Spontane Idee auf Bierdeckel festgehalten

Stiftung der Stehtisch-Kartenspieler feiert 20-Jähriges

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Die Stiftungsrunde mit (v.l.) Herbert Bielefeld, Arnold Pleus, Jonny Klusmeyer, Ewald Grannemann, Heinz-Dieter Wilken, Heinz Henke und Hans Riemke.

Malsch - Von Angelika Kratz. Ein Bierdeckel hält nicht nur überschäumende Flüssigkeiten fest und per Strichcode die spätere Rechnung, sondern ist auch wunderbar als Notizblock für spontane Ideen geeignet. So geschah es vor 20 Jahren an einem Kartenspielertisch in der Malsch.

„Beim Frühschoppen des Schützenfests wurde schon immer gerne um alles Mögliche gewettet“, erinnert sich der ehemalige Vorsitzende der Freischützen Malsch, Ewald Grannemann, mit einem wissenden Lächeln. Herbert Bielefeld sammelte immer die Bierdeckel mit den Wetteinsätzen ein. Skat wurde traditionell an den Stehtischen gespielt. „Das spenden wir“, meldete sich plötzlich Heinz-Dieter Wilken beim Anblick von 3,19 Mark zu Wort. In Geberlaune rundete Jonny Klusmeyer auf fünf Mark auf. In der fröhlichen Gruppe mit Jonny Klusmeyer, Heinz-Dieter Wilken, Klaus Marschallek, Arnold Pleus, Herbert Bielefeld, Heinz Henke, Fredi Schierenbeck, Hans Riemke und Ewald Grannemann ging es am inoffiziellen Gründungstag der „Stiftung der Stehtisch-Kartenspieler“ am 20. Juli 1997 auf einmal hoch her.

Grundstock von 1000 Mark

Das Wetter war gut, Metzgermeister Hans Müller hatte für das entsprechende Essen gesorgt, und für die Stiftungsidee wurde schließlich mit stolzen 145 Mark die Basis gelegt. Die Männer übergaben Grannemann das Geld und ernannten ihn zum Verwalter und Geschäftsführer der Stiftung. Alles mit einem Schmunzeln, denn offiziell ist die Stiftung bis zum heutigen Tage nicht anerkannt worden.

Bierdeckelbekenntnisse sind bekanntlich Ehrensache, und so kam es am 1. März 1998 im gemütlichen Partykeller des Verwalters Grannemann zu einer sehr wichtigen „Verwendungsversammlung“ für die 145 Mark. Die Männerrunde war sich einig, einen Grundstock von 1 000 Mark anzusparen. Der war als finanzielle Hilfe gedacht, sollte mal eine Familie unverschuldet in Not geratene. Diese Situation gab es in Heiligenrode zum Glück nie.

Die Männer treffen sich weiterhin ein Mal pro Jahr in Grannemanns Partykeller in Groß-Mackenstedt. Dann wird die „Kohle“ auch ohne Wetten oder Kartenspielen auf den Tresen gelegt, bevor angestoßen wird. Bis heute bereitet Ehefrau Ingrid beim sonntäglichen Frühschoppen im Januar noch die guten „Schnittchen“ zum traditionellen „Barre-Bräu“ zu.

Unterstützung der Sozialstation

Das gesparte Geld hat bislang der Sozialstation Stuhr kleine, aber notwendige und nicht im eigenen Haushaltsplan vorgesehene Anschaffungen beschert. So wurde in den vergangenen Jahren mal mit 250 Euro, mal mit 300 oder 400 Euro Blutdruckmessgeräte, Anziehhilfen für Kompressionsstrümpfe und Fleecejacken mit dem Logo der Sozialstation finanziert.

Hinter den bisherigen Spenden von 1500 Euro steht der Gedanke der Dankbarkeit, denn nicht nur im Hause Grannemann war die Hilfe der Sozialstation für Angehörige schon notwendig. Stets bekommt Ewald Grannemann von der Einrichtung eine detaillierte Auflistung dessen, was sie mit dem Geld angeschafft hat. Der persönliche Kontakt wurde bereits vor Jahren mit einem Besuch der Station gefestigt. Die jüngste Spende ist für neue Kittel gedacht, denn das Budget der Sozialstation ist überschaubar.

Zukunft des Stiftungs-Sparbuches noch ungewiss

„Es ist ein gutes Gefühl, wenn wir uns alle treffen“, berichtet Ewald Grannemann, auch wenn altersbedingt schon so manche Lücke enstanden sei. Neue Mitglieder wollen die Stehtisch-Kartenspieler, die inzwischen lieber auf Barhockern über Gott und die Welt reden, nicht aufnehmen. Einmal sei der damalige Bürgermeister Cord Bockhop mit dabei gewesen, und entsprechend lang hätte sich der sonntägliche Frühschoppen hingezogen. Mit den verständnisvollen Ehefrauen ging es gelegentlich auf Ausflüge. „Aber alles aus eigener Tasche finanziert und nicht aus dem Spendentopf“, betont Grannemann.

Der Bierdeckel als Beweismittel ist leider nicht erhalten geblieben. Dafür zeugt das Sparbuch bei der Volksbank über die Einzahlungen seit 20 Jahren, jede einzelne Überweisung hat Grannemann aufgehoben. Was eines Tages mal mit dem Grundstock der Stiftung passieren soll, ist ungewiss. Aber die ehemaligen Stehtisch-Kartenspieler werden dafür sicherlich eine Lösung finden.

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