Krischan Koch liest aus seinem Buch

Skurrile Ideen und schrulliges Lokalkolorit

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Krischan Koch präsentierte am Dienstagabend in der Bibliothek sein Buch „Dreimal Tote Tante“.

Brinkum - Von Dagmar Voss. Tote Tante klingt martialisch, ist aber eher süß, wenn man es in Nordfriesland genießt. Wer dort schon mal Urlaub gemacht hat, kann sich sicherlich an das nördliche Nationalgetränk erinnern: Kakao mit Rum und Sahnehäubchen, angeblich benannt nach einer Föhrbewohnerin, die nach ihrer Auswanderung in die USA zur eigenen Bestattung in einer Kakao-Kiste zurückgeschickt wurde. Diese Mischung spielt auch in dem neuen Buch „Dreimal Tote Tante“ von Krischan Koch eine Rolle – in mehr als einer Hinsicht.

Skurrile Ideen und schrulliges Lokalkolorit zeichnen den Krimi des Hamburgers aus, gut beobachtete kuriose Dialoge der Dorfbewohner und moderne Trends, die auch hier zu finden sind. So vegane Ernährung, Sex-Hotlines und artgerechte Tierhaltung.

In dem neuerschienen Kriminalroman, aus dem der Autor am Dienstagabend in der Bibliothek vorlas, geht es um Tote Tanten und tote Frauen. Mit dem lächelnden Kommentar: „Bin ich froh, dass ich nicht Freitag hier lese, das hätte schrecklich werden können“, begrüßte Koch die vorwiegend weibliche Zuschauerschar. (Freitag spielt Hamburg gegen Werder, Anm. d. Red.) Männliche Stuhrer verfolgten wahrscheinlich das Fußballspiel München gegen die Bremer im Fernsehen.

In „Dreimal Tote Tante“ – dem dritten Buch aus der Serie um das verschlafene nordfriesische Örtchen Fredenbüll und den Dorfpolizisten Thies Detlefsen – wird es ziemlich kriminell. Zunächst allerdings ordert der Briefträger in der „Hidde Kist“ noch ganz gemütlich dreimal Tote Tante.

In der schrägen Mischung aus Langeweile und Gerüchten erfährt der Zuhörer, wie sich das Leben gestaltet, wenn nichts passiert. Bloß dass Pensionswirtin Renate vermisst wird. Da hörten die Zuhörer mehr als die Protagonisten, zum Beispiel wie Renate versucht, sich aus Fesseln und einem modrigen Keller zu befreien.

Schließlich wird es dann noch richtig spannend, als erst eine und dann noch eine Tote auftaucht. Und zwar auf dem Hof von Schweinezüchter Schlotfeldt. Dort werden die Vierbeiner nicht ganz so artgerecht gehalten. Nun ja, am Rande spielt sich da zwischen Jungbauer, dessen Ehefrau und dem Alten der Zwist darum ab. Aber das wird unwichtig, als das Jauchebecken die Leichen zweier vermisster Frauen freigibt.

Natürlich gab der Autor die Lösung der Fälle, bei dem die Frauenleichen Fußverletzungen aufweisen und alle Krawatten mit den nordfriesischen Nationalfarben tragen, nicht preis. Da entschlossen sich etliche der Anwesenden nach knapp zwei Stunden Lesung zum Kauf einer oder mehrerer Bände. „Ich habe noch nie Krimis gelesen, eher Biografien und historische Romane“, gestand eine Erichshoferin, „aber jetzt will ich es mal versuchen, das hat mich neugierig gemacht.“

Immer wieder schilderte Koch augenzwinkernd, wie er recherchiert und schreibt. „Ich lebe täglich mit den Fredenbüllern, denn der vierte Band entsteht gerade.“ Der Schriftsteller Koch lebt in Hamburg, wo er als NDR-Filmkritiker arbeitet, und auf der Nordseeinsel Amrum, wo er mit Blick auf die See an seinen Lektüren arbeitet.

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