Maritim angehauchtes Programm des Capstan Shanty-Chors kommt in Varrel gut an

Der Spaß schwappt über zum Publikum

Der Capstan Shanty Chor Bremen nimmt die Zuhörer mit auf eine musikalische Reise. Foto: Heinfried Husmann

Varrel - Von Angelika Kratz. Während am Samstag auf dem Außengelände der Gutsscheune Varrel jemand das erfolgreiche Andocken eines Brautpaares im Ehehafen fotografisch festhielt, galt für den Innenbereich: „Leinen los“ und ab auf musikalische Kreuzfahrt! Zu dieser hatte der Capstan Shanty-Chor Bremen eingeladen. Sein Jahreskonzert war nahezu ausgebucht.

Die Scheune war mit viel Liebe zum Detail maritim herausgeputzt. Die Bremer Speckflagge flatterte auf den Tischen und sollte später ausgiebig zum Wedeln genutzt werden. Über den Köpfen der Gäste hingen bunte Fahnen aus vielen Ländern, vor der blumengeschmückten Bühne drehte sich das Steuerrad. Bereits zum Kaffee mit selbstgebackenem Kuchen der weiblichen Crew vom Chor hatten sich die Tore der Gutsscheune geöffnet. An Tischen ließ sich die überwiegend ältere Generation auf viele Gespräche mit Nachbarn ein.

Die Kapitänsmütze hatte sich die temperamentvolle Dirigentin Anna Koch aufgesetzt, die ihre gut 40 Leicht- und Schwermatrosen stimmlich perfekt auf ihrem Bühnenschiff zu navigieren weiß.

Zu dem Lied „Nimm mich mit Kapitän auf die Reise“ nahm die Mannschaft unter einem Klatschkonzert des Publikums Aufstellung. Die Männer hatten sich schick gemacht mit weißen Hosen, Rollis und Mützen sowie dunklen Jacken. Nicht nur optisch überzeugten sie: Was der Chor mit seiner Bordkapelle darbot, war klasse.

Ein Sänger verriet am Rande: „Es macht uns unheimlichen Spaß.“ Und genau dieser schwappte über die Reling zwischen wehmütigen Gedanken an die längst ausgemusterten „Bremen 5“ sowie Geschichten über Tabak und Rum. Bei schwerem Sturm wurde das „Ave Maria der Meere“ gesungen. Das Publikum reagierte mit einem aus tiefster Seele kommenden „Oh“. Aber für allzu große Schwermut blieb keine Zeit, denn mit „I am Sailing“ ging es weiter. Beachtlich waren die vielen Solostimmen.

Als die Kehlen trocken gesungen waren, legte der Chor eine Pause ein und machte die Bühne frei für ein Kontrastprogramm so ganz im Sinne der norddeutschen Besucher. Die Gruppe Pressgëng trat mit Fun-Shantys und Seemannsmusik auf. Sie besteht eigentlich aus Bill Brook, Lou Rupp, Thies Hope und Pinne Berg. Aber einer schien bei der Fahrt aus Hamburg über Bord gegangen zu sein. Egal, auch als Trio zeigte Pressgëng die Shanty-Welt zwischen Grönland und einer rosa Bonschen-Insel von einer ganz anderen Perspektive. Die fröhlichen Jungs im Piratenoutfit hatten es faustdick hinter den Ohren mit ihren „leicht“ abgewandelten Ohrwürmern.

Nachdem die Stimmen wieder geölt waren, ging die Fahrt mit dem Capstan Shanty-Chor weiter, unter anderem nach „Santo Domingo“ und zur bekannten „Kleinen Kneipe in unserer Straße“.

Dann wurde endlich der jüngste Fan, der zweijährige Mattes, erlöst. Er hibbelte im zweiten Programmteil vor der Bühne herum, denn eigentlich wollte er doch zu seinem Opa Hartmut Görler. Dieser hielt die Gitarre in der Bordband in der Hand und stand neben Klaus Oberbach (Bass), Alexander Kremer (Akkordeon / Arrangements), Georg Leonhardt und Anke Schleff (beide Akkordeon). „Wir brauchen Sie“, forderte ein Plakat auf, beim Chor mitzumachen. Mattes wird noch zu klein sein, hat aber sicherlich das Potenzial, in Opa Hartmuts Puschen zu schlüpfen.

Mit einem aus dem Publikum lautstark mitgesungenem „Amazing Grace“ endete ein rundum gelungenes Konzert mit Spaß auf und vor der Bühne.

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