„Das Singen belebt“

Besuch bei Probe des Chors „MeLodia“

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Chorleiterin Daniela Staiger (r.) begleitet die Sängerinnen und Sänger während der Probe am Klavier. - Foto: Ehlers

Brinkum - Von Katharina Schmidt. Der Chor „MeLodia“ ist vielen Stuhrern nicht zuletzt durch Auftritte im Brinkumer Mehrgenerationenhaus (MGH) bekannt. Darum, auf Bühnen und Programmzetteln zu stehen, geht es den Mitgliedern aber gar nicht so sehr. Am wichtigsten ist ihnen die Freude am Singen. Diese ist den Choristen anzumerken.

Die Sonne ist seit etwa anderthalb Stunden untergegangen, als sich die Sängerinnen und Sänger im Haus Lohmann an der Bremer Straße zur Probe treffen. Derzeit zählt der Chor 13 Mitglieder im Alter von 52 bis 82 Jahren.

Zu Beginn stellen sich alle in einem Halbkreis um die Chorleiterin Daniela Staiger auf. Zunächst bleiben ihre Kehlen stumm. Sie atmen durch, verlagern ihr Gewicht von einem Bein auf das andere, lockern ihre Körper.

„Singen ist letzten Endes hörbar gemachte Bewegung“, sagt Wiltrud de Vries. Sie begleitet die Chormitglieder als Stimmtrainerin. Ob jeder Mensch singen kann, diese Frage ist ihr zufolge schwer zu beantworten. Aber die Antwort sei eigentlich auch unwichtig. Staiger stimmt ihr zu. Bedeutend sei, überhaupt zu singen. „Es wirkt sich positiv aus“, begründet sie.

Chormitglied Elma Meyer kann sich ein Leben ohne Gesang kaum vorstellen. Sie lässt ihre Stimme seit 64 Jahren erklingen. „Auch wenn ich manchmal murre, wenn ich zur Probe muss – wenn ich danach ins Auto steige, bin ich total gut gelaunt. Das Singen belebt.“

Nach den Aufwärmübungen geht es im Haus Lohmann richtig los. Die Mitglieder beginnen mit geistlicher Chormusik mit Texten von Huub Oosterhuis. Die Männer und Frauen singen in vier Stimmlagen – sprich Sopran, Alt, Tenor und Bass.

Schwierige Strophen gehen sie gründlich durch. Ihre Stimmen schallen durch den Raum. Wer die Augen schließt, könnte fast meinen, dass er statt von Fachwerk von Kirchengemäuern und Mosaikfenstern umgeben ist. „MeLodia“ hat aber auch volkstümliche Stücke im Repertoire.

Viele Sänger mehr als drei Jahrzehnte dabei

Ursprünglich war die Gruppe ein Kirchenchor. Dieser hatte sich im Jahr 1985 gegründet. Nach Differenzen mit der Kirchengemeinde haben die Sänger vor rund sieben Jahren als „MeLodia“ eigenständig weitergemacht. Viele sind seit der ersten Stunde dabei.

Georg Regier ist erst 2004 hinzugestoßen. „Ich konnte absolut nicht singen“, erinnert er sich. Trotzdem machte er mit – und bereut seine Entscheidung nicht. Auch Joachim Brinkmann ist froh, seit zehn Jahren dabei zu sein. „Ein weibliches Mitglied hat mich hier hergeschleppt, weil es an Tenören mangelte“, erzählt er schmunzelnd.

Mittlerweile haben die Mitglieder nicht nur viele Lieder gemeinsam angestimmt, sondern auch einiges erlebt. Ihre Mundwinkel ziehen sich zum Beispiel nach oben, wenn sie daran denken, wie kurz vor einem Auftritt in einer Kirche in Ostfriesland ein Auto voll Sänger fehlte. Das Navi hatte den Fahrer in die Walachei gelotst – letztlich kamen aber alle rechtzeitig an. „Der Einzige, der ruhig geblieben ist, war ich“, meint Regier und grinst. „Deswegen wurdest du auch geblitzt“, kommentiert eine Sängerin stichelnd.

Während des ganzen Abends ist die Stimmung entspannt und munter. Gegen Ende der Probe singen die Mitglieder – diesmal ohne Notenheft – einen Kanon, der zur Atmosphäre passt. Darin heißt es: „Der Frühling singt seine Lieder, schon kommt die gute Laune wieder.“

Die Chormitglieder treffen sich an zwei Mittwochabenden im Monat. Wer mitsingen möchte, kann sich bei Regier unter der Telefonnummer 0421/89 17 20 melden.

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