Slow-Food-Vereinigung im Landkreis Diepholz nach fünfjähriger Pause wieder aktiv

„Essen ist eine politische Handlung“

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Mag Natur und natürliche Lebensmittel: Slow-Food-Gruppenleiter Hans Schüler.

Landkreis Diepholz - Von Sigrun Grasekamp. Hans Schüler geht wie jeder normale Mensch auch im Supermarkt einkaufen. Aber mit einem Unterschied: Wenn auf der Packung nicht ersichtlich ist, wo die Zutaten herkommen, dann lässt er das Produkt im Regal stehen. Denn der Gruppenleiter der Slow-Food-Vereinigung will es ganz genau wissen. Slow-Food, das bedeutet bewusster Genuss regionaler Lebensmittel. Dabei geht es aber weit über das reine Essen hinaus. Es geht um das Recht des Menschen auf gute, saubere und faire Lebensmittel.

„Das ist eine Art Lebenseinstellung“, sagt Schüler. Ziel der Vereinigung Slow Food ist es, die Kultur des Essens und Trinkens zu pflegen und lebendig zu halten. Und dabei geht es speziell um regionale Produkte, aber auch um die dazugehörige Ökobilanz. „Wenn ein deutscher Apfel sehr lange in einem Kühlhaus gelagert wird, dann kann die Energiebilanz schlechter sein als würde man einen Apfel aus einem anderen Land importieren“, erklärt Schüler. Dieser Themenkomplex sei extrem vielschichtig. Genauso vielschichtig, wie das biologische Spektrum, das Slow Food erhalten möchte. Dazu werden alle Lebensmittel, die vom „Aussterben“ bedroht sind, in die „Arche des Geschmacks“ aufgenommen. Nach dem Motto: „Essen, was man retten möchte“. Zum Beispiel die Moorschnucken. „Dass die gezüchtet werden, um gegessen zu werden, ist ja elementar für ihre Arterhaltung. So komisch das auch klingen mag“, sagt Schüler.

Das Convivium (regionale Gruppe) in Diepholz besteht aus 35 Mitgliedern. Sie organisieren gemeinsam mit anderen Regionalgruppen Veranstaltungen. Denn die Mitglieder wollen nicht nur wissen, wo die Lebensmitteln herkommen, sondern auch, wie sie produziert werden. Also besuchen sie Höfe, Mühlen oder zum Beispiel Imkereien.

Wichtig ist ihnen dabei auch, Produzenten, Händler und Verbraucher in Kontakt zu bringen, Wissen zu vermitteln und den Ernährungsmarkt transparenter zu machen.

„Das ist eine wichtige Sache für die Gegenwart und die Zukunft, wir müssen uns überlegen, wie wir in Zukunft leben möchten. Wir wollen schon Einfluss nehmen und traditionelles Handwerk erhalten.“ Aus dieser Intention heraus hat Hans Schüler die Slow-Food-Gruppe im Landkreis Diep-holz vergangenes Jahr „wiederbelebt“. Die Gruppe war von 2003 bis 2009 aktiv, ist dann aber „eingeschlafen“, da der damalige Leiter weggezogen ist. Schüler wohnt zwar in Bremen, arbeitet aber seit 30 Jahren beim Landkreis Diepholz. Sein Ziel: Mindestens 50 Slow-Food-Mitglieder und einen stärkeren Fokus auf den Nachwuchs. Zum Beispiel mit dem Kinderkochclub Kiko NoMoor. „Viele Kinder wissen gar nicht, was Mangold ist oder wie man eine Zwiebel schneidet, dafür möchte ich sensibilisieren.“

Ein weitere Traum ist ein Restaurantführer für den Landkreis Diepholz, der die Restaurants mit Slow-Food-Augen betrachtet. Ach ja, und da wäre dann noch ein Wunsch: „Die Diepholzer Gans soll in die „Arche des Geschmacks“ aufgenommen werden.

Zum Hintergrund: Slow Food ist eine weltweite Vereinigung von bewussten Genießern. Sie fördern verantwortliche Landwirtschaft und Fischerei, artgerechte Viehzucht, das traditionelle Lebensmittelhandwerk und die Bewahrung der regionalen Geschmacksvielfalt und engagiert sich für das Recht auf Genuss, auf das Recht von guten, sauberen und fairen Lebensmitteln. Slow Food ist in verschiedenen Convivien (regionalen Gruppen) unterteilt, die Aktionen wie Verkostung, Produzentenbesuche und Kochkurse organisieren. Die Gruppen im Nordwesten geben halbjährig einen Veranstaltungskalender heraus. Mit der „Schneckenpost“ tauschen sie sich intern aus.

In Deutschland gibt es derzeit 13000 Mitglieder. Gegründet wurde die Vereinigung 1986 von Carlo Petrini in Italien.

Wer Mitglied werden oder in Veranstaltungen hineinschnuppern möchte, kann sich bei Hans Schüler unter Telefon 0421/373058, oder per E-Mail diep-holz@slowfood.de melden.

www.slowfood.de

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