„Ein Notprogramm jagt das nächste“

Dilemma für Brinkumer Sport-Abiturienten: Nur eingeschränkte Vorbereitung an KGS

Bauzäune stehen in der Halle 1 der KGS Brinkum.
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So etwas kommt dabei heraus, wenn man die KGS-Halle 2 nach dem Brandschaden bald ohne Umkleiden öffnet: Mit Bauzäunen wird den Schülern der Weg aus Halle 2 zu den Umkleiden der gesperrten Halle 1 (Eingänge links im Bild) gewiesen.

Sport an weiterführenden Schulen ist zurzeit auf die Abschlussjahrgänge beschränkt, so auch an der KGS Brinkum. Alle 14 Tage dürfen sich die Jugendlichen in halber Klassenstärke in der Turnhalle bewegen, allerdings ohne Körperkontakt. Für die Sport-Abiturienten sind das besondere Einschränkungen.

  • Bis auf Weiteres ist Sportunterricht auf Schüler aus Abschlussklassen beschränkt
  • Jugendliche können sich nicht adäquat auf ihr Sport-Abi vorbereiten
  • An der KGS Brinkum sind geschlossene Hallen ein zusätzliches Problem

Brinkum – Sportlehrer Frank Ostersehlt sitzt im Eingangsbereich der Sporthalle des FTSV Jahn Brinkum an der Birkenstraße und weiß gar nicht, über welchen Missstand er zuerst berichten soll. Über den Hallenboden nebenan huschen einige wenige Schülerinnen und Schüler einer Abschlussklasse des Realschulzweigs der KGS Brinkum. Und eigentlich spiegelt sich darin schon das ganze Dilemma wider. Sport im Sinne von Bewegung ist zurzeit nur wenigen Kindern und Jugendlichen vorbehalten.

Nach der „Drei-Phasen-Perspektivplanung für Kita und Schule“ des Landes Niedersachsen haben an der KGS lediglich die Abschlussklassen des Haupt- und Realschulzweigs sowie der Abiturjahrgang (Q2) des Gymnasiums Präsenzunterricht im Szenario B. Also Unterricht für die Hälfte der Klassen im wöchentlichen Wechsel.

Wettkämpfe fallen aus

Alle 14 Tage körperliche Ertüchtigung in Kleingruppen: Fachbereichsleiter Ostersehlt blutet das Herz, aber nicht nur deshalb. Wettkämpfe zum Beispiel haben an der Schule eine lange Tradition. Seit 1975 lädt die KGS zu einem Fußballturnier ein, laut Ostersehlt war der Ablauf für die 45. Auflage im vergangenen Jahr schon ausgedruckt. Doch dann musste die Veranstaltung coronabedingt ausfallen, ebenso wie der Leistungsvergleich „Jugend trainiert für Olympia“. „Das ist auch für die Schüler eine Riesenenttäuschung. Nach Corona fangen wir damit wieder von vorne an, wie eine Schule im Aufbau“, befürchtet Ostersehlt. Auf die Sportvereine habe die Entwicklung ebenfalls Auswirkungen: „Denen haben wir über unseren Leistungssport Jugendliche zugeführt.“

Mit besonderen, coronabedingten Einschränkungen müssen zurzeit die Sportabiturienten leben, die normalerweise zwei praktische Prüfungsfächer haben: eine Individual- und eine Mannschaftssportart. In diesem Jahr werden sie zwar ausnahmsweise nur in einer Sportart geprüft. „Doch sie können sich nicht adäquat vorbereiten. In der Schule haben sie nur alle 14 Tage Training, in ihren Vereinen zurzeit gar nicht“, sagt Ostersehlt. Seiner Auskunft nach haben sich die Jugendlichen für Basketball, Handball, Fußball sowie Turnen, Schwimmen, Leichtathletik und Inlineskating entschieden. Die Schüler würden zurzeit bevorzugt Individualsportarten wählen.

Sprechzeiten können in Zeiten von Corona manche Verwirrung beseitigen: Frank Ostersehlt, Fachbereichsleiter Sport an der KGS Brinkum, hält daran fest.

Beschränkung auf Technikübungen

Im Mannschaftssport, fügt Ostersehlt hinzu, würde das Training nicht den jeweiligen Prüfungssituationen entsprechen: „Kontakt ist verboten, wir beschränken uns hauptsächlich auf Technikübungen.“ Im Abitur selbst sollen die Schüler dann gegen eine Mannschaft aus ihrem Jahrgang spielen. Beim Turnen dürfen die Sportlehrer laut Ostersehlt wegen der Abstandsregel keine Hilfestellung geben. „Schwimmen wäre easy, wenn wir in ein Schwimmbad dürften“, sagt der Sportlehrer und hofft auf die Zeit nach Ostern.

Für Inlineskating, das bei den Schülern als Prüfungsfach sehr beliebt ist, bräuchte man nur eine Halle. Doch das ist in Brinkum leichter gesagt als getan. Halle 1 der KGS ist seit November 2019 wegen baulicher Mängel gesperrt, Halle 2 seit Oktober vergangenen Jahres nach einem Brandschaden. „Und wenn ich mit den Inlinern in die Halle 3 (so nennt Ostersehlt die FTSV-Halle an der Birkenstraße, die Red.) gehe und den Boden ruiniere, dann gibt es Ärger.“ Bislang hätten die Schüler nicht für ihre Prüfung üben können. Jetzt setzt Ostersehlt auf die Turnhalle an der Jahnstraße als Ausweichmöglichkeit.

„Sport für 1600 Schüler wäre gar nicht möglich“

Damit bleibt Leichtathletik die einzige Sportart, die zurzeit wie gewohnt und ohne Probleme in der Halle über die Bühne gehen kann. Draußen als zusätzliche Option wäre auch nicht schlecht, doch die Plätze dürften nach der jüngsten Frostperiode noch eine Weile zur Regeneration benötigen. Davon sind auch die Fußballer betroffen.

Das alles liest sich wie ein großes Durcheinander. Oder wie Ostersehlt es formuliert: „Ein Notprogramm jagt das nächste. Wenn wir jetzt aus dem Lockdown kommen würden, wäre Sport für 1 600 Schüler gar nicht möglich.“

Sport an der KGS Brinkum bleibt vorerst schwierig

Immerhin: Die KGS-Halle 2 soll bald wieder zur Verfügung stehen, wobei die nächsten Einschränkungen schon programmiert sind. „Die Umkleiden können wir vorerst nicht nutzen. Dafür müssen wir rüber in die KGS-Halle 1, die ja ansonsten tabu ist.“ Den Gang dorthin hat die Gemeinde mit Bauzäunen abgesperrt. „Damit niemand auf die Idee kommt, Sport in Halle 1 zu treiben“, vermutet Ostersehlt.

Auch das hört sich irgendwie nach Notprogramm an. Schulsport in Brinkum, ob während oder außerhalb der Pandemie – er bleibt vorerst schwierig.

Damit die Schüler noch durchblicken, hält Ostersehlt an seinen Sprechstunden aus Vor-Corona-Zeiten fest. „Die werden rege genutzt, von den Sek-II- mehr als von den Sek-I-Schülern“, sagt der Fachbereichsleiter. Am häufigsten gehe es um Kurswechsel und Wahlmöglichkeiten.

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