Silke Rehpenn gestaltet Kalender und Karten aus fotografierten Buchstaben

Die Frau mit dem Blick für das A im Fliegenpilz

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Das H im Zaun – nur eines von vielen Beispielen dafür, wie Silke Rehpenn an ihre Buchstaben kommt.

Varrel - Von Andreas Hapke. Silke Rehpenn fotografiert, woran die meisten Menschen achtlos vorbeigehen. Das geschwungene Ende eines Treppengeländers etwa, oder aufgesprungenes Holz und die Kerbe im Fliegenpilz. In solchen Motiven erkennt die 46-Jährige Buchstaben oder Ziffern, die sie für ihre „BuchstabenArt“ benötigt. So heißt auch das Geschäft, das sie seit knapp fünf Jahren in ihrem Haus an der Meenheit in Moordeich betreibt.

Rehpenn kreiert Kalender, Postkarten und Bilder, indem sie ihre Fotos zu Wörtern oder Jahreszahlen zusammensetzt. Für das Januarblatt ihres Kalenders 2016 hat sie das Wort „Anfang“ gewählt, für Februar „Abenteuer“ und für März „Loslassen“. Dass keiner dieser Begriffe ohne N auskommt, bedeutet eine große Herausforderung für die Künstlerin. „Das N zählt zu den schwierigeren Buchstaben“, erklärt Rehpenn. Selbst sie muss mit ihrem geschulten Blick zwei Mal hinschauen, um eins zu entdecken. Fündig geworden ist sie in einem Hafen, wo ein Tau entsprechend gewickelt war.

Ähnliche Probleme bereiten Rehpenn das M oder das G. Für eine 5, die sie für ein Datum auf einem Hochzeitsbild gleich mehrfach benötigte, habe sie sogar mal eine Belohnung ausgesetzt. Gefunden hat sie ihre Tochter in einer Baumwurzel. Schummeln kommt für die Künstlerin dennoch nicht in Frage. „Ich lege mir nichts so zurecht, dass ein Buchstabe draus wird“, betont sie. „Allenfalls drehe ich ein vorhandenes Motiv, mehr nicht.“ Als Beispiel nennt sie die von unten fotografierte Wendeltreppe im Turm des Jagdschlosses Granitz auf Rügen, die ihr als 6 dient. „Gedreht wird das halt zu einer 9.“

„Ich habe mit großen Sachen angefangen, etwa mit einer Tanne als i“, erinnert sie sich. „Das hat sich später verfeinert.“ Inzwischen hat Rehpenn das Auge, um in einem Paar Birkenzapfen eine 1 zu erkennen.

Über 500 Buchstaben und Zahlen hat sie bereits gesammelt. Ihre Motive findet sie in der Natur oder Architektur, wobei die meisten Aufnahmen in der näheren Umgebung entstanden sind. „Anfangs sind mir die Buchstaben regelrecht ins Auge gesprungen, jetzt fallen sie mir im Alltag weniger auf.“ Wohl deshalb zieht Rehpenn inzwischen überwiegend im Urlaub mit der Kamera los. „Da muss ich manchmal selbst wieder mein Bewusstsein dafür schärfen.“ Hin und wieder profitiere sie davon, dass die Nachbarn oder eines ihrer drei Kinder auf ein Motiv stoßen – manchmal im wahrsten Sinne des Wortes. Die dreieckige Kerbe im Fliegenpilz etwa, die ihr als A dient, hat sie entdeckt, nachdem einer ihrer Söhne im Wald hingefallen war. „Mit vielen Fotos verbinde ich solche Geschichten.“

Die Begriffe des Kalenders unterlegt sie mit Sinnsprüchen. Zum Thema Glück etwa lässt sie Mahatma Gandhi sprechen: „Glück ist erreicht, wenn das, was du denkst was du sagst und was du tust, in Harmonie ist.“ Solche Sprüche passten gut zu ihr. Schließlich sei sie hauptberuflich Yoga-Lehrerin. So soll es bleiben, auch wenn sie schon größere Aufträge von Firmen erhalten habe, zum Beispiel für einen Schwung Weihnachtspostkarten. „Die Buchstabenkunst ist mein Hobby“, sagt Rehpenn. „Ich kann mich hervorragend dabei entspannen.“

http://de.dawanda.com/shop/BuchstabenArt

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