahres gekommen. Dann erst haben die Landwirt auf die neue Situation reagiert.“ Soll heißen: Konsequenzen, welcher Art auch immer, sind nicht in einen Zusammenhang mit den genannten Zahlen zu bringen.

Herfried Rohde von der Außenstelle Sulingen der Landwirtschaftskammer spricht von „saisonalen Effekten, die auch schnell wieder verpuffen können“. In Zeiten des Abschwungs stocke auch der Zuchtviehexport in die EU- und die Drittländer. „Wenn Landwirte auf Auktionen zwischen 600 und 700 Euro weniger für ihre Tiere erzielen, dann überlegen sie sich schon, ob sie sie nicht länger in ihrem Stall stehen lassen.“ Dadurch steige der Milchviehbestand gegenüber dem Vorjahr automatisch, ohne dass neue Kühe hinzugekommen seien.

Einen ähnlichen Erklärungsansatz hat Landwirt Lars Beneke, der mit seinem Vater Reinhard einen Betrieb mit rund 200 Milchkühen in Eggesee (Groß Mackenstedt) unterhält: „Einige Landwirte selektieren ältere Tiere schärfer aus und behalten dann die Nachzucht, statt sie zu verkaufen.“ So haben es auch die Benekes gehalten. „Statistiken sind halt Interpretationssache“, sagt Beneke.

„Tal ist noch nicht durchschritten“

Inzwischen beobachtet Landwirt Nordbruch eine Trendwende beim Milchpreis: „Das Tal ist noch nicht durchschritten, aber die Erlöse steigen centweise, und die Stimmung wird wieder positiver.“ Gleichwohl hat er seine Konsequenzen aus dem immer wiederkehrenden Dilemma des Milchpreisverfalls gezogen und seinen Betrieb „auf links gedreht“, wie er es nennt. Ab September 2017 produziert er nur noch Biomilch. So lange dauere es noch, bis die Flächen Biofutter abwerfen und sich die Kühe umgestellt haben.

„Eigentlich gibt es zurzeit keine Biomolkerei, die Betriebe aufnimmt. Der Markt ist begrenzt“, erklärt Nordbruch. Dass er einen Partner gefunden habe, sei ein Glücksfall.

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